Ein Wochenende voll Gesang

Ja, wir Stockerauer können es schon als Tradition bezeichnen. Heuer bereits zum 5. Mal fuhren 6 Sängerinnen aus unserer Pfarrgemeinde Ende Juni zum diözesanen Chorwochenende.

Diesmal trafen sich die ca. 50 Frauen und Männer im Stift Göttweig – uns ja bestens bekannt, weil unser Lutherwein aus dieser Gegend stammt. Die künstlerische Leitung lag in den bewährten Händen von Diözesankantorin Sybille von Both. Für die Organisation – die bei dieser Teilnehmerzahl und an diesem Ort schon ganz schön viel Arbeit bereitete – zeichnete wieder Peter Schirnhofer verantwortlich.

Wer singt denn da mit? Ein wahrlich bunter Haufen Evangelische aus ganz Niederösterreich. Auch Wiener sind vertreten. Und Katholiken sind auch dabei.

Singen verbindet!

Dass ein evangelischer Chor so eine Mitgliederstärke haben kann, ist für alle etwas Besonderes. Singen in so einem Chor macht besonders viel Freude: weil die einzelnen Stimmen schneller einstudiert sind; weil der Sound gleich mehr hergibt als bei einer Handvoll SängerInnen; weil es mit Sybille – bei aller Ernsthaftigkeit für die Sache – immer auch lustig ist. Und Lachen wie Singen hält jung. Am Sonntag Vormittag konnten wir einen katholischen Gottesdienst im Stift mit unserem Gesang krönen.

Abschlusskonzert

So wie jedes Jahr schafften wir auch heuer ein Programm einzustudieren, das zum Schluss aufgeführt wurde. Die Werke spiegelten ein breites Spektrum von Chormusik wieder: Thomas Morley „Sing we and Chant it“ war ebenso auf dem Programm wie Heinrich Schütz „Aller Augen“ ,“Bleib bei mir Herr“ nach William Henry Monk oder „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“ aus dem Musical „Daniel“ von Thomas Gabriel, „Jesus is my salvation“ und „Sometimes I feel Like a Motherless Child u.a.m.

Ort des Abschlusskonzertes war diesmal die Evangelische Kirche in Krems, wo wir herzlichst begrüßt wurden. Sogar unser Superintendent Lars Müller-Marienburg kam per Fahrrad und lauschte – phasenweise sang er mit! Der Chorgesang wurde ergänzt durch launige Texte zum Thema „Wein“ – vorgetragen von SI-Kuratorin Gisela Malekpour und durch Beiträge einzelner Musikanten am Klavier, mit Gitarre und Gesang und mit Geige.

Bei köstlichem Blätterteiggebäck und Wein klang das Wochenende aus. Der diözesane Chor ist im Wachsen und wir sind froh, dass wir als Stockerauer SängerInnen daran Anteil haben.

Irmi Lenius

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Familien-Gottesdienst in der Stockerauer Au

 

Bei sommerlichem Wetter versammelten sich am 25. Juni Evangelische aus der ganzen Diasporagemeinde beim Naturfreundehaus in der Stockerauer Au. Der schon traditionelle Gottesdienst im Grünen ist immer ein besonderes Ereignis. Allein schon die Möglichkeiten der Wetterlage sind spannend, aber auch die Gegebenheiten vor Ort sind vorher nicht immer klar. Diesmal hat alles gepasst. das Wetter war perfekt – der Regen kam erst um 16.30 Uhr. Die Bäume spendeten Schatten und wir hatten ausreichend Sitzgelegenheiten.

Stark wie die Zedern

Alle Menschen, die Gott die Treue halten,
wachsen auf wie grüne Palmen
und werden groß und stark wie die Zedern des Libanon.
Weil sie in der Nähe des Herrn gepflanzt sind,
wachsen und grünen sie immerzu.
Noch im hohen Alter tragen sie Frucht,
immer bleiben sie voll Mut und Kraft.
Ihr Leben bezeugt: Der Herr tut das Richtige,
auf ihn ist immer Verlass!

Dieser Psalmtext (Ps 92) stand wie eine große Überschrift am Beginn des Gottesdienstes.

Das Bild des Baumes wurde noch weiter vertieft: Unter einem großen Tuch durften Kinder etwas ertasten – und es waren Teile eines Wurzelstocks. Da es Pfadfinderkinder waren, wussten sie bestens Bescheid, welche Funktionen Wurzeln haben.

Wir verwenden die Redewendung von den eigenen Wurzeln und meinen da unsere Herkunft: das Land, in dem wir aufwachsen; die Speisen, die unseren Geschmack prägen, und -nicht zu vergessen – die Sprache, mit der wir groß werden. All das gibt auch uns Halt, Kraft und Stabilität – so wie die Wurzeln einem Baum.

Das Eschensterben – die Ent-wurzelung

Viele von uns wussten schon, dass es heuer auch in unserer Au das große Eschensterben gibt. Ein Pilz ist schuld, der die Wurzeln dieser Bäume befällt und dazu führt, dass sie ohne Vorwarnung umfallen können.

Auch Menschen können entwurzelt werden.So manche von uns werden es schon selbst erlebt haben: eine Übersiedlung ist auch für die Wurzeln eine neue Herausforderung. Die Geschichte von Sebastian und dem Wacholder, die beide eine Übersiedlung zu meistern hatten, veranschaulichte das. Da heißt es neu Fuß fassen, neue Freunde finden – also auch neue Wurzeln wachsen lassen.

Es gibt aber auch unfreiwillige Übersiedlungen, wie die von Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie Angst um ihr Leben hatten. Die fühlen sich auch hier bei uns rasch ent-wurzelt und es ist nachvollziehbar, dass sie auf Frieden hoffen, um in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Glaube als Hilfe

Wir Menschen können merken, dass wir an unseren Wurzeln krank sind, wenn wir von Klein auf Dinge mit uns herumschleppen, die uns das Leben schwer machen. Der Glaube kann da eine große Hilfe sein, den Mut aufzubringen hinzuschauen. Warum der Glaube?

