Orgelmusik zum Ewigkeitssonntag am 22. November 2020

Melitta Ebenbauer spielt Christian Fink: Jesus, meine Zuversicht mit der 1. Strophe von EG 526, gespielt mit dem Sampleset Arlesheim/Ch

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Konfirmation 2020

„Bitte erwarten Sie nicht zu viel.“ 

So werden wir BesucherInnen des Vorstellungs-Gottesdienstes der KonfirmandInnen eingangs von Mathias mit einem Augenzwinkern begrüßt. Wie sich bald zeigt, hat er damit charmant untertrieben.

Der Konfi-Unterricht war diesmal Corona-bedingt kein einfaches Unterfangen, denn der Zeitplan wurde gehörig durcheinandergewirbelt. Pfingsten war bisher unser traditioneller Termin, heuer feiern wir Konfirmation im Oktober. Doch das tut der Freude keinen Abbruch.

Der Vorstellungs-Gottesdienst

Am 13. September ist die Kirche voll – so voll, wie es unter Einhaltung aller Covid-bedingten Rahmenbedingungen möglich ist. Die Gemeinde ist „maskiert“, der Mikrofon-Schutz wird laufend gewechselt, die Abstände werden eingehalten … und dennoch, schon bald ist eine sehr positive und fröhliche Stimmung wahrnehmbar.

Jedes Jahr aufs Neue ist es schon erstaunlich, wie die Konfis ihr persönliches Glaubensbekenntnis formulieren. Da wird deutlich sichtbar, welches Gottesbild auch im Konfiunterricht vermittelt wird – so auch diesmal:

„Egal wer um Hilfe ruft, Gott hilft allen, weil er jeden Menschen so liebt, wie er ist.“

„Jesus Christus … zwingt uns zu nichts, will uns aber in seinem Leben ein Vorbild geben und einen Anreiz, in unserem Leben etwas zu ändern.“

Der Heilige Geist „gibt uns den letzten Schubser in die richtige Richtung.“

Das Gleichnis vom Sämann, dessen Saat nur aufgeht, wenn sie auf fruchtbaren Boden fällt, bildet den roten Faden durch den Gottesdienst. Die Konfis spielen eine Szene, in denen ein Engel in einem Einkaufsladen der Käuferin die Erfüllung jedes Wunsches verspricht – aber am Ende klar macht, dass es nicht die gewünschte Ware ist, die man hier bekommt, sondern nur der Samen, der verschenkt wird. 

Gott ist kein Wunsch-Einkaufsladen, er schenkt uns jedoch den Samen, damit WIR daraus etwas machen. Aber es gilt auch, Widerstand gegen andere „Sämänner“ zu leisten, wie gegen Werbung, die auf Habgier abzielt, oder auch gegen Fremdenfeindlichkeit. Da gilt es, Gottes Samenkörner wie Regeln für ein gelingendes Leben anzunehmen und zur Blüte zu bringen – für uns und für unsere Mitmenschen.

Als Zeichen dafür, wie wir diese „Saat“ unseren Nächsten vermitteln wollen, stehen wir am Ende des Gottesdienstes im Kreis rund um unsere Friedenssäule, sprechen gemeinsam den „Segen zum Mitmachen“, und unsere Konfis schmücken die Friedenssäule mit kleinen bunten Steinen. 

Die Konfirmation – Teil 1

Samstag, 24. Oktober, 10 Uhr. Corona-bedingt müssen wir heuer die Konfirmation auf 2 Tage aufteilen. Alle Sicherheitsabstände werden eingehalten, die Masken aufgesetzt, die Orgel setzt mit einem feierlichen Bach-Präludium ein, die Feier kann beginnen.

Ja, es liegt eine ungewohnt lange und auch mühevolle Vorbereitungszeit nun hinter unseren Konfis, und so begrüßt Pfarrer Christian Brost sie auch als „unsere Helden“.

Christian hat ein Segenspaket für sie mitgebracht – ein Segenspaket als Geschenk Gottes für unsere Konfis: Da ist

  • eine Taufkanne drinnen, denn heute werden die Konfis Ja zu ihrer Taufe sagen;
  • ein Regenschirm, denn gute Freunde lässt man nicht im Regen stehen;
  • ein Verbandskoffer für die Zeiten, wo junge Menschen unbedingt mit dem Kopf durch die Wand müssen;
  • eine Bibel als Inspirationsquelle gerade auch für schwierige Zeiten
  • und schließlich Brot und Wein – „echte“ Lebensmittel, durch die Gott uns stärken will.

Nach dem Glaubensbekenntnis, das die Konfis selbst formuliert haben (was später Kurator Gert Lauermann zu Recht lobend hervorhebt), werden sie von Christian gesegnet – und Karin Brost, die mit ihm gemeinsam den Konfi-Unterricht geleitet hat, spricht jedem/r seinen/ihren persönlichen Konfirmationsspruch zu.

Auch für die Feier des Abendmahls werden alle Hygiene-Vorschriften eingehalten – es gibt für jede/n einen eigenen kleinen Kelch.

Zuletzt werden die Fotos gemacht – und eine Konfirmation unter doch sehr speziellen Vorzeichen findet feierlich und fröhlich ihren Abschluss.

Die Konfirmation – Teil 2

Am darauffolgenden Tag findet die Konfirmation für die zweite Gruppe der Konfis statt, doch diese dann doch unter etwas anderen Vorzeichen als ursprünglich geplant.

Noch am Samstag Nachmittag ereilt Christian ein Anruf, dass er sich aufgrund einer positiv getesteten Schülerin unmittelbar in Quarantäne begeben muss. Christian darf also seine Wohnung ab sofort nicht mehr verlassen und somit die Konfirmation am Sonntag nicht leiten – daran ist nicht zu rütteln, so schwer ihm das auch fällt. 

