Geistliches Wort

Bild: privat

Während ich diese Zeilen schreibe, wächst mit dem Erwachen der Natur die Hoffnung auf das langsame Auslaufen der Pandemie und auf einen Neuanfang in Richtung auf ein Leben mit dem Virus – jedoch mit immer weniger Angst und Abschottung.

Ich finde, wir haben insgesamt Glück gehabt mit dem Krisenmanagement unserer Regierung. Sehr schade ist es, dass der anfängliche Schulterschluss aller Betroffenen bei der Pandemiebekämpfung nicht durchgehalten werden konnte: der übliche politische Diskurs hat wieder Fahrt aufgenommen. Zusätzlich erschweren Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker mit ihren Aktionen die Bekämpfung der Pandemie.

Der Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer schreibt in seinem lesenswerten Buch ‚Fühlen, was die Welt fühlt‘: „Jede Großgefahrenlage ist ein Nährboden für Menschen, die der Welt immer schon misstrauisch gegenüberstanden und dazu neigen, hinter jedem Missgeschick oder Unglück geheime Mächte am Werk zu sehen. Krankheiten, Seuchen und Klimawandel sind aber weder eine Strafe Gottes noch das Werk böser Mächte, noch sind sie bösartige Erfindungen, um damit düstre Ziele verfolgen zu können. Menschen neigen dazu, hinter großen Ereignissen große Ursachen zu vermuten. Dies ist richtig und falsch zugleich. 

Falsch ist die Annahme, dass geheime böse Mächte im Spiel sind… 

Richtig ist: Die eine große Ursache, mit der wir das Risiko weiterer Epidemien, die durch Keime aus dem Tierreich ausgelöst werden, erhöhen, ist die Zerstörung der natürlichen Rückzugsräume der Tierwelt.“

Ich hoffe sehr, dass die Weltgemeinschaft ein paar wichtige Erkenntnisse, die uns in der Zeit der Pandemie zugewachsen sind, hinüberrettet in den neuen Alltag mit Corona: das Bewusstsein, wie kostbar und wenig selbstverständlich das Leben und die Gemeinschaft mit anderen sind; die Erkenntnis, dass das Sein viel wichtig ist als das Haben und der Konsum und schließlich den Willen individuell und miteinander größere Anstrengungen zu unternehmen, um Natur und Klima – und damit auch uns – wirksamer zu schützen (siehe obiger Abschnitt!). 

Ich weiß nicht, was Sie für sich aus der Coronazeit mitnehmen, ich erinnere mich gerne an die Familiengottesdienste zu Weihnachten und Ostern im Park des Belvedereschlössls, die Osternacht auf dem Friedhof, die bewegenden Gottesdienste mit unseren Konfirmanden, die vielen ZOOM Sitzungen, die Podcasts und Telefonate und manches seelsorgerliche Gespräch mit bewegender Nähe trotz Maske und Abstand. 

Dankbar bin ich, dass sich unser pfarrliches Miteinander in dieser schwierigen Zeit bewährt hat und der Lebensraum, den wir gemeinsam anbieten, Menschen Halt, Trost und Hoffnung gegeben hat. Als Gemeinschaft freuen wir uns schon darauf, ein Fest des Lebens miteinander zu feiern, sobald das wieder möglich ist; einander wieder ins Gesicht schauen zu können und beim Abendmahl oder dem Segen Hand in Hand zusammenzustehen…

Nutzen wir den Sommer zur Entspannung, um Kräfte zu sammeln und neuen Mut zu fassen – getreu dem Leitspruch unserer Pfarrgemeinde: ‚Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!‘

Einen schönen, erholsamen Sommer und einen guten Neuanfang im September wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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