Bei unseren jüdischen Geschwistern wird das gut sichtbar: In jedem Gebet, jeder Handlung und jeder Zusammenkunft ist die Geschichte präsent. Nicht irgendeine Geschichte, sondern die Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft. Schon die 10 Gebote beginnen mit den Worten: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat…

Diese Befreiung ist die Wurzel des Glaubens! Ich darf befreit leben: befreit von der Angst, zu versagen, befreit zu einem Leben aus der Liebe und befreit durch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

Das klingt schön, wird aber genau dann evident, wenn es uns schlecht geht. Dann braucht es auch die Gemeinschaft, die mir diesen Glauben zu leben hilft.

So eine Gemeinschaft wollen wir als Pfarrgemeinde sein: eine tragende, Halt gebende Gemeinschaft, die genau dann zu helfen versteht, wenn sie gebraucht wird.

Unser Pfarrer Christian Brost hat allen Anwesenden in diesem Zusammenhang die „Hausaufgaben“ für die Sommerferien mitgegeben: Wir mögen uns folgende zwei Fragen durch den Kopf gehen lassen:

Was darf es mich kosten, meine Wurzeln ins Erdreich des Glaubens an Gott zu senken? Und: Was bin ich bereit einzusetzen für das Miteinander in der Gemeinde?

Pfarrer Brost: „Nur wer auch bereit ist etwas zu geben, wird in Zukunft eine Gemeinschaft finden, von der er auch etwas nehmen kann. Bleiben wir in lebendiger Verbindung mit Gott und miteinander. Und helfen wir entwurzelten und verletzten Menschen, neu Wurzeln zu schlagen.“

Gemeinsamer Abschluss

Zum Abschluss des Gottesdienstes bildeten wir einen großen Kreis. Wir vergegenwärtigten uns unsere Wurzeln, nahmen Kontakt mit unseren Nachbarn auf und streckten uns Gott mit diesem Gebet entgegen:

Gott, wir halten uns aneinander und halten einander.
Wir freuen uns darüber, dass du unser fester Grund bist
und wir aus dem Glauben an dich Kraft schöpfen für unser Leben
– auch für das Leben als evangelische Gemeinde.
Lass uns miteinander in dir verwurzelt bleiben.
Du bist der Lebensgrund.
Hilf, dass das Gute in uns wachsen kann und daraus reiche Frucht wird
– auch für die Menschen, die uns begegnen.

Bevor wir zum gemütlichen Teil übergingen, wurde unser Pfarrer von den Pfadfindern mit der bronzenen Ehrenmedaille geschmückt. Das Pfadfinderleitungsteam bedankte sich bei Christian Brost für seine Kuratortätigkeit und schaffte es, ihn damit wirklich zu überraschen. Wir freuen uns mit ihm über diese Wertschätzung!

Dann wurden die Griller angeworfen und die Kanus ins Wasser gehoben. Die einen füllten sich ihre Mägen und unterhielten sich bestens, die anderen paddelten fröhlich in der Au. Ein großes Danke allen, die zum Gelingen beigetragen haben!

Irmi Lenius

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Aus dem Presbyterium

Die Krankenhausseelsorge in Hollabrunn und Stockerau erforderte in den letzten Monaten unsere Aufmerksamkeit. Nachdem uns zeitweise die Daten evangelischer PatientInnen nicht weitergegeben wurden, konnte schließlich eine gute gemeinsame Lösung gefunden werden. Patientenrechte und Datenschutz werden genauso wie Religionsfreiheit und das Recht auf Seelsorge auch weiterhin gewahrt bleiben. Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Verantwortlichen der nö. Landesklinikenholding für das gemeinsame Bestreben nach einer für die PatientInnen guten Lösung und an SI Lars Müller-Marienburg und Synodenpräsident Peter Krömer für ihren vermittelnden Einsatz. Größten Dank möchte ich aber unseren SeelsorgerInnen Pfr.i.R. Robert Kauer, Irmi Lenius und Pfr. Christian Brost für ihren unermüdlichen Einsatz für Kranke aussprechen!

Wir haben uns über die Ausstellung „Luther und die Juden“ und den Studientag am 1. Mai inhaltlich ausgetauscht. Wir sind gespannt, welche gemeindlichen Entwicklungen durch die Beschäftigung mit diesen Themen noch folgen werden. Mehrmals haben wir diakonisches Engagement für bedürftige Einzelpersonen besprochen und beschlossen. In unseren Räumen fanden auch der zweite Teil von „Sprachrohr“ für minderjährige Flüchtlinge und eine Mediation für Flüchtlinge aus dem „alten Bezirksgericht“ statt.

Das Museumsdorf Niedersulz bekam von uns die Gedenktafel von der Sebastianikirche als Dauerleihgabe. Anlass ist die Erneuerung der Ausstellung über die Evangelischen im Weinviertel. Das Bezirksmuseum Stockerau bekam unseren alten Altar und einige alte Kirchenbänke geschenkt. Damit soll eine Ausstellung über die Evangelischen in Stockerau entstehen.

Organisatorisches beschäftigte uns natürlich auch; die Ergebnisse konnten und können Sie bei zahlreichen Veranstaltungen miterleben.

Ich bin Ihnen noch die nun beschlossenen Finanzdaten von 2016 schuldig:

Die außerordentlichen Ausgaben sind wegen des Glockenturms in Hollabrunn notwendig.

Kurator Gert Lauermann

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Glockenturm in Hollabrunn in Gefahr

Nach mehr als 50 Jahren macht er schlapp: Der Betonverputz des Glockenturms in Hollabrunn fällt ab und gefährdet alles, was sich unter ihm befindet.

Die Hollabrunner Gemeindevertreterinnen haben sich tabulos mit allen Möglichkeiten einer Entschärfung des Problems auseinandergesetzt. Mit Unterstützung von Arch. Martin Kuchler wurde schnell klar, dass eine Renovierung des Turms nicht nur die günstigste, sondern auch die für die Gemeinde beste Lösung ist. Die Sichtbarkeit unserer Christuskirche und das stolze Läuten der schönen Glocken beim Gottesdienst sind uns wichtig.

