Geistliches Wort

Brich mit dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus. Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut. 

Monatsspruch für den Monat Dezember aus Jesaja (58,7)

An Weihnachten geht es nicht nur um die Geburt Christi damals vor 2000 Jahren in Bethlehem, sondern vor allem darum, dass dieser Christus in uns Raum gewinnt und durch uns wirkt. Ich wünsche dir, dass die Heilige Nacht in dir diesen neuen Menschen, den Christus in dir, weckt. Was sollte in den Stunden des Festes wichtiger sein als dies? 

Jörg Zink

Ich mag Weihnachten sehr, liebe Leserinnen und Leser.

Angefangen von den Lebkuchen, die mir viel zu sehr schmecken, über Weihnachtsmärkte, Lieder und Geschichten, bis hin zum bunt geschmückten Christbaum und den Geschenken. Wehe, wenn jetzt nach Ostern auch noch Weihnachten Covid-19 zum Opfer fällt. Das war bis jetzt meine große und angesichts steigender Infektionszahlen wohl auch berechtigte Sorge. 

Dann hat mir ein lieber Freund erzählt, dass er an Weihnachten besonders dankbar für die Gottesdienste und Ansprachen ist, die es mit der Heimeligkeit, den Weihnachtsbräuchen und der heilen Welt nicht übertreiben. Das würde dem Ursprungsereignis nämlich ganz und gar nicht gerecht: eine Notgeburt in einem Stall – argwöhnisch beäugt von einem machtbewussten Autokraten, wahrgenommen lediglich von ein paar Hirten, die nachts ihre Herde bewachen und später noch von einer Handvoll Fremder auf der Durchreise…

Dazu passen die Nachrichten, die mich während ich diese Zeilen Ende Oktober schreibe, erreichen: Brot für die Welt schlägt Alarm. Bis zu 150 Millionen Menschen könnten nach Einschätzung der Welternährungsorganisation in Kürze zusätzlich von Hunger betroffen sein. Auf der Superintendential-versammlung unserer Kirche habe ich erfahren, dass Flüchtlinge, die in Österreich ein humanitäres Bleiberecht bekommen haben, laut neuem NÖ Sozialhilfeausführungsgesetz aus der Grundversorgung herausfallen und ohne Unterstützung dastehen. Besonders problematisch, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der COVID-Pandemie, ist die Tatsache, dass Betroffene, die keine Arbeit haben, von jeglicher Form der Gesundheitsversorgung abgeschnitten sind. 

In seelsorgerlichen Gesprächen nehmen Existenzängste und Einsamkeit wieder einen stärkeren Raum ein. Und immer mehr Menschen – auch in unserer Pfarrgemeinde – machen die Erfahrung in Quarantäne zu sein oder durchleben eine Infektion mit mehr oder weniger schlimmen Symptomen.

Die Advent- und Weihnachtszeit wird heuer also etwas anders verlaufen als sonst. Umso dankbarer bin ich für die Weihnachtsbotschaft, dass Gott kommt, dass er bei uns ist und ihm nichts Menschliches fremd ist. 

Das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz haben alles getan, um uns zu inspirieren, das Leben nicht nur für uns, sondern auch für die Menschen um uns lebenswert zu gestalten.

Wir werden als Pfarrgemeinde am Heiligen Abend draußen im Park beim Belverdereschlößl Weihnachten feiern – im Fackelschein mit der alten, tröstlichen Geschichte von der Geburt Jesu Christi und den Liedern, die so viel Tröstliches transportieren.

Ich lade uns ein, Gott im Advent und zu Weihnachten einen freundlichen Empfang zu bereiten: mit einfühlsamen Telefonaten, mit freundlichen Alltagsgesprächen, die Anderen trotz Maske und Distanz Nähe vermitteln und vielleicht auch in Form ganz praktischer bzw. auch finanzieller Unterstützung für die Menschen in der Nähe und in der Ferne! 

In seiner bemerkenswerten Ansprache zum Nationalfeiertag hat unser Bundespräsident die Hoffnung geäußert, dass wir nächstes Jahr zur gleichen Zeit das Schlimmste hinter uns haben. 