Dennoch wird auch die zweite Gruppe feierlich konfirmiert, denn Gert, Karin und ich sind kurzfristig eingesprungen und haben so gezeigt: Unsere Gemeinde lebt das Priestertum aller Gläubigen auch in der Realität. Dass unsere Gemeinde zu einer solchen geworden ist, dafür möchte ich an dieser Stelle unserem Pfarrer und unserem Kurator von ganzem Herzen danken!

Andreas Andel

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Aus dem Presbyterium

Bereits im Sommer haben wir die neuen Regeln für das Abendmahl beschlossen. Dabei sind wir einer der Empfehlungen des Theologischen Ausschusses der Synode und der Kommission für Gottesdienst und Kirchenmusik gefolgt. Um weiterhin das Sakrament des Abendmahls, das für uns als Gemeinschaftsmahl von herausragender Bedeutung ist, in beiderlei Gestalt (also Brot und Wein) feiern zu können, haben wir Einzelkelche aus Glas samt Tabletts angeschafft. Die Hostien werden mit einer Zange gereicht. So kann berührungslos und bei größtmöglicher Sicherheit vor Ansteckung Abendmahl gefeiert werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei Dir.i.R. Stefan Scherz bedanken, der die Einzelkelche und Tabletts im Wert von mehreren hundert Euro gespendet hat! Vielen lieben Dank!

Im Herbst haben wir zwangsläufig den pandemiebedingten Ausfall des Gemeindecafés und die weiteren Einschränkungen des Gemeindelebens verlängert.

Auch das Projekt für den neuen Glockenturm in Hollabrunn kommt wegen Corona nicht ganz so schnell voran, wie erhofft. Es bleibt aber dabei, dass 2021 gebaut werden soll. Herzlichen Dank an alle Spenderinnen und Spender, die auf den Aufruf in den letzten Gemeindenachrichten reagiert haben! Besonderer Dank an die Privatstiftung der Weinviertler Sparkasse, der wir einen großen Beitrag verdanken. Insgesamt wurden bisher mehr als € 23.000 für den neuen Glockenturm gespendet. 

Wir haben 500 € für die Pfarrgemeinde Großschenk in Siebenbürgen gespendet, die dieses Geld zur Altenpflege und -betreuung dringend benötigt.

Wir haben uns mit der Konfirmation 2020 beschäftigt. Freilich kam dann ohnehin 2020 einiges anders als geplant, wie sie auch in diesen Gemeindenachrichten nachlesen können… Jedenfalls haben wir beschlossen, dass die Konfirmation(en) 2021 – voraussichtlich mit so vielen KonfirmandInnen wie noch nie – ebenfalls im Monat Oktober stattfinden soll(en).

Weihnachten 2020

Auch Weihnachten 2020 kann nicht wie sonst stattfinden. Um sicherzustellen, dass alle Corona-Auflagen erfüllt werden können, werden die Weihnachtsgottesdienste in Stockerau heuer im Freien im Belvederepark stattfinden! Der Gottesdienst in Hollabrunn wird ökumenisch in der kath. Kirche gefeiert. In Retz werden wir in die Rathauskapelle ausweichen. In Kalladorf ist eine Feier heuer leider unmöglich und wir bitten alle, die sonst in Kalladorf den Weihnachtsgottesdienst gefeiert hätten, in die kath. Gartenstadtkirche Hollabrunn zu kommen. Die Uhrzeiten entnehmen Sie bitte den Terminseiten. Allfällige aktuelle Änderungen werden Sie auf unserer Homepage finden.

Entpflichtung einer Presbyterin

Abschließend darf ich Ihnen noch bekannt geben, dass Ingrid Oblak aus privaten Gründen ihren Rücktritt aus dem Presbyterium erklärt hat. Als Lektorin und Gemeindevertreterin bleibt sie uns aber erhalten.

Vielen herzlichen Dank für Deine Unterstützung und Mitarbeit im Presbyterium, liebe Ingrid!

Wir schätzen Ingrid seit vielen Jahren als stabilen Faktor in unserer Pfarrgemeinde. Ihre ehrliche und herzliche Art wirft oft ein – auf wertvolle Weise – anderes Licht auf Themen. Das werden wir vermissen. Wir gönnen Ingrid aber auch von Herzen, sich nach Jahrzehnten der aktiven Mitarbeit in der Gemeindeleitung nicht mehr mit allen Problemen beschäftigen zu müssen und mehr Zeit für ihren Mann Karl und ihre Familie zu haben.

Die Neuwahl einer Presbyterin/eines Presbyters aus dem Kreise der GemeindevertreterInnen soll – sofern es die Umstände zulassen – möglichst am 28.2.2021 erfolgen.

Kurator Gert Lauermann

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Kräuterwanderung mit Frau Seisl

Voller Erwartungen und Vorfreude radelte ich den Berg hinauf zum Friedhofsparkplatz. Dort sollten wir einander treffen, um mit Kräuterfrau und TCM-Ernährungsberaterin Andrea Seisl eine Kräuterwanderung zu machen. Und welch schöne Überraschung! Es waren viele da! Außer mir noch 11 TeilnehmerInnen – das ist in diesen Zeiten eine große Gruppe. Aber im Freien und bei hervorragenden spätsommerlichen Temperaturen waren Corona und seine Bedingungen Gott sei Dank gar kein Thema.

Und wir wurden sofort in Medias Res geführt. Gleich neben der Mauer vom jüdischen Friedhof wachsen nämlich die schönsten Brennnesseln von ganz Stockerau. Und diese Pflanze kennen zwar alle, aber dass man jetzt die Samen ernten und verwenden kann, war zumindest für mich neu.

Apropos Kräuterwanderung im späten September: der beginnende Herbst ist auch die Wurzelzeit. Also der Zeitraum im Jahr – von Ende September bis Anfang November – wo Wurzeln gesammelt werden. Aber auch Samen kann man jetzt finden. Wie eben von der Brennnessel, aber auch vom Breitwegerich – für Ohren hilfreich, und vom Spitzwegerich – gegen Husten.