Der Turm soll nun nach einer Rostschutzbehandlung neu mit Exteriorplatten verkleidet werden. Die voraussichtlichen Kosten von rund 30.000 € sind freilich für unsere Pfarrgemeinde alles andere als leicht zu stemmen. Deshalb bitten wir Sie höflich um Ihre Spende für den Glockenturm Hollabrunn! Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag!

Gert Lauermann, Kurator

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Friedensgottesdienst

 

Fische, Schmetterlinge, Herzerl, Engel, Sterne, sogar Hasen und Blumen – das alles und noch mehr sind Beiträge zum Frieden! Diese Dinge, geformt aus Ton, bunt bemalt und gebrannt: Sie sind allesamt sichtbar seit Sonntag, dem 21. Mai, wo im Anschluss an den Friedensgottesdienst die erste Klebeaktion an der Friedenssäule stattgefunden hat.

Eine wirklich bunte Schar von Menschen traf sich in der Lutherkirche zum Gottesdienst. Gäste aus der Politik (aus allen Lagern), angeführt von Bürgermeister Helmut Laab, katholische Geschwister und Gemeindeglieder fanden sich ein, um dem Thema Frieden Raum und Zeit zu geben.

Was bedeutet Frieden für mich?

Diese Frage stand im Raum, und sie wurde ganz konkret von vier Gästen und unserem Pfarrer Christian Brost beantwortet; von vier Menschen, die kaum unterschiedlicher sein könnten: dem Bildhauer Leo Pfisterer, der ja auch die Gestaltung der Friedenssäule verantwortet, Bürgermeister Helmut Laab, dem in der Wirtschaft tätigen Ing. Hubert Culik und der Leiterin des Hauses Ibrahim, Mag. Katrin Rother. Wen man ihre Statements zusammenfasst, dann lassen sich folgende Aussagen formulieren:

  • Friede ist dort, wo Menschen glücklich sind. Wo Raum ist zur Ruhe zu kommen, wo niemandem eine bestimmte Ideologie aufgezwungen wird. Wo jeder sein Zuhause haben darf.
  • Friede ist dort, wo Menschen so sein können, wie sie sind. Wo das Miteinander von Respekt geprägt ist – sei es in der Familie, im Verein oder der Gemeinde. Wo Menschen Mut schöpfen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen.
  • Friede ist dort, wo Begegnung stattfindet. Im Du ein Gegenüber finden, das mich wachsen lässt. Wo Begegnung glückt, werden Ängste und Vorurteile abgebaut. Das hat Jesus vorgelebt. Der jüdische Theologe Pinchas Lapide nennt das Entfeindung.
  • Friede ist dort, wo Vergebung gelebt wird. Wo Menschen ihre eigenen Abgründe erkennen und tragen, geschieht Heilung und wächst Toleranz auch anderen gegenüber. Wer vergibt, heilt auch sich selber.

So bunt und vielfältig wie die Mosaiksteine, die im Anschluss an den Gottesdienst auf die Säule geklebt wurden, so bunt kann auch Friede werden. Im Kleinen wie im Großen, in jedem Einzelnen wie in den diversen Gemeinschaften.

Irmi Lenius

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Aktion Friedenssäule

Seit einigen Monaten steht nun die Friedenssäule im kleinen Park vor unserer Kirche. Sie trägt die Aufschrift „Möge Frieden auf Erden sein“ in vier verschiedenen Sprachen.

Doch was jetzt? Da steht sie nun, wie geht’s jetzt weiter? Das kann doch noch nicht alles gewesen sein.

Dieses Nachdenken ist durchaus beabsichtigt: Wie können wir etwas zum Frieden beitragen? Wo können wir Dinge zum Guten beeinflussen?

In der Zwischenzeit haben viele fleißige Hände in der Töpferwerkstatt des Landespflegeheims Arche eine Menge kleine, bunte Kunstwerke geschaffen, mit deren Hilfe unsere Friedenssäule lebendig und farbenfroh gestaltet werden soll.

Groß und Klein haben bei dieser Aktion fröhlich zusammengearbeitet. Es ergaben sich nette Gespräche, und es hat allen Spaß gemacht, friedlich Hand in Hand zu arbeiten – so einfach kann sich Frieden ausdrücken! Herzlichen Dank an alle, die sich für die Töpferarbeit Zeit genommen haben!

Beim Friedensgottesdienst am 21. Mai waren alle herzlich eingeladen, sich über den Frieden im eigenen Herzen und in der Welt Gedanken zu machen und seinen Friedensmosaikstein an die Säule zu kleben.

Ein Zeichen des Friedens in einer Welt, die sich nach Frieden sehnt!

Karin Brost

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Unsere Konfis 2017


HALBWIRT Elisabeth

Mein Name ist Elisabeth Halbwirt. Ich bin 13 Jahre alt und wohne in Senning. Ich habe vier Geschwister und zwei davon wurden ebenfalls hier in Stockerau konfirmiert.  Ich gehe in die 4. Klasse des Gymnasiums Stockerau. Ein Wunsch, den ich sehr gerne erfüllt hätte, wäre, dass ich nächstes Schuljahr in die Schule komme, in der ich mich angemeldet habe. In meiner Freizeit spiele ich Klavier und übe den Sport „Rhythmische Sportgymnastik“ in Korneuburg aus. Bei unserem Konfirmandenunterricht habe ich gelernt, dass man mit Leuten zusammenarbeiten kann, die man davor erst einmal oder noch gar nie gesehen hat. Und das ist es auch, was mir am christlichen Glauben gefällt, dass wir alle eine Gemeinschaft sind und alle über den gleichen Gott und über dieselbe Bibel reden, obwohl wir uns alle gar nicht kennen. Was mir an unserer Gemeinschaft auffällt, ist die Offenheit und das Miteinander. Zum Beispiel kann man während des Familiengottesdienstes auf Fragen vom Pfarrer einfach antworten und nach dem Gottesdienst sogar noch nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Oder beim Gemeindecafe sitzen ganz Fremde an einem Tisch und man kommt trotzdem ins Gespräch. Die Schöpfungsgeschichte habe ich besonders gerne, weil man erfährt, wie unsere Erde entstanden ist und wie wir nur durch diese auch leben können. Ich feiere meine Konfirmation mit meiner ganzen Familie. Ein Teil davon kommt aus Graz zu uns nach Hause und wir fahren dann gemeinsam in die Kirche. Nachdem ich konfirmiert wurde, fahren wir wieder nach Hause und lassen den Tag feierlich ausklingen.