Dann werden wir zurückblicken auf diese unwirkliche Zeit und sagen können: Wir haben niemals, auch in der schwierigsten Zeit nicht, unsere Vernunft, unser Mitgefühl, unsere Gemeinschaft vergessen. Denn darauf ist unsere wunderschöne Heimat gebaut.

Alexander van der Bellen

In diesem Sinne wünsche ich uns allen gesegnete Festtage und ein gutes, gesundes neues Jahr 2021!

Pfr. Christian Brost

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Grußbotschaft zum 2. Advent am 6. Dezember 2020

Pfr. Christian Brost mit seiner Grußbotschaft zum 2. Advent

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Orgelmusik zum 2. Advent am 6. Dezember 2020

Gunther Martin Göttsche: Es kommt die Zeit + EG.E 8

Melitta Ebenbauer spielt auf ihrer Digitalorgel die Manscioni-Orgel des Samplesets Giubasco

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Grußbotschaft zum 1. Advent

Pfr. Christian Brost mit einer Grußbotschaft zum 1. Advent am 29.11.2020
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Orgelmusik zum 1. Advent

J.S. Bach: Nun komm der Heiden Heiland BWV 659 und die 1. Strophe EG 4

Melitta Ebenbauer spielt auf ihrer Digitalorgel das Sampleset Arlesheim (Ch) mit seiner Johann Andreas Silbermann-Orgel

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Grußbotschaft zum Ewigkeitssonntag am 22. November 2020

Grußbotschaft von Pfr. Christian Brost

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Orgelmusik zum Ewigkeitssonntag am 22. November 2020

Melitta Ebenbauer spielt Christian Fink: Jesus, meine Zuversicht mit der 1. Strophe von EG 526, gespielt mit dem Sampleset Arlesheim/Ch

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Konfirmation 2020

„Bitte erwarten Sie nicht zu viel.“ 

So werden wir BesucherInnen des Vorstellungs-Gottesdienstes der KonfirmandInnen eingangs von Mathias mit einem Augenzwinkern begrüßt. Wie sich bald zeigt, hat er damit charmant untertrieben.

Der Konfi-Unterricht war diesmal Corona-bedingt kein einfaches Unterfangen, denn der Zeitplan wurde gehörig durcheinandergewirbelt. Pfingsten war bisher unser traditioneller Termin, heuer feiern wir Konfirmation im Oktober. Doch das tut der Freude keinen Abbruch.

Der Vorstellungs-Gottesdienst

Am 13. September ist die Kirche voll – so voll, wie es unter Einhaltung aller Covid-bedingten Rahmenbedingungen möglich ist. Die Gemeinde ist „maskiert“, der Mikrofon-Schutz wird laufend gewechselt, die Abstände werden eingehalten … und dennoch, schon bald ist eine sehr positive und fröhliche Stimmung wahrnehmbar.

Jedes Jahr aufs Neue ist es schon erstaunlich, wie die Konfis ihr persönliches Glaubensbekenntnis formulieren. Da wird deutlich sichtbar, welches Gottesbild auch im Konfiunterricht vermittelt wird – so auch diesmal:

„Egal wer um Hilfe ruft, Gott hilft allen, weil er jeden Menschen so liebt, wie er ist.“

„Jesus Christus … zwingt uns zu nichts, will uns aber in seinem Leben ein Vorbild geben und einen Anreiz, in unserem Leben etwas zu ändern.“

Der Heilige Geist „gibt uns den letzten Schubser in die richtige Richtung.“

Das Gleichnis vom Sämann, dessen Saat nur aufgeht, wenn sie auf fruchtbaren Boden fällt, bildet den roten Faden durch den Gottesdienst. Die Konfis spielen eine Szene, in denen ein Engel in einem Einkaufsladen der Käuferin die Erfüllung jedes Wunsches verspricht – aber am Ende klar macht, dass es nicht die gewünschte Ware ist, die man hier bekommt, sondern nur der Samen, der verschenkt wird. 