Frau Seisl ist ein wandelndes Pflanzenlexikon und ihr Wissen über Wirkstoffe, Sammeltipps sowie Zubereitungsweisen ist schier grenzenlos. Also für mich ist das sehr hilfreich – ist doch meine Pfadfinderzeit schon sehr lange her. Obwohl es um sehr weit verbreitete Pflanzen und Kräuter geht, ist ein fundiertes Wissen hilfreich, denn man kann schon auch ungenießbare oder giftige Pflanzen erwischen.
Wir wanderten, oder besser wir bewegten uns langsam die Felder entlang. Immer wieder machten wir Halt und eine andere Pflanze gab sich ein Stelldichein. Z.B. die zweijährige Klette, bei der nach der Blüte – also jetzt – die Wurzel geerntet werden kann. Niemals sollte man die ganze Wurzel ausgraben, das würde der Pflanze den Lebensatem nehmen. Immer soll man einen Teil der Wurzel stehen lassen. Wurzel klein schneiden, dann trocknen lassen und z.B. zu einem Tee verarbeiten. Klette wirkt blutreinigend und harntreibend.

Frau Seisl bezeichnete sich als Beerenliebhaberin. Da gibt es im Spätsommer, aber auch im Herbst noch einiges zu finden. Sanddorn – als Kaltmarmelade oder eingekocht, aber auch, Holunder (da ist die beste Sammelzeit schon vorüber), alles Beeren mit hohem Vitamin C-Gehalt und besonders in dieser Jahreszeit gut für das Immunsystem.

Die roten Beeren des Weißdorn haben herzstärkende Wirkung.

Die blauen Beeren des Schlehdorn – geerntet nach dem ersten Frost – dienen mit ihrer adstringierenden Wirkung dem Nieren-Qi und damit unterstützend bei Belastung, sei es psychisch oder physisch im Herbst durch die kältere Jahreszeit.

Während der knappen 2 Stunden, in denen wir unendlich viel Neues über zu kennen geglaubte Pflanzen erfahren konnten, dachte ich mir mehrmals, was soll ich denn jetzt mit dem neuen Wissen anfangen?

Frau Seisl konnte scheinbar Gedanken lesen. Denn kurz bevor wir den Rückweg einschlugen, weil es schon dunkel wurde, gab sie uns einen äußerst praktikablen Rat.

Erstens: jede/jeder soll mit etwas beginnen, was er oder sie im eigenen Garten hat. Bei mir sind das definitiv die Brennnesseln, deren Samen ich ernten und mit einem Sesamsalz vermischen werde.

Zweitens: die 5er-Regel: mit fünf Kräutern (oder Wurzeln oder Beeren) beginnen und nicht gleich alles, was möglich ist einsammeln. Da kann man leicht den Überblick verlieren. Das dürfte jetzt im Herbst nicht so schwierig sein, da jetzt weniger zu sammeln ist als im Frühjahr. Apropos Frühjahr: da könnten wir wieder eine Kräuterwanderung machen. 

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Workshop-Splitter

Rückmeldungen/Erfahrungen zum Workshop „Der Stoff, in dem mein Leben ist“:

Wir haben den Workshop als bereichernde und kreative Zusammenkunft Gleichgesinnter in angenehmer Atmosphäre empfunden.
Es hat uns Zufriedenheit geschenkt und uns der Dankbarkeit für unser Leben bewusst gemacht.

Marion und Andrea

Im Nachhinein betrachtet, erschließen sich Aspekte des gemeinsam gelebten Lebens, ohne dass man während der entspannten und wunderbar begleiteten, kreativen Arbeit daran gedacht hätte. Weil es nicht nur um das Wissen über diese Menschen geht, sondern um die Tiefen der Seelen, die uns auf ganz unterschiedliche Art und Weise in den Stoffbildern begegnen.

Irmi

Einen Tag ganz bewusst meinem Leben widmen – das war der Gedanke, als ich mich entschlossen habe am Workshop von Irmgard Moldaschl teilzunehmen.
Einen Tag mich bewusst meinem Leben widmen, indem ich gemeinsam mit anderen auf vielfältige Weise dem Leben nachspüre – mit Musik, in Bewegung beim Tanz, in Worten, Bildern und Farben. Kaum zu glauben was Bilder, Fotos oder andere Erinnerungsstücke in mir zum Klingen bringen!
Beim Gestalten meines Bildes verspüre ich Emotionen, die in mir schlummern und nun ausgedrückt werden können – eine sehr berührende Erfahrung!
Wie vielfältig unser Leben ist, wurde dann deutlich, als wir einander unsere sehr persönlichen Bilder vorstellten, die im Laufe des Tages entstanden waren.
Vielen Dank liebe Irmgard und liebe WorkshopteilnehmerInnen!

Karin

Für mich bedeutete dieser Workshop, in den Tiefen meiner Seele eine Spontanität zu entdecken, die in einem kreativen Schaffensprozess ihren Ausdruck finden konnte. Das Ergebnis war und ist berührend und wunderschön.

Doris

Nicht nur in Worten, sondern auch im Bild der eigenen, sonst meist verborgene Kreativität freien Lauf lassen zu können, führte zu unerwartet beeindruckenden Ergebnissen … danke, Irmgard – es wird nicht der letzte Workshop für mich gewesen sein

Peter
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Menschen des Friedens: Franz von Assissi

Franz von Assisi (1181 -1226)

(Dieses Portrait wird gezeichnet in Anlehnung an das Buch Franziskus von Assisi von Bernardino Greco und Elisabeth Fuchs-Hauffen.)

Vor ca. 840 wird Giovanni Bernardone in Assisi geboren. Sein Vater, der Tuchhändler Pietro di Bernardone nennt ihn jedoch Francesco (=kleiner Franzose), weil er durch seinen Tuchhandel mit Südfrankreich reich wurde.