HORVATH Tobias

Ich bin Tobias Horvath, wohne in Spillern und bin 13 Jahre alt. Meine Hobbies sind Computerspielen, Geschichte und Sport, besonders gerne spiele ich Fußball beim SV Spillern. Seit ich ein kleines Kind war, höre ich gern Geschichten aus allen Zeiten. Mich interessieren auch Geschichten aus der Bibel. Besonders beeindruckt hat mich Moses, der mit vielen Menschen aus Ägypten flieht und dann in der Wüste Gott trifft und von ihm die 10 Gebote bekommt. In unserer Gemeinde wird der Gottesdienst von vielen Leuten besucht, die gut angezogen sind. Von mir aus könnte er aber etwas kürzer sein. Die Oblaten schmecken gut und es gibt nachher manchmal auch echt gute Sachen zum Essen. Unsere Konfigruppe ist nett. Ich mag das gemeinsame Essen und wenn wir miteinander spielen. Das Thema Taufe hat mir besonders Spaß gemacht. Was ich mir wünsche: Ich hätte gern meine Oma zurück, die vor einem Jahr gestorben ist.


KREJCA Julia

Mein Name ist Julia Krejca, ich bin 13 Jahre alt und wohne in Korneuburg. In die Schule gehe ich aber in Stockerau, ins Gymnasium in die 4.Klasse. Nach der Schule zeichne ich gerne, auch mit meinen zwei Halbgeschwistern beschäftige ich mich gerne. Nach dem Gymnasium möchte ich in die HLW Hollabrunn und später einmal würde ich gern studieren und Lehrerin in der Volksschule werden. Im Juni feiere ich meine Konfirmation nicht allzu groß, aber mit meiner engsten Familie im Burgenland bei meiner Urli-Oma in einem kleinen Gasthaus in Nickelsdorf. Im Konfi-Unterricht habe ich gelernt, mit anderen Leuten mehr zu reden und niemanden auszuschließen. Generell verstehen wir Konfirmanden uns gut. Auch in der Gemeinde ist mir aufgefallen, dass sich alle gut miteinander verstehen, z.B. die Leute, die zum Gottesdienst kommen, verstehen sich gut mit dem Pfarrer und jeder kennt hier jeden. Ich habe auch eine gute Geschichte kennengelernt, die mir sehr gefallen hat, und zwar eine Geschichte über die Nächstenliebe, in der es um den Samariter geht. Ich finde diese Geschichte schön, weil sie zeigt, dass Menschen, die wenig haben bzw. nicht wirklich beachtet werden, manchmal am meisten geben oder ein größeres Herz haben.


KRENAUER Samuel

Ich heiße Samuel Krenauer. Am 21.2.2003 erblickte ich das Licht der Welt und 3 Jahre später wurde meine Schwester geboren. Ich wohne in der Larwingasse im 22. Wiener Bezirk und besuche derzeit die 4. Schulstufe des Gymnasiums in Wien Floridsdorf. Am christlichen Glauben gefällt mir, dass Gott uns alle liebt und unsere Sünden vergeben werden. Jeder Mensch macht im Leben Fehler und was wäre das für ein Glaube, wenn man wegen jeder Kleinigkeit verurteilt würde. Meine Lieblingsgeschichte aus der Bibel stammt aus dem Buch Samuel. Es geht darin um den Propheten Samuel, der einen  neuen König sucht und ihn scheinbar in Saul findet. Allerdings findet er später heraus, dass es nicht die richtige Wahl war und so kommt er auf einen Jungen namens David zurück. Der stürzt Goliath und wird danach von Saul gejagt, aber schließlich wird er doch König. Ich hätte gern mehr Kondition und mehr Durchhaltekraft, weil ich einfach zu schnell aufgebe und dann nicht weiterkann. An unserer Gemeinde ist mir aufgefallen, dass auch ernste Themen kindergerecht erklärt werden. Im Konfirmandenunterricht habe ich über alles über die Taufe bis zur Konfirmation gelernt. Nach der Konfirmation werde ich mit meiner Familie und meiner Taufpatin zu einem Heurigen in Wien fahren, um dort zu essen.


LEITGEB Lena

Ich heiße Lena Leitgeb und bin 14 Jahre alt. Ich wohne in Breitenwaida und habe zwei Geschwister. In meiner Freizeit spiele ich Trompete und besuche einmal in der Woche ein Training zur Selbstverteidigung. Außerdem zeichne ich sehr gerne. Am christlichen Glauben gefällt mir, dass die Gemeinden neue Mitglieder mit offenen Armen begrüßen, egal von welcher Religion sie herkommen. An der evangelischen Gemeinde ist mir aufgefallen, dass sie eine offene Gemeinde ist, die gerne mit ihren Mitgliedern zusammen etwas unternimmt, arbeitet und Gottesdienste feiert.  Es gefällt mir, dass in jedem Gottesdienst über eine Stelle aus der Bibel erzählt wird. Eine meiner Lieblingsstellen ist die „Stillung des Sturmes“. In dieser Geschichte geht es um ein Fischerboot, welches in einen heftigen Sturm gerät. Die Mannschaft ist in Panik und sie wecken Jesus auf, der noch geschlafen hatte. Jesus stillt schließlich den Sturm. Ich mag diese Geschichte sehr, da ich das Gefühl habe, von Jesus beschützt zu werden. Etwas, das ich im Konfirmandenunterricht gelernt habe, ist zusammenzuarbeiten, einander zu helfen und mehr an Gott zu glauben und auf Jesus zu vertrauen. Ich wünsche mir ein Ende der Kriege auf der Erde und ein Leben ohne Hunger, Schmerz, Krankheit und Armut für alle. . Meine Konfirmation werde ich mit meiner Familie feiern, jedoch eher in einem kleinen Kreis. Trotzdem wird es eine große Feier, da ich gemeinsam mit meiner Schwester konfirmiert werde.


