Desmond Tutu

Menschen wie ihn braucht die Welt!

Desmond Tutu  wurde am 7. Oktober 1931 in Klerksdorf 200 km westlich von Johannesburg geboren.  

Im Alter von zwölf Jahren zog er mit seiner Familie nach Johannesburg, wo er sich sein erstes Geld mit dem Verkauf von Erdnüssen an Haltestellen und als Caddy auf Golfplätzen verdiente. Das Leben in Südafrika war damals für Schwarze schon schwierig und es wurde noch schlimmer. 

Apartheid, also Rassentrennung bzw. Rassendiskriminierung wurde im Jahre 1948 von der Nationalen Partei eingeführt, damit sich die 4.5 Millionen Weißen die Macht über 23 Millionen Schwarze sichern konnten. 

Schwarze bekamen eine schlechtere Ausbildung, sie wurden in Homelands abgeschoben, konnten sich nicht frei bewegen und versammeln und konnten ohne Gerichtsverfahren in Haft genommen werden. 

Eigentlich wollte Desmond Tutu immer Arzt werden. Aber seine Familie konnte es sich nicht leisten, und so trat er in die Fußstapfen seines Vaters und wurde Lehrer. Kaum war Tutu Lehrer geworden, führte die südafrikanische Regierung ein Gesetz ein, nach welchem schwarze Schüler eine schlechtere Ausbildung bekommen sollten als weiße. Dies war für ihn unvorstellbar und er beschloss, Priester zu werden. 

Desmond Tutu wurde auf die politische Bühne gehievt, als er – in rascher Folge – zum ersten schwarzen Dekan von Johannesburg (1975), zum anglikanischen Bischof des Nachbarstaates Lesotho (1976) und schließlich zum Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrats (1978) gewählt wurde. 

Er sprach 1978 als Christ über seine vordringlichste Aufgabe, nämlich Gott zu verherrlichen. Und dass die Echtheit dieser Beziehung zu Gott ihren Lackmustest in der Beziehung zum Nächsten erfährt. Ja, man kann sagen, dass Desmond Tutu mit dem Evangelium nicht nur gepredigt hat, sondern sich auch an die politischen Eliten gerichtet hat und dabei immer das Evangelium heranzog. 

Er hat sich im Namen aller Kirchen Südafrikas unaufhörlich gegen Apartheid eingesetzt. Dabei war er inspiriert vom afrikanischen Geist des „Ubuntu“ („Ein Mensch ist nur ein Mensch durch andere Menschen“). Mit unglaublicher rhetorischer Begabung gelang es ihm immer wieder, den Schwarzen nicht nur Mut zu machen, an ihre Rettung und Befreiung zu glauben. Nicht nur in Südafrika war Desmond Tutu ein wichtiges Sprachrohr der Unterdrückten. Auch in anderen Staaten Afrikas, in Südamerika und sogar im Nahen Osten sprach er den Unterdrückten Mut zu, sowie er alle aufforderte, einander zu vergeben und gemeinsam am Frieden zu bauen. 

Euer Gott, er ist nicht weit weg, irgendwo im Himmel. Unser Gott, Euer Gott, ist hier. Euer Gott, unser Gott ist der vierte im Feuerofen. (Siehe AT, Daniel 3) Unser Gott, Euer Gott, wurde in einem Stall geboren. Euer Gott, unser Gott hat gesagt und sagt: „Ich liebe dich. Ich liebe dich so, als wärst du der einzige Mensch auf dieser Welt. Ich liebe dich so sehr, dass ich bereit bin, dir das Beste zu geben, was ich habe. Nicht dieses oder jenes. Ich gebe dir meinen eingeborenen Sohn. Ich liebe dich mit einer Liebe, die sich niemals ändert. Ich liebe dich mit einer Liebe, die ewig anhält. Ich liebe dich – und deshalb hänge ich für dich am Kreuz. Du bedeutest mir etwas. Du, Du und Du: Ich kenne Dich mit Namen. Ist das nicht wundervoll? … Wir haben einen wunderbaren Gott, der aber auch der schwache Gott ist. … Denn Gott kommt in unsere Situation. Schaut euch doch nur einmal an, was Gott mit Gottes Sohn gemacht hat. Wenn Du Gottes Liebling bist, dann wird Gott dafür sorgen, dass Du an einem Kreuz hängst. Gott fragt uns: “Willst du mir helfen? Willst Du mir helfen, die Welt zu retten?“… „Wollt Ihr mir helfen, die Hässlichkeit dieser Welt zu verwandeln? Bitte seid meine Partner. Wollt Ihr mir helfen, den Frieden dorthin zu bringen, wo jetzt Krieg herrscht? Wollt Ihr mir dabei helfen die Freude dort hinzubringen, wo jetzt Trauer herrscht?  … Wollt Ihr mir dabei helfen, dass meine Kinder erkennen, dass sie meine Kinder sind, dass wir zusammengehören, dass wir nur gemeinsam überleben werden, dass wir nur zusammen frei sein werden, dass wir nur gemeinsam menschlich sein können?“ 