Assisi, eine Stadt im mittelitalienischen Umbrien, war gerade erst zu einer sogenannten freien Kommune geworden. Dennoch gab es zur damaligen Zeit erhebliche Spannungen zwischen ghibellinischen und guelfischen Gruppierungen (Anhänger des Kaisers bzw. des Papstes). Sowohl Kaiser als auch Papst wollten möglichst viel Einfluss nehmen. Also eine Trennung von weltlicher und geistlicher Macht, wie die Zwei-Schwerter-Theorie schon 495 von Papst Gelasius formuliert wurde, gab es de facto nicht.

Der junge Franziskus gerät 1202 beim Kampf zwischen Perugia und Assisi in Gefangenschaft und bleibt ein ganzes Jahr im Kerker in Perugia. Aus dieser Zeit ist überliefert, dass Franziskus fröhlich blieb, nicht jammerte, sondern sich über die Ketten lustig machte und von seinem künftigen Ruhm träumt. 1203 kehrt er schließlich nach Assisi zurück. Er ist ein beliebter, feiner, großzügiger und verschwenderischer junger Mann und wird der „König der Feste“ genannt. 

Und dann passiert etwas:

1205 will er nach Süditalien in den Krieg ziehen. Da hat er in Spoleto einen Traum. Eine Stimme fragt ihn: „Wer kann dir Besseres geben, der Herr oder der Knecht?“ „Der Herr“, antwortet er. Und die Stimme: „Warum verlässt du also den Herrn um des Knechtes willen?“ Darauf Franziskus: „Was willst du, Herr, dass ich tue?“ „Kehre zurück in deine Stadt“, ordnet die Stimme an, „und dort wird man dir sagen, was du tun sollst.“ Dass Franziskus umkehrt, lässt erkennen, dass eine Veränderung begonnen hat. Er reitet nach Assisi zurück und begegnet einem Aussätzigen, vor dem ihm zunächst ekelt. Dann aber steigt er vom Ross und gibt dem Aussätzigen Geld und einen Kuss. 

Seine Veränderung geht weiter.

1206 verkauft er sein Pferd. Mit dem Erlös und dem Geld vom Verkauf der Stoffe will er den Wiederaufbau der Kirche von San Damiano finanzieren. Wieder hat die Stimme ihn beauftragt. Da steht aber der Vater am Plan und sperrt ihn mehrere Tage in ein finsteres Loch. In der Abwesenheit des Vaters befreit ihn seine Mutter. Nach einer stillen Zeit in San Damiano, wo er sich Klarheit, Kraft und Mut holt, folgt ein entscheidender Schritt:

Vor dem Vater und dem Bischof verzichtet er auf das väterliche Erbe. Er gibt dem Vater nicht nur das Geld, sondern sogar die Kleider, die er am Leib trägt, zurück.

Was weiter geschieht, ist bekannt: 

er renoviert noch zwei weitere Kirchen, nämlich San Pietro und die Portiunkula. Die ersten Gefährten schließen sich ihm 1208 an. Portiunkula wird der erste Ausgangs- und Treffpunkt der jungen Gemeinschaft. Klara schließt sich ihm 1212 an und begründet den Orden der „Armen Frauen“.

Die franziskanische Bewegung breitet sich rasch aus. 1221 versammeln sich 5000 Brüder und beraten die Ordensregeln. 

1226 stirbt Franziskus bei der Portiunkula. Bereits 1228 wird er von Papst Gregor IX. heiliggesprochen und der Bau der großen Basilika ihm zu Ehren wird begonnen. Dort befinden sich heute auch seine Überreste.

Was ist das Besondere an Franziskus? 

Franziskus ist ein Mensch, der bewusst die Armut wählt.

„Was der Mensch vor Gott ist, das ist er und nicht mehr.“ Nach der Auffassung des Franziskus kann kein Mensch durch Ruhm, Besitz, Geld, Macht, Reichtum oder Titel etwas an seiner Situation ändern. Er bleibt arm und abhängig, angewiesen auf das Leben, auf die Sonne, auf das Wasser, auf die Erde, auf die Mitmenschen.

Franziskus ist ein freier Mensch.

Durch den Traum von Spoleto wird er vom Irrglauben befreit, mit Waffengewalt etwas zu erreichen. Er wird auch frei von Eitelkeit, schöne Kleider zu tragen. Er hat keine Mönchsgemeinschaft erlebt, nach der er seine junge Gemeinschaft gestaltet. Sein einziges Modell ist Jesus selbst mit seinen Jüngern. Er ist weder Priester noch Pfarrer, nicht einmal Mönch; er ist ganz einfacher Christ. Er kann zwar keine Eucharistiefeier halten, aber er feiert das Evangelium. Statt einen Gottesdienst zu feiern, macht er sein alltägliches Leben zum Gottesdienst, zur Eucharistiefeier, zur Danksagung.

Franziskus ist ein leidenschaftlicher, konkret denkender und handelnder Mensch. 

Das Ja des Franziskus zu Gottes Ruf ist eines ohne Wenn und Aber. Unermüdlich geht er seinen Weg mit totaler Hingabe. Seine hohe Empathiefähigkeit bringt es mit sich, dass er viel leidet, viel weint, viel kämpft, aber auch aus Freude viel feiert und viel singt.

Eine seiner Maximen lautet: „Der Mensch weiß so viel, wie er in die Tat umsetzt.“ Er spricht nicht eloquent über das Evangelium, sondern er lebt es.

Franziskus ist ein positiv denkender und handelnder Mensch.

Franziskus legt der Zeit, in der er lebt, nicht den Finger in ihre Wunden. Nein, er will vielmehr durch eine positive Ausrichtung Lösungen finden. Er setzt sein Vertrauen in Herzensgüte, Geduld und Barmherzigkeit. Er distanziert sich von der Denk- und Lebensweise seiner Kirche (Macht, Reichtum, Privilegien), aber er entwickelt in der Kraft des Glaubens und vom Geist Gottes geführt eine positive Alternative. Seine Lebensweise ist neu und befreiend: der Botschaft der Macht stellt er die Botschaft des Evangeliums gegenüber.