LEITGEB Sanja

Ich heiße Sanja Leitgeb, bin 12 Jahre alt und wohne in Breitenwaida. Ich habe zwei Geschwister und einen Hund. Ich spiele seit zwei Jahren Klavier und zeichne gerne. Einmal in der Woche besuche ich ein Kampfsport-Training. Mein größter Wunsch ist es, dass es meiner Familie gut geht und dass sie zusammenhält. Am christlichen Glauben gefällt mir, dass man ein Vorbild hat, an dem man sich festhalten kann und weiß, dass man nicht alleine ist. Außerdem finde ich es schön, gemeinsam mit der Gemeinde Gottesdienst zu feiern. Mir ist an der Gemeinde aufgefallen, dass viel mit den Mitgliedern unternommen wird und dass es auch sehr viele Zusammenkünfte außerhalb des Gottesdienstes gibt. Mir gefällt auch der Konfirmandenunterricht, weil ich dort gelernt habe, mehr an Gott zu glauben und eine bessere Beziehung zu Gott aufzubauen. Meine Lieblingsgeschichte aus der Bibel ist die Geschichte von der Arche Noah, weil ich es schön finde, dass Noah kein Tier zurücklässt und alle vor dem Unwetter rettet. Ich werde meine Konfirmation in einem kleinen Kreis feiern, aber es wird trotzdem ein großes Fest, da ich zusammen mit meiner Schwester konfirmiert werde und auch an dem Tag der Konfirmation Geburtstag habe.


LUCA Anna-Luise

Ich heiße Anna-Louise Luca, komme aus Wullersdorf und gehe in Hollabrunn ins Gymnasium. Wenn ich nicht gerade lese oder reite, zeichne ich sehr viel. Ich spiele außerdem ziemlich gerne Darts. Am christlichen Glauben gefällt mir, dass man eine freie Meinung haben kann. Eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel ist die Geschichte, wo Moses das Meer teilt, um das israelitische Volk vor den Soldaten des Pharaos zu retten. Ich finde es einfach schön, wie sich eine Person für so viele Leute einsetzt, die sie gar nicht persönlich kennt. Einer meiner größten Wünsche ist es, auch so jemanden zu haben, der immer zu mir hält und mich vor verschiedenen Gefahren rettet. Natürlich halten auch meine Verwandten, mit denen ich Konfirmation feiern werde, zu mir. Unsere Gemeinde gefällt mir sehr gut, weil die Leute sehr freundlich zu einander sind, fast wie in einer Familie. Im Konfi-Unterricht habe ich gelernt, geduldig zu sein. Wir waren auch im Bibelzentrum, wo wir einige interessante Dinge über die Bibel erfahren haben.


MESSERSCHMIDT Roland

Mein Name ist Roland Messerschmidt, ich wohne in Stockerau und bin 14 Jahre alt. In meiner Freizeit zeichne ich gerne und treibe viel Sport. Mein größter Wunsch ist ein finanziell gut abgesichertes Leben zu haben, wo ich auch meine Hobbies finanzieren kann. Der christliche Glaube gefällt mir, da ich mich – obwohl ich nicht sehr gläubig bin – in manchen Situationen unterstützt bzw. beschützt fühle. Im Konfi-Unterricht habe ich viel über unsere Gemeinde gelernt und habe nun ein bisschen anderes Bild von der evangelischen Kirche. In unserer Gemeinde ist mir aufgefallen, dass sie sehr um Neuzuwachs bemüht ist und der Großteil der Gemeinde 50+ ist. Meine Lieblingsgeschichte in der Bibel ist der Kampf Davids gegen Goliath. Zu meiner Konfirmation weiß ich noch nicht genau, wie meine Familie und ich sie feiern werden.


POIGNER Wilhelm

Mein Name ist Wilhelm Poigner und ich habe eine recht große Familie. Nach der Konfirmation werden alle eingeladen und wir werden wir immer über 50 Leute sein. Ich habe vier Brüder und eine Schwester. Meine Hobbies sind Teakwondo und Programmieren. Ich wünsche mir, dass ich im TGM aufgenommen werde und es erfolgreich abschließen kann.  Mir gefällt am christlichen Glauben, dass man ihn recht frei ausleben kann, aber sich dennoch an Gott gebunden fühlen kann. An unserer Gemeinde ist mir aufgefallen, dass es viele nette Leute gibt und es sind mir alle sympathisch. Im Konfirmandenunterricht habe ich gelernt, wie man über Themen gut diskutieren kann und wie man im Team arbeiten kann. Die Bibelgeschichte von Martha und Maria gefällt mir besonders, weil sie zeigt, dass man auch von seinen Pflichten und Aufgaben loslassen muss und leben soll. Man soll zuhören und darüber nachdenken, was Leute erzählen. Man soll sein Leben leben.


WANAS Corina

Mein Name ist Corina Wanas. Ich wohne in Leitzersbrunn und habe eine kleine Schwester. Meine Hobbies sind Reiten und Akrobatik. Ein Wunsch, den ich gern erfüllt hätte, ist, dass auf der Welt Frieden herrscht, dass keine Menschen und Tiere leiden müssen und dass jeder Mensch auf der Welt genug zu essen hat. Am christlichen Glauben gefällt mir, dass es in jedem Gottesdienst eine „Botschaft“ gibt. Eine Geschichte aus der Bibel, die ich sehr gerne habe, ist die Wüstenwanderung. Ich finde diese Geschichte sehr toll und spannend, weil es um die Motivation und das Durchhaltevermögen geht. Mit der Zeit verliert das israelitische Volk den Mut und es will aufgeben. Doch Mose schafft es, die Menschen zu motivieren und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie durchhalten, bis sie ins Gelobte Land kommen. Und letztendlich schaffen sie es auch. An unserer Gemeinde ist mir aufgefallen, dass eigentlich alle Leute sehr offen und freundlich sind. Außerdem finde ich den Familiengottesdienst immer besonders nett. Vor allem die Lieder im Familiengottesdienst gefallen mir sehr gut. Im Konfi-Unterricht haben wir über ganz verschiedene Dinge gelernt. Besonders hat mir der Ausflug ins Bibelzentrum gefallen. Dort haben wir sehr viel über die Bibel gelernt.  Zu meiner Konfirmation lade ich meine Familie ein und anschließend gehen wir zusammen essen. Das Restaurant darf ich mir aussuchen. Wahrscheinlich gehen wir ins Restaurant „Schillinger“.