Gott ist kein Wunsch-Einkaufsladen, er schenkt uns jedoch den Samen, damit WIR daraus etwas machen. Aber es gilt auch, Widerstand gegen andere „Sämänner“ zu leisten, wie gegen Werbung, die auf Habgier abzielt, oder auch gegen Fremdenfeindlichkeit. Da gilt es, Gottes Samenkörner wie Regeln für ein gelingendes Leben anzunehmen und zur Blüte zu bringen – für uns und für unsere Mitmenschen.

Als Zeichen dafür, wie wir diese „Saat“ unseren Nächsten vermitteln wollen, stehen wir am Ende des Gottesdienstes im Kreis rund um unsere Friedenssäule, sprechen gemeinsam den „Segen zum Mitmachen“, und unsere Konfis schmücken die Friedenssäule mit kleinen bunten Steinen. 

Die Konfirmation – Teil 1

Samstag, 24. Oktober, 10 Uhr. Corona-bedingt müssen wir heuer die Konfirmation auf 2 Tage aufteilen. Alle Sicherheitsabstände werden eingehalten, die Masken aufgesetzt, die Orgel setzt mit einem feierlichen Bach-Präludium ein, die Feier kann beginnen.

Ja, es liegt eine ungewohnt lange und auch mühevolle Vorbereitungszeit nun hinter unseren Konfis, und so begrüßt Pfarrer Christian Brost sie auch als „unsere Helden“.

Christian hat ein Segenspaket für sie mitgebracht – ein Segenspaket als Geschenk Gottes für unsere Konfis: Da ist

  • eine Taufkanne drinnen, denn heute werden die Konfis Ja zu ihrer Taufe sagen;
  • ein Regenschirm, denn gute Freunde lässt man nicht im Regen stehen;
  • ein Verbandskoffer für die Zeiten, wo junge Menschen unbedingt mit dem Kopf durch die Wand müssen;
  • eine Bibel als Inspirationsquelle gerade auch für schwierige Zeiten
  • und schließlich Brot und Wein – „echte“ Lebensmittel, durch die Gott uns stärken will.

Nach dem Glaubensbekenntnis, das die Konfis selbst formuliert haben (was später Kurator Gert Lauermann zu Recht lobend hervorhebt), werden sie von Christian gesegnet – und Karin Brost, die mit ihm gemeinsam den Konfi-Unterricht geleitet hat, spricht jedem/r seinen/ihren persönlichen Konfirmationsspruch zu.

Auch für die Feier des Abendmahls werden alle Hygiene-Vorschriften eingehalten – es gibt für jede/n einen eigenen kleinen Kelch.

Zuletzt werden die Fotos gemacht – und eine Konfirmation unter doch sehr speziellen Vorzeichen findet feierlich und fröhlich ihren Abschluss.

Die Konfirmation – Teil 2

Am darauffolgenden Tag findet die Konfirmation für die zweite Gruppe der Konfis statt, doch diese dann doch unter etwas anderen Vorzeichen als ursprünglich geplant.

Noch am Samstag Nachmittag ereilt Christian ein Anruf, dass er sich aufgrund einer positiv getesteten Schülerin unmittelbar in Quarantäne begeben muss. Christian darf also seine Wohnung ab sofort nicht mehr verlassen und somit die Konfirmation am Sonntag nicht leiten – daran ist nicht zu rütteln, so schwer ihm das auch fällt. 

Dennoch wird auch die zweite Gruppe feierlich konfirmiert, denn Gert, Karin und ich sind kurzfristig eingesprungen und haben so gezeigt: Unsere Gemeinde lebt das Priestertum aller Gläubigen auch in der Realität. Dass unsere Gemeinde zu einer solchen geworden ist, dafür möchte ich an dieser Stelle unserem Pfarrer und unserem Kurator von ganzem Herzen danken!