Sein „Ordensleben“ ist ein Leben in der Welt, ohne Sicherheiten oder Privilegien. Ein Leben in Armut, Einfachheit und Freude. Von der täglichen Arbeit lebend, in Solidarität mit den wirklich Armen. Die Welt ist seine Mönchszelle und alle Menschen sind seine Mitbrüder.

Auch wenn seine friedenspolitischen Ziele scheitern – er versucht die Kreuzfahrer 1219 in Ägypten von der Sinnlosigkeit einer gewaltsamen Mission zu überzeugen – hält er daran fest, die Friedensbotschaft des Evangeliums wehrlos zu verkündigen und setzt sich mit Phantasie und Leidenschaft dafür ein.

Franziskus ist der Schöpfer des Sonnengesangs.

Dieses Lied steht am Ende seines Lebens. Er hat den Sonnengesang zuerst gelebt und ihn dann verfasst. Ein Jahr vor seinem Tod, im Jahre 1225 liegt er schwer krank in San Damiano. Seit einem Jahr trägt er leibhaftig die Wundmale Christi und seine Augen sind so schlecht, dass er nicht einmal das Tageslicht erträgt. In dieser Verfassung dichtet er den Sonnengesang. Das Staunen, die Freude, das Leben, das Denken, die Einheit und die Gemeinschaft mit dem Schöpfer und mit der Schöpfung – überirdische Harmonie. 

Kurz vor seinem Tod fasst er in Worte, was er gelebt hat.

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenktund vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

“Sonnengesang“ des Franz von Assissi

Franziskanisches Leben heute

(aus https://www.franziskaner.at)

Franziskanisches Leben finden wir in der Bruderschaft der drei Zweige des Ersten Ordens (Franziskaner, Kapuziner, Minoriten); bei den „Armen Frauen“ des Zweiten Ordens (Klarissen) und bei den Frauen und Männern des Dritten Ordens, ob sie nun in klösterlicher Gemeinschaft miteinander leben (Regulierter Dritter Orden) oder als Mitglieder der Franziskanischen Gemeinschaft (OFS), verheiratet oder ehelos, das Evangelium Jesu Christi „in der Welt“ zu leben versuchen.

Stellvertretend für die vielen franziskanischen Bewegungen sei hier das Haus der Stille in der Steiermark erwähnt. Manche aus unserer Gemeinde kennen es bereits.

Das Haus der Stille ist eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, die verbunden sind durch ein Leben und Wirken im oder für das Haus der Stille. In unserer Gemeinschaft wird eine große Vielfalt sichtbar, die wir nicht als Einschränkung, sondern als Bereicherung erleben: Wir leben in unterschiedlichen Lebensweisen: alleinstehend, in Partnerschaft und Familie; Laien, Priester und Ordensleute. Wir sind an unterschiedlichen Wohnorten beheimatet und stehen in verschiedenen Lebensaltern und unterschiedlichen beruflichen Situationen. Wir kommen aus verschiedenen Herkunftsländern und Kulturen.

Uns trägt erstens die Vision von ganzheitlichem Menschsein in einer gerechteren und heileren Welt und zweitens die Vision, immer mehr in die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst hineinzuwachsen: die Sehnsucht nach einem „Leben in Fülle“ .

Uns trägt erstens die Vision von ganzheitlichem Menschsein in einer gerechteren und heileren Welt und zweitens die Vision, immer mehr in die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst hineinzuwachsen: die Sehnsucht nach einem „Leben in Fülle“ 

Aus dem Leitbild des „Haus der Stille“ (www.haus-der-stille.at)
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DEMNÄCHST: Weihnachten in Coronazeiten

Stockerau

Da wir am 24.12. aus Platzgründen nicht wie üblich Gottesdienst feiern können, laden wir Sie am Heiligen Abend zu zwei weihnachtlichen Gottesdiensten der besonderen Art ein, die beide im Freien, im Park beim Belvedereschlössl, stattfinden:

  • 15 Uhr: Weihnachtsgottesdienst an einer lebendigen Krippe und um 
  • 22 Uhr Christmette im Fackelschein 
    Beide Feiern dauern maximal 20 bis 25 Minuten!

Hollabrunn

Die katholische Pfarrgemeinde hat uns durch Pfarrer Eduard Schipfer eingeladen am Heiligen Abend um 17 Uhr gemeinsam eine ökumenische Christvesper in der katholischen Gartenstadtkirche (Ecke Dr. Kutschergasse/Emmy Stradalstraße) zu feiern, um trotz Corona Weihnachtsgottesdienst feiern zu können ohne jemanden aus Platzmangel abweisen zu müssen. 

Dieses Angebot nehmen wir gerne an und laden Sie herzlich dazu ein in diesem außergewöhnlichen Jahr den weihnachtlichen Gottesdienst gemeinsam mit unseren katholischen Geschwistern zu feiern.

Kalladorf

In Kalladorf ist heuer angesichts der Corona-Situation aus Platzgründen leider ein ökumenischer Gottesdienst nicht möglich. Wir bitten unsere Gemeindeglieder, die in Kalladorf den Weihnachtsgottesdienst gefeiert hätten, in die kath. Gartenstadtkirche Hollabrunn zu kommen.

Retz

Herzliche Einladung zum Weihnachtsgottesdienst in der Rathauskapelle. Wir feiern am Samstag, dem 19. 12. um 17 Uhr.

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Geistliches Wort

Quelle: Pixabay

Nicht Macht korrumpiert die Menschen, sondern Furcht.

Aung San Suu Kyi

Gott spricht: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Jesaja 43,1

Liebe Gemeindeglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde!

Hoffentlich konnten sie in den Sommermonaten ein wenig Atem holen, das im Frühjahr Erlebte verarbeiten und Kraft sammeln für das, was das Leben nun im Herbst für uns bereithält. 