WAWRUSCHKA Katja

Mein Name lautet Katja Wawruschka, ich bin 14 Jahre alt und wohne in Stockerau. Ich habe das Glück, in diesem Jahr im Konfirmationsunterricht mitzumachen. Dort sind wir nicht irgendeine Gruppe aus Jugendlichen, sondern eine Gruppe aus Freunden, die zusammenhalten, über alles reden können und einander auch helfen, wenn jemand ein Problem hat. Mir ist in unserer Gemeinde aufgefallen, dass niemand ausgeschlossen wird und dass es für jeden etwas gibt (Kaffee und Kuchen, Filme, Diskussionen usw.). Am christlichen Glauben gefällt mir gut, dass man nicht in der Kirche sein muss, um sich Gott nahe zu fühlen. Die Bibelgeschichte von Daniel in der Löwengrube mag ich am meisten, weil Daniel nicht auf das Gesetz gehört, sondern weiter gebetet hat. Deswegen hat er die Nacht in der Löwengrube überlebt. Ein großer Wunsch von mir ist der Weltfrieden. Wer wünscht sich das nicht? Doch leider ist es nicht ganz möglich. Mein Wunsch ist deshalb, dass jeder Mensch, der es gut hat, armen Menschen hilft. Wenn das jeder machen würde, hätten wir den Frieden in der Gemeinschaft der Menschen.


WLACH Konny

Mein Name ist Konny Wlach und ich wohne in Sierndorf. Meine Hobbies sind Reiten und Eislaufen. Ich habe zwei Brüder. Mein größter Wunsch ist, mit Delfinen zusammen zu schwimmen. Meine Lieblingsgeschichte in der Bibel ist die Stelle, wo von jeder Tierart zwei Tiere zusammen auf die Arche Noah kommen. . Mir gefällt am christlichen Glauben, dass Jesus wieder auferstanden ist. Mir ist bei unserer Gemeinschaft aufgefallen, dass zu den Gottesdiensten viele Menschen kommen. Im Konfi-Unterricht habe ich gelernt, dass man miteinander Spaß haben kann, auch wenn man die Personen vorher nicht kennt. Meine Konfirmation feiere ich mit Essen, Geschenken und einer kleinen Party.

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Studientag „Gesetz oder Evangelium?“

Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Evangelische Pfarrgemeinde Stockerau luden zu einem Studientag ein, der das – vermeintliche – Gegensatzpaar „Gesetz“ und „Evangelium“ thematisierte.

Regeln und Selbstregulierung

Aber alles der Reihe nach! Am Sonntag um 10 Uhr feierten wir einen Gottesdienst, den Yasuko Yamamoto mit der Fantasie in g-moll von J.S. Bach ganz wunderbar eröffnete.

In der Predigt machte erstmals Thomas Hennefeld, Superintendent der Evang. Kirche H.B., das Spannungsverhältnis von Gesetz und Evangelium anhand eines anschaulichen Beispiels aus dem Straßenverkehr zum Thema: Was, wenn eine Verkehrsampel an einer Kreuzung ausfällt und die Verkehrsteilnehmer den Verkehr unter Rücksichtnahme auf die anderen selbst zu regeln beginnen – und andererseits, wenn ein mit Sprengstoff besetzter LKW unter Mißachtung des Nächsten und jedes Gesetzes in eine Menge rast? Regeln: es gibt sie aus gutem Grund, sie sind notwendig, wir fordern ihre Einhaltung etwa auch von Asylwerbern ein …

In der (Kirchen-)Geschichte gab es über viele Jahrhunderte hinweg – und teilweise bis heute – die viel zu oberflächliche, ja: schlichtweg falsche Zuordnung von Gesetz = rächender Gott = Altes Testament und Evangelium = gnädiger Gott = Neues Testament. Daraus entwickelte sich der Antijudaismus, der (auch) Luther prägte. Doch immer wieder gab es auch Theologen, die sich dieser Sichtweise widersetzten. Einer von ihnen, Kurt Müller, hat 1944 in Stuttgart (!) gepredigt, dass „das Heil von den Juden komme“ und das Licht Gottes hell genug für Juden und (!) Christen sei. Es war schön, ja bewegend, als die Tochter von Kurt Müller im Gottesdienst einige Worte über ihren Vater an uns richtete.

Hennefeld entwickelte seine Predigt bis hin zur Vision einer Gesellschaft, die einerseits viele Regulierungen gar nicht benötigt, in der sich aber andererseits Menschen aufgerufen wissen zu handeln, wenn Gesetze mißbraucht werden. Gesetz UND Evangelium – das könnten die Leitplanken unseres Handelns sein.

Das verlorene Befreiungsgefühl

Am Abend hielt die evangelische Theologin Barbara Rauchwarter den Einführungs-Vortrag zum Studientag. Sie hob u.a. den biographischen Aspekt hervor, dass Luther das befreiende Erlebnis der Rechtfertigungslehre in seinem eigenen Leben immer mehr verlor, als er selbst immer kränker wurde und schmerzliche Verluste in seiner Familie zu beklagen hatte. Auch sei seine Enttäuschung darüber, dass seine Erkenntnis der Gnadengerechtigkeit keineswegs die Juden veranlasste, sich zum Christentum zu bekehren, in Zorn bis Hass umgeschlagen.

Pfarrer Christian Brost und Kurator Gert Lauermann wiesen in ihren Ansprachen auf die im Anschluss eröffnete Ausstellung „Luther und die Juden“ hin, die einige Mitglieder unserer Gemeinde vor zwei Jahren in Salzburg besuchten und die wir um neue bzw. angepasste Rollups ergänzten, um auch Einblick auf das gegenwärtige Aufeinander-Zugehen von Christen und Juden zu geben und den Auftrag für die Zukunft zu formulieren.