(Aus einer Rede in Nicaragua 1989) 

Die Ausstrahlung, die von diesem Mann ausging, vor allem sein unerschütterlicher Glaube eines gewaltlosen Wandels, zog nun immer mehr weiße Südafrikaner in seinen Bann. Tutu predigte von einer Aussöhnung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Er argumentierte, dass wenn der schwarze Mann nicht frei sei, es der weiße erst recht nicht sein könne, da dieser sonst in ständiger Angst vor dem schwarzen Mann leben müsse. Diesen Kreis zu durchbrechen, könne aber nur gelingen, wenn den Schwarzen ein gleichwertiges Leben ermöglicht werde. 

1984 erhielt Tutu den Friedensnobelpreis für die Führung im gewaltlosen Kampf zur Befreiung der unterdrückten schwarzen Mehrheit in Südafrika. In seiner Dankessrede rief er zu Frieden, Liebe und Brüderlichkeit zwischen allen Völkern der Welt, nicht nur Südafrikas auf. Diesen Gedanken hat er bis zum heutigen Tage aufrechterhalten. 

Der Höhepunkt nicht nur von Tutus Leben war sicherlich die Abschaffung der Apartheid Anfang 1990 und die ersten allgemeinen Wahlen 1994. 

Nelson Mandela war es, der Tutu 1995 bat, den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission zu übernehmen. Man hatte die Kommission ins Leben gerufen, um gemeinsam die schlimme Vergangenheit Südafrikas zu bewältigen. Kerngedanke war, dass es ohne Vergebung keine Zukunft gebe. Die Kommission hatte die Aufgabe, Beweismaterial zu Menschenrechtsverletzungen in Südafrika in der Apartheidzeit zwischen 1960 und 1994 zu sammeln und denjenigen Menschen zu verzeihen, die sich freiwillig zu Grausamkeiten bekannten. Auch nach Beendigung der Apartheid und der Einleitung eines Versöhnungsprozesses in Südafrika hat sich Tutu weltweit für gleiche Rechte aller Völker eingesetzt und in vielen Konfliktsituationen auch Einfluss üben können.  

Als dem Dalai Lama am 2. Oktober 2014 auf Veranlassung von Präsident Jacob Zuma, wie schon einmal zuvor die Einreise nach Südafrika verweigert wurde, wo er an einem Treffen der Friedensnobelpreisträger aus aller Welt teilnehmen wollte, übte Tutu heftige Kritik an der südafrikanischen Regierung: „Ich schäme mich, dass ich diesen Haufen Speichellecker meine Regierung nennen muss.“ 

Im Jahr 2013 erklärte er bei einer UN-Veranstaltung, der „UN Free and Equal Campaign“ in Kapstadt, er weise „religiöse Rechtfertigungen homophober Vorurteile“ zurück. Er würde „keinen Gott verehren, der homophob ist“, sondern „lieber zur Hölle fahren, als einen homophoben Gott zu verehren“. Er sehe den Kampf gegen Homophobie als genauso bedeutend an wie den Kampf gegen die Apartheid.  

„Auf der ganzen wunderbaren Welt ruft Gott uns, Sein Reich des Schalom – des Friedens und der Ganzheit -, der Güte, des Mitgefühls, der Fürsorge, des Teilens, des  Lachens, der Freude und der Versöhnung auszudehnen.  Gott verklärt die Welt genau in diesem Augenblick durch uns, weil Gott an uns glaubt und uns liebt. Was kann uns von der Liebe Gottes scheiden? Absolut nichts.“ (Aus: Gott hat einen Traum) 

Irmi Lenius 

Zu empfehlende Bücher

Gott hat einen Traum  ISBN 3-7205-2528-7  

Gott ist kein Christ  ISBN978-3-8436-0201-3 

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