Es gibt so viele Erlebnisse und Erfahrungen, die wenig kosten und uns mit uns selbst, miteinander, mit der Natur und mit Gott verbinden können: eine (Berg-)wanderung, die Entdeckungen, die man bei einem Waldspaziergang machen kann, eine stille halbe Stunde in einem Kirchlein am Weg, ein Sonnenuntergang am See, miteinander Singen und Spielen auf der Terrasse…

Es sind die unscheinbaren, alltäglichen Wunder, die uns Freude bereiten und uns mit Dankbarkeit erfüllen. 

Während ich diese Zeilen schreibe, belegen die Nachrichten aus aller Welt, dass mit dem Coronavirus weiter zu rechnen ist, es immer wieder gefährlich werden kann, weil es länger unbemerkt bleibt und ansteckender ist als das Grippevirus.

Während tausende Forscher weltweit nach einem Mittel gegen Corona suchen, sind wir gefordert, uns darauf einzustellen, noch eine Weile mit den nötigen Schutzmaßnahmen zu leben. Das fällt uns nicht leicht, weil wir unser Leben gerne unter Kontrolle haben. Dabei gibt es vieles, das wir nicht beeinflussen, kontrollieren oder vorhersagen können. Diese Unsicherheit macht uns Angst. 

Ich versuche mich in unsicheren Zeiten daran zu erinnern, was ich in meinem Leben mithilfe anderer Menschen und durch das Vertrauen auf Gott schon alles erreicht und überstanden habe. Vertrauen heißt für mich glauben, dass wir Menschen nicht alleine sind, dass Gott unsere Wege mit uns geht – besonders die schwierigen! 

Manchmal kann ich Gott spüren – im Gebet! Ich bete oft ohne Worte, denke an Gott, seufze ihm zu oder lächle ihn an. Manchmal leihe ich mir die alten Worte eines Psalmes, des Vaterunsers oder eines Liedverses aus dem Gesangbuch, den ich auswendig kann. Wenn ich still werde vor Gott und meditierend bete, fühle ich mich bei Gott geborgen – so als stünde er neben mir.

Was mir Kraft gibt …

… ist auch der Gottesdienst, wenn ich mit anderen zusammen Gott lobe und mich von ihm inspirieren lasse. Wir feiern jeden Sonntag um 10 Uhr – herzliche Einladung!

Im Urlaub habe ich genüsslich die Wochenzeitung ‚Die Zeit’ gelesen. Im Feuilleton gibt es einen Fragebogen, dem sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens stellen. Eine der Fragen lautet: ‚Sind Sie lieber dafür oder dagegen?’

Ich bin lieber dafür, aber das ist gar nicht so leicht im Alltag: positiv zu bleiben, wenn ein anderer einen angrantelt; ruhig zu bleiben, eine freundliche Antwort zu suchen. Dieser liebevolle Umgang wäre in Coronazeiten unglaublich hilfreich. Wenn ich dem andern schon nicht die Hand reichen kann oder ihn in den Arm nehmen darf, kann ich wenigstens hinter der Maske lächeln, dem anderen oder der anderen einen freundlichen Blick schenken und ein gutes Wort. 

Wir können uns in jedem Moment neu entscheiden – für die Liebe oder gegen sie.Die Liebe ist stets da – wir brauchen ihr nur unser Herz zu öffnen und sie ein- und ausströmen lassen. Probieren Sie es doch einmal aus: was geschieht, wenn Sie einen Tag lang allem und allen mit Liebe begegnen?

Bleiben wir in diesen schwierigen Zeiten miteinander verbunden, liebe Leserinnen und Leser. Begegnen wir einander freundlich bei gemeindlichen Veranstaltungen, beten wir mit- und füreinander, suchen und gewähren wir Rat und Hilfe, wo und wann das nötig ist. Keiner muss alleine sein!

Darum hier noch einmal die Kommunikationswege unserer Pfarre: 

  • Mich erreichen Sie zuverlässig unter der Telefonnummer 0699/18877394.
    Scheuen Sie sich nicht, Kontakt aufzunehmen!
  • Neueste Entwicklungen, die das Gemeindeleben betreffen ersehen Sie aktuell auf der Homepage unserer Gemeinde im Internet: http://www.evang-stockerau.org/
  • Gerne senden wir ihnen auch unseren Newsletter zu, zu dem Sie sich per E-mail (evang.stockerau@gmail.com) anmelden können! 

Ich wünsche Ihnen einen erfreulichen Herbst mit vielen schönen und ermutigenden Erfahrungen. 

Ihr Pfarrer Christian Brost

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Was die Pandemie mich lehrt

Schnell waren wir unterwegs – auf Konsum und Wachstum in allen Branchen gepolt – als Covid-19 uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen hat.

Mit einem Mal war nichts mehr selbstverständlich. Schutzmaßnahmen mussten getroffen werden, das öffentliche Leben war auf das Notwendigste beschränkt.

Wir fragten drei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – unsere Stockerauer Bürgermeisterin Mag.(FH) Andrea Völkl, Komm.R. Prof. Hubert Culik, Geschäftsführer der Rembrandtin Lack und Executive Director der Kansai Helios Coatings GmbH, sowie den österreichischen Historiker und Wissenschaftsjournalisten Prof. Erich Witzmann, der bis 2009 als Ressortleiter für Bildungs- und Wissenschaftspolitik bei der Zeitung ‚Die Presse’ tätig war –wie sie diese Zeit erleben und was die Pandemie sie lehrt…

Die persönlichen Gespräche gibt es nicht mehr

Prof. Erich Witzmann

„Jeder fünfte Österreicher leidet unter Depression und Angst. – Diese Mitte Juli vom Gesundheitsministerium veröffentlichte Zahl sollte einen deutlichen Anstieg der psychischen Erkrankungen infolge der Coronakrise dokumentieren.

Nun gut, ich litt und leide nicht an Angstzuständen. Aber wie war es um die berufliche Situation in meiner Dienststelle (in der ich trotz Pensionsalter immer noch tätig bin) bestellt? Eine große Zeitungsredaktion in Wien, gemeinsam mit den organisatorischen Abteilungen an die 200 Personen. Von einer Woche auf die andere wurden von der Chefredaktion Maßnahmen verhängt: Kurzarbeit für jene, die nichts oder kaum etwas zu tun hatten. Das waren die Sportjournalisten, denn es gab plötzlich keine Sportveranstaltungen mehr. Oder jene, deren Berichte auf Veranstaltungen aufbauten. Und die übrigen sollten tunlichst von zu Hause aus arbeiten.