Gesetz als Geschenk

Den Studientag am Montag eröffnete Oberrabbiner Arie Folger mit einem Vortrag, der den negativen, einschränkenden Beigeschmack von (religiösen) Gesetzen – zumindest aus jüdischer Sicht – auflöste.  Gesetze, Pflichten werden als etwas Besonderes, als Geschenk, als etwas grundsätzlich Gutes gesehen. Gott benötige nicht die Erfüllung von Geboten, sondern er habe diese den Menschen als Geschenk gegeben, um durch sie eine Richtschnur für ein rechtes, gelingendes Leben zu erhalten. Es sei leichter und besser, von verbindlichen Pflichten geleitet zu werden, als auf (völlige) Freiwilligkeit (Beliebigkeit) zu setzen.

Für Oberrabbiner Folger war es auch wichtig zu betonen, dass das Judentum keine missionarische Religion ist. Die Auserwählung Israels mache die Juden zu einem „Reich der Priester“, einem Art Modellbeispiel für die Welt (Folger sprach vom erwählten Volk als „Marketingagentur“). Nicht sollen alle Menschen Juden werden, sondern sie sollen dem guten Beispiel der Juden folgen. Daraus erwachse  dem Judentum die große Verantwortung, den Anforderungen dieses Modellbeispiels gerecht zu werden.

Wir brauchen Gesetze!

Die evangelische Theologin Annette Schellenberg wies, ähnlich wie Oberrabbiner Folger zuvor, auf den oft negativen Beigeschmack von „Gesetz“ hin, das die persönliche Freiheit (des Handelns) einschränke. Dem gegenüber sei allgemein anerkannt, dass Gesetze die Ordnung aufrecht erhalten, dass sie Schwächere vor Stärkeren schützen sollen, kurz: dass wir Gesetze brauchen. Gottes Gesetze seien also als Weisungen zu verstehen.

Die Begriffe „Gesetz“ und „Evangelium“, so führte Schellenberg weiter aus, seien keineswegs jeweils einem der beiden Testamente allein zuzuordnen. Bei weitem sei es nicht so, dass das Alte Testament nur einen zornigen und das Neue nur einen gnädigen Gott kennen würde. So habe in den Gnadenformeln des Alten Testaments der gnädige Gott ein starkes Übergewicht gegenüber seinem Zorn. Dass beide Aspekte auftreten können, zeige einerseits die Vielschichtigkeit des Alten Testaments, andererseits müsse nicht jedes vermittelte Gottesbild meinem persönlichen entsprechen.

Gesetz wegen/als/oder/trotz Evangelium

Das Gesetz, so folgerte Schellenberg, sei ein Gnadenakt Gottes an den Juden, und weil Gott Israel erwählt habe, sei er mit ihm besonders streng. Gesetz sei mit Evangelium (Frohbotschaft) gleichzusetzen, wenn man etwa an das Gebot des Schuldennachlasses alle 7 Jahre denke.

Auch wenn die Menschen das Gesetz nicht immer einhalten könnten, sei Gott immer wieder gnädig. Der Zorn Gottes behalte nicht das letzte Wort, sondern die Menschen seien zur Umkehr aufgefordert.

Interreligiöse Annäherung

Im Anschluss an die Vorträge sowie in den Workshops am Nachmittag war genug Raum für Diskussionen, die zum Teil auch schon so manches „Aha-Erlebnis“ des zuvor Gehörten zum Ausdruck brachten. Vorträge und Gespräche vermittelten den Teilnehmern des Studientags ein tieferes Verständnis der christlichen wie jüdischen Sichtweise auf das (vermeintliche) Gegensatzpaar „Gesetz“ und „Evangelium“ und ermöglichten so im interreligiösen Dialog einen gelungenen Schritt aufeinander zu.

Andreas Andel

Veröffentlicht unter Oekumene, Veranstaltungen

Die „Reformation“ der eingeprägten Vorstellungen

Reisen verändert vielfach ganz entscheidend unseren Blick. Wer eine Reise ins Heilige Land, an die Stätten der Bibel macht, muss tief eingeprägte Vorstellungen meist gründlich revidieren. Wer die Städte der Reformation in Sachsen und Thüringen besucht, dem wird es ähnlich ergehen. Wer noch dazu als Katholik und Pfarrer solch eine Reise miterlebt, muss seine eingeprägten Vorstellungen einer gründlichen „Reformation“ unterziehen.

Diese Reise mit der evangelischen Gemeinde Stockerau mitzumachen, war eine last-minute-Entscheidung. Danke, dass ich als spät entschlossener Katholik so selbstverständlich und freundlich aufgenommen wurde. Danke für diese herzliche Reiseatmosphäre. Danke, dass wir gegen alle Wettervorhersage in diesen 4 Tage trocken, wenn auch ein wenig abgekühlt, geblieben sind. Umso dankbarer waren wir für die Sonnenstrahlen an den ersten beiden Tagen. Danke für die kürzeren, aber auch längeren Gespräche über Fragen der Bibel, der kirchlichen Praxis und auch über manche sehr persönliche Dinge. Danke für die umfassende Reiseleitung: Martin Lauermann, Pfarrer Christian Brost und Kurator Gert Lauermann.

Es fällt mir schwer einzelne Dinge hervorzuheben, die mich ganz besonders beeindruckt haben. Die Fülle des Gehörten und Gesehenen muss ich erst langsam in der Nacharbeit in kleine Portionen zerlegen. Am 1. Tage nach der vielstündigen Anfahrt durch das frostige Tschechien hat sich mir die Lutherstadt Wittenberg in völlig anderer Gestalt gezeigt, als ich sie von der Literatur her zu kennen meinte. Und das, obwohl ich schon sehr viel über Luther und seine Katharina gelesen habe. Die stattliche Häuserzeile zwischen der Schlosskirche und dem schwarzen Kloster, der späteren Wohnstätte der Großfamilie Luther, war eine erste „Reformation“ der Bilder, die ich im Kopf hatte.

