Geistliches Wort

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Jahreslosung für 2022 aus dem Johannes-Evangelium, Kap. 6
Emil Nolde: Abendmahl

Wir tun gut daran Jesus immer wieder dort aufzusuchen, wo er war und ist: in einem fremden Land und in einer fremden Zeit, in einem in fremder Sprache redenden Buch oder in Worten, deren Sinn uns kaum mehr zugänglich ist. Aber wer anfängt, zu hören, wer anfängt, hinzusehen, dem stehen die Chancen günstig: Es ist durchaus möglich, zu verstehen, wer Jesus war.

Jörg Zink: Erfahrung mit Gott, S.40 f.

Zu Beginn des neuen Kirchenjahres grüße ich Sie mit dem biblischen Leitvers für das neue Jahr.

Nicht nur zu Zeiten von Corona sehnen wir Menschen uns nach Echtheit, Mitgefühl und einer Wertschätzung durch andere, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Wir brauchen das Gefühl angenommen zu sein und geliebt zu werden, um uns gesund entwickeln zu können. Ich bin überzeugt davon, dass das zu keiner Zeit anders gewesen ist.

In wenigen Wochen feiern wir Weihnachten. Wer mich kennt weiß, wie sehr ich das Fest der Geburt Jesu liebe, wie gerne ich diese Tage feiere, weil mir die Geschichte dieses außergewöhnlichen Menschen ans Herz gewachsen ist. Auch nach 2000 Jahren beschäftigen wir uns noch mit seinem Leben, seinen Taten und Worten, die wegweisend geworden sind für die Entwicklung der Menschheit.

Woher hatte Jesus seine atemberaubende innere Freiheit, seine Barmherzigkeit im Umgang mit anderen Menschen, seinen Mut gegen den Strom zu schwimmen?

Jesu soziale Herkunft war gering und ein wenig anrüchig. Nicht nur von seiner Mutter, sondern auch von seinem Ziehvater Josef erlebt Jesus, was ‚Angenommen-sein‘ heißt und wie wunderbar es ist, bedingungslos geliebt zu werden.

Und er lernt von diesem stillen, frommen Mann, was es heißt sich an Gott zu halten, dessen Wort in Jesu Familie barmherzig ausgelegt wird. Begleitet von einer Handvoll Jüngerinnen und Jünger zieht Jesus später lehrend und heilend durchs Land. Er weist niemanden ab, der zu ihm kommt. Mit den Menschen, die ihm auf seinen Wanderungen begegnen, teilt er Gottes Liebe, von der er selber lebt. Er nimmt die Menschen so, wie sie sind, bringt sie mit Gott in Verbindung und lehrt in einfachen, wunderbaren Bildern, dem Leben und der Liebe zu vertrauen. Dabei schlägt sein Herz besonders für die Ausgegrenzten seiner Zeit, die Menschen am Rande der Gesellschaft, die Armen, die Zöllner und Sünder. Mit ihnen setzt er sich an einen Tisch, bricht das Brot, teilt den Wein und veränderte dadurch Vieles.

Jesus ist überzeugt davon, dass Menschen, deren Seele krank ist, keinen Richter brauchen, sondern einen Arzt. Die Evangelien erzählen davon, dass und wie Menschen unter seiner ‚Behandlung‘ gesunden, seelischen Ballast loswerden und lernen, sich selbst und andere mit anderen Augen zu sehen, sie anzunehmen und mit ihnen Leben zu teilen.

Menschen sehnen sich bis heute nach Echtheit, Mitgefühl und einer Wertschätzung, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Jede und jeder von uns braucht das Gefühl angenommen zu sein und geliebt zu werden.

Teilen wir in diesen schwierigen Zeiten nach Jesu Vorbild mit den Menschen um uns, was wir selber im Glauben erfahren: Nehmen wir einander an, gerade auch die Menschen, die uns das nicht leicht machen, bieten wir ihnen ein offenes Ohr, eine helfende Hand, und leisten wir unseren Beitrag, dass sich ihr Leben entfalten kann.

Ein gutes und gesegnetes Kirchenjahr und ein erfreuliches, Corona-armes Jahr 2022
wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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