Wenn man hin und wieder in der Redaktion vorbeischaute, dann empfing einem eine öde und kalte Atmosphäre. Manche Ressorts waren völlig verweist, in anderen war vielleicht einer von zehn Schreibtischen besetzt. Aber die Zeitung erschien täglich. Die Mitglieder der einzelnen Ressorts stimmten sich via online in Konferenzschaltungen ab, es funktionierte fast stets reibungslos.

Also alles paletti, keine Klagen? Chefredaktion und Geschäftsführung waren erfreut, dass kein Covid-19-Fall das tägliche Erscheinen beeinträchtigte.

Auf der Strecke blieb aber der Plausch,

der gegenseitige Meinungsaustausch, auch und vor allem über Ressortgrenzen hinweg. Ich weiß nicht, was den Außenpolitikredakteur bewegt, mit welchen Problemen die Kulturredakteurin konfrontiert ist. Es gibt keine Hintergrundinformationen mehr. Und die Befürchtung ist da, dass angesichts der leeren Hallen künftig der Platz verknappt wird und vielleicht zwei Personen einen Schreibtisch teilen müssen – weil man dann jeden zweiten Tag von zu Hause arbeiten kann bzw. wird. Auf die tägliche Arbeit würde sich das verheerend auswirken. Von den Problemen jener, die zu Hause über keinen separaten Arbeitsraum verfügen, rede ich gar nicht.

Für meinen Berufsstand ist es sicher besser, wenn die Vor-Corona-Zeit wieder zur Normalzeit wird.

Erich Witzmann
Die Presse, Wissenschaftsredaktion

Nichts ist sicher!

Mag.(FH) Andrea Völkl

Corona steht nicht nur für eine kaum erforschte Infektionskrankheit, Corona entblößt auch die Verletzlichkeit unserer Lebenswelt. Vor dem Virus sind wir alle gleich! Wir alle haben Ängste.

Wie ein Leben ohne gemütliches Zusammensein, ohne Nähe, ohne die gewohnten Umarmungen aussieht – alles Dinge, die wir im Normalleben nicht groß bereden – erleben wir jetzt alle. Wir nehmen unser Leben als gegeben wahr, ganz so, als hätten wir einen Anspruch, ein Anrecht auf unseren Lebensstil, auf die üblichen Kontakte, auf Menschen, denen wir nahe sein dürfen. Wir lernen jetzt: Das ist gar nicht selbstverständlich! Es wird uns vor Augen geführt, was wirklich zählt in unserem Leben.

Die Pandemie lehrt mich auch Zuversicht und Vertrauen:

Vertrauen in die Menschen dieser Stadt. Viele haben sich zur Hilfe bereit erklärt, einfach so, nicht für den großen Vorhang, nur um das zu tun was notwendig ist für den Nächsten. Nur gemeinsam kommen wir aus der Krise und dafür ist der Beitrag eines jeden notwendig.

Zuversicht und Vertrauen sind notwendig, um während einer Pandemie Verantwortung für eine ganze Stadt zu tragen. Beim Tragen dieser Verantwortung stehen mir zahlreiche Menschen zur Seite, die mich unterstützen, auch dabei, die richtigen Entscheidungen zu finden.

Im Glauben dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns in unseren Anstrengungen begleitet und wir gemeinsam gut durch diese schwierige Zeit kommen.

Andrea Völkl

Unser Glaube an das – IMMER WEITER, IMMER MEHR UND GRÖSSER – ist schwer erschüttert worden.

Komm.R. Prof. Hubert Culik

Viele Autoren und Wirtschaftsforscher beschäftigen sich mit den Auswirkungen der Pandemie in zahlreichen Büchern und Veröffentlichungen.

Was sind aber meine „LESSONS LEARNED“ aus der Pandemie?

Als ich mich am 12. März in Quarantäne begab, dachte ich, in 2 Wochen würde der Spuk vorbei sein. Termine werden halt verschoben und dann geht’s weiter, weil geplante Reisen und Treffen abgehalten werden müssen.

Nichts muss!

Nein, es ging und wird auch in Zukunft anders gehen.

Nicht alles so wichtig nehmen!

Weniger Reisen zu Treffen, bei denen sich oft sehr rasch herausstellt, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Man muss die Notwendigkeit von Terminen genau hinterfragen und mehr Konferenzen per Telefon oder Internet ansetzen. Aber dies gilt nicht nur im geschäftlichen Bereich. Auch mit der privaten Lebenszeit sollte man haushalten. 

Natur wieder entdecken!

Am Beginn der Quarantäne waren der Garten und auch die Au, in die wir gerne gehen, sehr kahl. Ich musste 69 Jahre alt werden, um das Erwachen der Natur im Frühling bewusst wieder zu erleben.

War ich doch als Kind viel in der Au unterwegs und habe die Jahreszeiten intensiv wahrgenommen.

Kontakte und Freundschaften pflegen!

Meine Frau Marianne und ich mussten feststellen, dass es Freunde, die alleine leben in der Quarantänezeit doppelt so schwer hatten. Die Einsamkeit ist ein großes Problem unserer Zeit.

Unsere Kinder helfen und unterstützen uns.

Wir haben in der Pandemie, aber auch jetzt, viel mehr und öfter mit Freunden und Bekannten telefonisch Kontakt gehalten. Ich bin zur Ruhe gekommen und konnte über viele Dinge aus der Vergangenheit nachdenken, habe mit einem langjährigen Geschäftsfreund wieder nach 15 Jahren Kontakt aufgenommen. Ich habe den ersten Schritt gesetzt, da es alte Missverständnisse gab. Es hat sich gelohnt.