Andreas Andel

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Aus dem Presbyterium

Bereits im Sommer haben wir die neuen Regeln für das Abendmahl beschlossen. Dabei sind wir einer der Empfehlungen des Theologischen Ausschusses der Synode und der Kommission für Gottesdienst und Kirchenmusik gefolgt. Um weiterhin das Sakrament des Abendmahls, das für uns als Gemeinschaftsmahl von herausragender Bedeutung ist, in beiderlei Gestalt (also Brot und Wein) feiern zu können, haben wir Einzelkelche aus Glas samt Tabletts angeschafft. Die Hostien werden mit einer Zange gereicht. So kann berührungslos und bei größtmöglicher Sicherheit vor Ansteckung Abendmahl gefeiert werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei Dir.i.R. Stefan Scherz bedanken, der die Einzelkelche und Tabletts im Wert von mehreren hundert Euro gespendet hat! Vielen lieben Dank!

Im Herbst haben wir zwangsläufig den pandemiebedingten Ausfall des Gemeindecafés und die weiteren Einschränkungen des Gemeindelebens verlängert.

Auch das Projekt für den neuen Glockenturm in Hollabrunn kommt wegen Corona nicht ganz so schnell voran, wie erhofft. Es bleibt aber dabei, dass 2021 gebaut werden soll. Herzlichen Dank an alle Spenderinnen und Spender, die auf den Aufruf in den letzten Gemeindenachrichten reagiert haben! Besonderer Dank an die Privatstiftung der Weinviertler Sparkasse, der wir einen großen Beitrag verdanken. Insgesamt wurden bisher mehr als € 23.000 für den neuen Glockenturm gespendet. 

Wir haben 500 € für die Pfarrgemeinde Großschenk in Siebenbürgen gespendet, die dieses Geld zur Altenpflege und -betreuung dringend benötigt.

Wir haben uns mit der Konfirmation 2020 beschäftigt. Freilich kam dann ohnehin 2020 einiges anders als geplant, wie sie auch in diesen Gemeindenachrichten nachlesen können… Jedenfalls haben wir beschlossen, dass die Konfirmation(en) 2021 – voraussichtlich mit so vielen KonfirmandInnen wie noch nie – ebenfalls im Monat Oktober stattfinden soll(en).

Weihnachten 2020

Auch Weihnachten 2020 kann nicht wie sonst stattfinden. Um sicherzustellen, dass alle Corona-Auflagen erfüllt werden können, werden die Weihnachtsgottesdienste in Stockerau heuer im Freien im Belvederepark stattfinden! Der Gottesdienst in Hollabrunn wird ökumenisch in der kath. Kirche gefeiert. In Retz werden wir in die Rathauskapelle ausweichen. In Kalladorf ist eine Feier heuer leider unmöglich und wir bitten alle, die sonst in Kalladorf den Weihnachtsgottesdienst gefeiert hätten, in die kath. Gartenstadtkirche Hollabrunn zu kommen. Die Uhrzeiten entnehmen Sie bitte den Terminseiten. Allfällige aktuelle Änderungen werden Sie auf unserer Homepage finden.

Entpflichtung einer Presbyterin

Abschließend darf ich Ihnen noch bekannt geben, dass Ingrid Oblak aus privaten Gründen ihren Rücktritt aus dem Presbyterium erklärt hat. Als Lektorin und Gemeindevertreterin bleibt sie uns aber erhalten.

Vielen herzlichen Dank für Deine Unterstützung und Mitarbeit im Presbyterium, liebe Ingrid!

Wir schätzen Ingrid seit vielen Jahren als stabilen Faktor in unserer Pfarrgemeinde. Ihre ehrliche und herzliche Art wirft oft ein – auf wertvolle Weise – anderes Licht auf Themen. Das werden wir vermissen. Wir gönnen Ingrid aber auch von Herzen, sich nach Jahrzehnten der aktiven Mitarbeit in der Gemeindeleitung nicht mehr mit allen Problemen beschäftigen zu müssen und mehr Zeit für ihren Mann Karl und ihre Familie zu haben.

Die Neuwahl einer Presbyterin/eines Presbyters aus dem Kreise der GemeindevertreterInnen soll – sofern es die Umstände zulassen – möglichst am 28.2.2021 erfolgen.

