Ostern 2021

OSTERN 2021

Grundsätzlich muss man festhalten: dass wir Ostern 2021 feiern konnten, war nicht selbstverständlich. Das wissen wir seit 2020. 

Schon vor der Passionszeit zeichnete sich ab, dass normal besuchte Gottesdienste in unserer Lutherkirche vom Platz her ein Problem darstellen würden. Die Abstandsregeln ließen es nicht zu, dass wir mit einer offenen Kirche alle BesucherInnen willkommen heißen hätten dürfen.

Daher gab es heuer ein spannendes Experiment. Vor dem Experimentellen gab es einen ziemlich normalen Gottesdienst zum Gründonnerstag. Eine kleine Schar versammelte sich in der Kirche und gedachte der beiden Vermächtnisse Jesu, die auf den Gründonnerstag zurückgehen. Der – für gelebte Nächstenliebe zeichenhaften Handlung der Fußwaschung und der Einsetzung des Abendmahls. 

Bild: privat

Und dann kam der Karfreitag, an dem wir uns an Jesu Sterben erinnern. Wo kann das besonders passend gelingen? Am Friedhof! Dort, wo Abschiede gefeiert werden, dort sammelte sich um Pfarrer Brost eine größere Schar am Karfreitag Abend. 

Angesichts der himmelschreienden Geschichte von Jesu Verurteilung, Hinrichtung und Tod stellt sich diese Frage:

Und wo ist Gott?

Gott ist bei Jesus.
Er ist in ihm, um ihn, er hat ihn keine Sekunde verlassen. Gott ist Jesu Weg bis zum Ende mitgegangen.
Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.

Warum? 

Weil Versöhnung, weil Friede, weil Liebe nur so geschaffen werden kann. 

„Wo ihr seid, will ich auch sein!“, sagt Gott – nicht bloß auf der Sonnenseite des Lebens, sondern auch im Schatten, dort, wo alle den Kopf schütteln, dort, wo nichts mehr zu machen ist.
Gott macht sich wehrlos, wird verletzlich, gibt sich selbst preis an eine Welt, die rücksichtslos das ihre sucht.
Gott offenbart seine Macht in der Ohnmacht, im Loslassen, im sich hingeben, sich verschwenden.

Bild: privat

Mit diesen und mehr Trostworten gingen alle ihres Weges und wieder viele kamen am Ostersonntag Morgen zum selben Platz. Auch die Auferstehungsfeier fand am Friedhof statt. In einer Feuerschale brannte das Osterlicht und alle entzündeten dort ihre Fackeln. Wir erinnerten uns an unsere Taufe und das uns zugesprochene Segensgebet strahlte wie ein Licht und wird uns auf unseren Wegen helfen:

Wenn ihr nun heimgeht in eure Häuser und Wohnungen, so geht im Vertrauen darauf, dass der auferstandene Christus eure Wege begleitet und segnet. Geht in der Gewissheit, dass Gott für euch Leben bereithält – heute, morgen und über den Tod hinaus. Geht in der Bereitschaft von eurer Osterfreude andern zu erzählen, sie zu trösten und aufzurichten.

Bild: privat

Das war am Ostersonntag aber noch nicht alles. Um 10 Uhr feierten wieder viele mit Tina und Karin, mit ihren Gitarren und ihren Goldkehlen und Christian Brost als Liturg das Osterfest. Und ich glaube, es war kein Zufall, dass auch viele Kinder da waren. Hat doch der Osterhase – oder heißt der Tobi oder Florian oder gar Gert? – viele, viele Süßigkeiten versteckt, die gefunden werden wollten.

Gekonnt, so wie wir ihn alle kennen, schaffte es Christian Brost in der Kürze dieses Gottesdienstes die Essenz von Ostern zu verpacken:

Gott verändert und verklärt die Welt.

Jede und jeder von uns kann an diesem Geheimnis der Verklärung teilhaben. In dem Moment, in dem wir uns gemeinsam mit Gott auf den Weg machen, beginnt unsere Veränderung und Verklärung.
Wenn wir anfangen Gott zu vertrauen, mit ihm zu rechnen und Gutes tun, dann werden wir wie viele andere Menschen vor uns mit Gottes Hilfe die Welt verändern.
Weil Gott für uns ist, kann uns letztlich nicht einmal der Tod etwas anhaben oder uns gar von Gott trennen. 
Am Ende nimmt Gott uns in seine Arme und heißt uns an seinem Tisch willkommen…

Bild: privat

Irmi Lenius

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