Mit meinem   Bruder Hans telefoniere ich nun täglich. 

Wir finden nun Zeit dazu. Wir besprechen Ereignisse aus unsere Jugend und Themen, die wir nie vorher besprochen haben. 

Wenn ich mir die Frage stelle, was mich die Pandemie gelehrt hat, dann ist es noch mehr Augenmerk auf Dinge wie z.B. geändertes Konsumverhalten, regionales Einkaufen, Natur und Umweltschutz zu richten.

Tatsache ist, Corona macht uns alle betroffen. So etwas wie die Covid -19-Pandemie war vorher undenkbar, Tschernobyl und Fukushima waren auch undenkbar.

Wenn wir uns nicht ändern, wird uns die Welt ändern. Es geht auch kleiner, sorgfältiger. 

Qualität statt Quantität. 

Hubert Culik

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Das Herz und Ein Jahr – Predigten zu Bildern von Irmgard Moldaschl

Es ist schon lange her: Am 1. März eröffneten wir mit einer Vernissage die Ausstellung der Textilbilder von Irmgard Moldaschl, und wir starteten eine Predigtreihe mit der Künstlerin selbst und unserem Pfarrer Christian Brost. Doch dann kam Corona mit all seinen Einschränkungen auch unseres gemeindlichen Lebens. Es war daher ein ermutigendes Zeichen, dass wir im Juni die Predigtreihe fortsetzen konnten.

Das zerfledderte Herz

I. Moldaschl: Das Herz

Zunächst predigt unser neues Gemeindeglied, SI Lars Müller-Marienburg, über „das Herz“. Wobei, so stellt Lars fest, es bei einer Predigt über ein Kunstwerk immer zwei Predigttexte sind, die vorgegeben sind: der Bibeltext und das Kunstwerk.

Das Herz-Bild, so schildert Lars seinen Blick auf das Kunstwerk, zeigt ein filigranes Herz – ein Herz, dessen Teile sich aufzulösen scheinen; man hat Angst um jeden Teil dieser Herzwand. Ein hartes Kunstwerk.

Hart sind auch die  Wahrheiten, mit denen Jesus seine Jünger konfrontiert, die ihm nachfolgen wollen: der Verzicht auf ein Heim; das Verlassen des Hier und Jetzt („lasst die Toten ihre Toten begraben“; „schaut nicht zurück“ –  Lk 9,57-62).

In unserer Zeit wird der Glaube von Generation zu Generation in den Familien weitergegeben (so das denn noch passiert), jedenfalls sind die Rahmenbedingungen dazu hierzulande, wo Glaubensfreiheit herrscht, optimal gegeben. Das stellte sich vor 2000 Jahren für die christliche Urgemeinde anders dar: ihre leidenschaftliche Liebe zu Jesus war lebensgefährlich.

Damals wie heute kann die Leidenschaft zur Botschaft Jesu plötzlich entflammen. Lars erzählt von seiner entflammten Liebe zu Gott, die ihn als 18-Jährigen bis zu drei Gottesdienste an einem Sonntag besuchen ließ. Die Leidenschaft zu Gott kann das Herz aber auch zerfleddern lassen, so wie es das Bild von Moldaschl darstellt. In bewegend-offener Weise stellt Lars seinem erfolgreichen Werdegang vom Theologiestudenten bis zum Superintendenten die „harten“ Seiten dieses leidenschaftlichen Weges gegenüber – die Last ständig steigender Verantwortung, Konflikte, Einsamkeit…

Und dennoch: Lars ist davon überzeugt, dass Gott für uns Menschen den Ernst der Nachfolge UND ein gelingendes, gutes Leben will. Die Liebe Gottes will kein zerfleddertes, zerreißendes Herz – sie will ein intaktes Herz für uns Menschen.

Ein Jahr

I. Moldaschl: Ein Jahr

Leo Pfisterer hat als Künstler die herausfordernde Aufgabe übernommen, in Anwesenheit der Künstlerin Irmgard Moldaschl über deren Bild „Ein Jahr“ zu predigen. Und natürlich ist er sich dessen bewusst, dass seine Interpretation des Bildes nicht unbedingt den Ideen entsprechen muss, die die Künstlerin selbst hatte.

Leo macht uns auf das Material des Untergrunds des Bildes besonders aufmerksam. Es ist ein grob gewebter Leinenstoff, ein Gebilde aus vertikalen und horizontalen Fäden, die nur gemeinsam in ihrer Verschränkung einen festen, stabilen Untergrund bilden können. Leo überträgt das Bild auf eine Kirchengemeinde und deutet einerseits die vertikalen Kettfäden mit der Spiritualität, also der Verbindung von unten nach oben (zu Gott), während er die horizontalen Schussfäden mit der konkreten Umsetzung des Glaubens (in Diakonie, täglichen Arbeiten in und für die Gemeinde) gleichsetzt.

Die vielen collagehaft montierten Elemente stellen für Leo vielfache Erlebnisse und Herausforderungen im Laufe eines Jahres dar, erfreuliche (die kleinen Perlen am unteren Rand) ebenso wie schwierige (der Verbandmull im linken oberen Eck).

Die Finissage

Leo Pfisterer und Irmgard Moldaschl

Lieb gewordene, gute Freunde sind sie für Pfr. Christian Brost geworden, die Bilder der Irmgard Moldaschl, die im Gemeindesaal ausgestellt sind (und bald für eine weitere Ausstellung abgehängt werden). Sie waren – gemeinsam mit den zu den Bildern gestellten Texten – für Christian gerade in den Wochen Corona-bedingter Isolierung zu „beredten Begleitern“ geworden. Und nur der Gedanke, dass nun auch andere Menschen die Chance bekommen, sich mit diesen Bildern und Texten auseinanderzusetzen, versöhnen mit dem Ende der Ausstellung in unserer Gemeinde. Aber wer weiß: Vielleicht findet ja das eine oder andere Bild künftig in unserem Gemeindesaal eine bleibende Heimat …

Andreas Andel

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