Kurator Gert Lauermann

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Kräuterwanderung mit Frau Seisl

Voller Erwartungen und Vorfreude radelte ich den Berg hinauf zum Friedhofsparkplatz. Dort sollten wir einander treffen, um mit Kräuterfrau und TCM-Ernährungsberaterin Andrea Seisl eine Kräuterwanderung zu machen. Und welch schöne Überraschung! Es waren viele da! Außer mir noch 11 TeilnehmerInnen – das ist in diesen Zeiten eine große Gruppe. Aber im Freien und bei hervorragenden spätsommerlichen Temperaturen waren Corona und seine Bedingungen Gott sei Dank gar kein Thema.

Und wir wurden sofort in Medias Res geführt. Gleich neben der Mauer vom jüdischen Friedhof wachsen nämlich die schönsten Brennnesseln von ganz Stockerau. Und diese Pflanze kennen zwar alle, aber dass man jetzt die Samen ernten und verwenden kann, war zumindest für mich neu.

Apropos Kräuterwanderung im späten September: der beginnende Herbst ist auch die Wurzelzeit. Also der Zeitraum im Jahr – von Ende September bis Anfang November – wo Wurzeln gesammelt werden. Aber auch Samen kann man jetzt finden. Wie eben von der Brennnessel, aber auch vom Breitwegerich – für Ohren hilfreich, und vom Spitzwegerich – gegen Husten.

Frau Seisl ist ein wandelndes Pflanzenlexikon und ihr Wissen über Wirkstoffe, Sammeltipps sowie Zubereitungsweisen ist schier grenzenlos. Also für mich ist das sehr hilfreich – ist doch meine Pfadfinderzeit schon sehr lange her. Obwohl es um sehr weit verbreitete Pflanzen und Kräuter geht, ist ein fundiertes Wissen hilfreich, denn man kann schon auch ungenießbare oder giftige Pflanzen erwischen.
Wir wanderten, oder besser wir bewegten uns langsam die Felder entlang. Immer wieder machten wir Halt und eine andere Pflanze gab sich ein Stelldichein. Z.B. die zweijährige Klette, bei der nach der Blüte – also jetzt – die Wurzel geerntet werden kann. Niemals sollte man die ganze Wurzel ausgraben, das würde der Pflanze den Lebensatem nehmen. Immer soll man einen Teil der Wurzel stehen lassen. Wurzel klein schneiden, dann trocknen lassen und z.B. zu einem Tee verarbeiten. Klette wirkt blutreinigend und harntreibend.

Frau Seisl bezeichnete sich als Beerenliebhaberin. Da gibt es im Spätsommer, aber auch im Herbst noch einiges zu finden. Sanddorn – als Kaltmarmelade oder eingekocht, aber auch, Holunder (da ist die beste Sammelzeit schon vorüber), alles Beeren mit hohem Vitamin C-Gehalt und besonders in dieser Jahreszeit gut für das Immunsystem.

Die roten Beeren des Weißdorn haben herzstärkende Wirkung.

Die blauen Beeren des Schlehdorn – geerntet nach dem ersten Frost – dienen mit ihrer adstringierenden Wirkung dem Nieren-Qi und damit unterstützend bei Belastung, sei es psychisch oder physisch im Herbst durch die kältere Jahreszeit.

Während der knappen 2 Stunden, in denen wir unendlich viel Neues über zu kennen geglaubte Pflanzen erfahren konnten, dachte ich mir mehrmals, was soll ich denn jetzt mit dem neuen Wissen anfangen?

Frau Seisl konnte scheinbar Gedanken lesen. Denn kurz bevor wir den Rückweg einschlugen, weil es schon dunkel wurde, gab sie uns einen äußerst praktikablen Rat.

Erstens: jede/jeder soll mit etwas beginnen, was er oder sie im eigenen Garten hat. Bei mir sind das definitiv die Brennnesseln, deren Samen ich ernten und mit einem Sesamsalz vermischen werde.

Zweitens: die 5er-Regel: mit fünf Kräutern (oder Wurzeln oder Beeren) beginnen und nicht gleich alles, was möglich ist einsammeln. Da kann man leicht den Überblick verlieren. Das dürfte jetzt im Herbst nicht so schwierig sein, da jetzt weniger zu sammeln ist als im Frühjahr. Apropos Frühjahr: da könnten wir wieder eine Kräuterwanderung machen. 

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