Der 2. Tag brachte uns nach Eisleben, den Geburts- und auch Sterbeort von Martin Luther. Hier faszinierte mich ganz besonders die restaurierte Taufkirche Marin Luthers. Hier spürte ich die ökumenische Weite durch die Verbindung des alten Ortes mit der Neugestaltung des kirchlichen Innenraumes: da sind die beiden Tauf-Orte, der überarbeitete Taufstein, an dem Martinus getauft wurde, und das große in den Fußboden eingelassene Taufbecken und das den Wellen des Wassers nachempfundene Muster am Fußboden; und die aus edlen Hölzern gefertigten Bänke, der Ambo (Verkündigungsort) und der Altar. Das alles bildet für mich, der mit Kirchenraumgestaltung doch schon einige Erfahrung hat, eine beglückende Bereicherung. Ein historischer Kirchenraum wurde souverän mit Neuem zu einer stimmigen Komposition verbunden.

Weiter ging es nach Weimar, die Stadt der deutschen Dichterfürsten Goethe und Schiller. Gerade hier war ich neuerlich beeindruckt von der Art, wie uns die Dame führte. Durchwegs waren unsere Guides ein zusätzliches Geschenk der Reise: äußerst kompetent, humorvoll, die Dinge auf den „Punkt“ bringend.

Der kühle Samstag brachte uns in die Hauptstadt Thüringens, nach Erfurt. Nach einer kurzen Stadtführung gab es die wesentlichen Pole zu erleben: das Augustinereremitenkloster, in das der junge Luther eintrat, und der katholische Dom auf der anderen Seite der Altstadt. Im historisch erhaltenen Kapitelsaal des Klosters feierten wir Abendmahl-Eucharistie, eine ganz besondere Stunde für unsere Reisegesellschaft. Im riesigen Dom auf dem Berg erwartete uns der Obersakristan der Bischofskirche und brachte in seinen Ausführungen alles auf den „Punkt“.

Zwei katholische Bischöfe dieser Stadt aus den letzten Jahrzehnten sind mir aus der liturgischen Literatur besonders wichtig geworden: Hugo Aufderbeck und Joachim Wanke. Letzterer wurde mit seinen ungewöhnlichen Pastoralmethoden im atheistischen Umfeld weit über seine Diözese hinaus bekannt und auch vielfach nachgeahmt.

Die letzte Station vor der Heimreise am 4. Tag war die Wartburg. Hier lebte Elisabeth von Thüringen, die eine konfessionsübergreifende Gestalt geblieben ist. Hier befindet sich Martin Luthers „Schutzexil“, wo er in ganz kurzer Zeit das Neue Testament aus dem Urtext, dem Griechischen, in eine deutsche Sprachform übersetzte, die unser heutiges gemeinsames Deutsch als Hochsprache geprägt hat.

Danke auch für das viele, das uns Christian Brost vorausschauend und nacharbeitend auf den langen Busfahrten erzählt hat. Für mich darf ich das Resümee aus dieser Lutherfahrt etwa so ausdrücken: Die vielen neuen Eindrücke, die geänderten Ein- und Ansichten haben mich in meiner ökumenischen Grundeinstellung befruchtet, bestärkt und mit neuer Sicherheit beschenkt. Meine Sehnsucht nach der „versöhnten Verschiedenheit“ der Konfessionen ist weiter gewachsen.

Franz Forsthuber, emeritierter katholische Pfarrer

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Für Gott gibt es keine Ausländer

„Salam!“ – das ist das einzige persische Wort, das ich spreche. Mehr brauche ich aber auch nicht, um mich beim Begegnungscafé gut zu unterhalten, denn alle, die kommen, können schon ausreichend Deutsch, um zu plaudern, Spiele zu spielen, zu basteln oder einfach nur Kaffee und Kuchen zu genießen.

Die bisherigen fünf Termine (2 im evangelischen Gemeindezentrum, 3 im P2) waren sehr gut besucht, und es herrschte eine angenehme Stimmung. Die Damen vom Küchenteam haben uns mit viel Kuchen, Kaffee und Tee versorgt. Herzlichen Dank dafür! Ich hoffe, alle weiteren Treffen werden auch so gut besucht, und es werden noch mehr engagierte Personen, die uns unterstützen.

Das Begegnungscafé

Begonnen hat die Initiative „Begegnungscafé“ beim Flüchtlingsbegleiterkurs, der im Winter im Gemeindezentrum stattgefunden hat. Damals wurde über die Situation im Bezirksgericht (genannt „Camp“) gesprochen. Ich selbst war im vergangenen Jahr einige Male dort bei Familien zu Gast. Jedes Mal war ich wieder über deren Unterbringungen erschüttert und gleichzeitig überrascht, wie fröhlich die Menschen dort trotzdem sind. Die Flüchtlingsbeauftragte der Diakonie hat bei einer Diskussion gesagt: „Ihr werdet an der Wohnsituation nichts ändern, ihr könnt nur versuchen, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, dort herauszukommen.“ Das ist unser Beweggrund, was unser Handeln gegenüber den asylsuchenden Menschen betrifft. Für uns Stockerauer soll eine Möglichkeit des Kennenlernens in gemütlicher Runde geschaffen werden. Alle, die bisher da waren, haben positiv reagiert.

Alle helfen mit

Beim nächsten Treffen werden uns die afghanischen und syrischen Frauen mit Spezialitäten aus ihrer Heimat verwöhnen.

Was bisher immer toll funktioniert hat, ist das Wegräumen und Putzen am Ende. Da helfen immer alle mit, die gekommen sind, egal welche Herkunftsnation oder Konfession, und auch muslimische Männer räumen Geschirr weg und schwingen den Besen. Worüber ich mich auch sehr freue ist, dass uns sowohl die Lions als auch die Kiwanis und die Soroptimisten finanziell unterstützen.

Ich hoffe, bei den nächsten Treffen wieder viele begrüßen zu dürfen. Vor allem Einheimische könnten es gerne mehr sein!

Ines Holzer

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