Geistliches Wort zu Ostern

Wer sich in Gott einwurzelt, wer sich an Jesu Leben orientiert, stellt sein Lebenshaus auf festen Grund und kann sich darin frei entfalten. Er oder sie kann die Türen und Fenster des Lebenshauses öffnen und die Balance zwischen außen und innen auf gute Weise halten lernen.

Dr. Anna Hennersperger

Fürchtet euch nicht!

Eine Aufforderung, die vom Anfang bis zum Schluss immer wieder in der Bibel vorkommt.

Mit großem Interesse habe ich Ende Jänner die Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten verfolgt, liebe Leserinnen und Leser.

Anders als sein Amtsvorgänger, der – völlig überfordert mit seiner Leitungsfunktion – mit katastrophalen Folgen die ihm anvertrauten Bürger gegeneinander aufgewiegelt hat, wirbt Joe Biden für Einheit und Zusammenhalt statt Gewalt und Verschwörungstheorien in den arg gebeutelten, ganz und gar nicht vereinigten Staaten von Amerika. Er verspricht ein Präsident für alle Amerikanerinnen und Amerikaner zu sein und lädt die Menschen ein, offen und tolerant gemeinsam nach Lösungen für die Probleme zu suchen, statt zornig aufeinander loszugehen und so die Gräben noch zu vertiefen.

Nun ja – Offenheit, Toleranz und Demut stünden nicht nur Amerika und den Amerikanern gut zu Gesicht; diese Tugenden sind mehr denn je weltweit gefragt, weil sie bei der Bewältigung der großen Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, unerlässlich sind. 

Mir ist durchaus bewusst, dass mein geistliches Wort nicht die Weltprobleme lösen wird, doch ich möchte unseren Blick weiten und das Lob der Vielfalt anstimmen, die dem Schwarz-Weißdenken im Blick auf nachhaltige Lösungen weit voraus ist.

Die Autoren der Bibel erzählen uns Gott sei Dank immer wieder Geschichten von überraschenden Grenzüberschreitungen in Richtung Andersdenkender und Andersglaubender. So berichtet der Evangelist Matthäus von einer denkwürdigen Begegnung Jesu mit einem römischen Offizier: Als Jesus wieder einmal in dem Fischerdorf Kapernaum am See Genezareth ist, kommt ein Hauptmann auf ihn zu und bittet ihn um Hilfe für seinen kranken Knecht. Dazu muss man wissen, dass die römischen Besatzer in Israel verhasst waren. Sie galten als Heiden, die keinen richtigen Glauben hatten. Kein gläubiger Mensch wollte etwas mit ihnen zu tun haben. Aber dieser römische Offizier bittet demütig: Herr, sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund! Jesus staunt über die Liebe, die hinter dieser Bitte steht, über das Vertrauen und die Demut, die der Bittsteller aufbringt und er erfüllt dem Fremden seine Bitte und heilt den Kranken für ihn.

Für mich leuchtet in dieser wundersamen Geschichte ganz hell auf, was ich für das Evangelium halte, das ich gerne mit den Menschen um mich teile: dass nämlich Gott alle seine Menschen liebt und seine freundliche Zuwendung zu uns keine Schranken und Grenzen kennt. 

Wo wir aus Liebe zum Nächsten über den Tellerrand blicken, unsere Angst vor allem Fremden, vor anders denkenden, anders glaubenden und anders handelnden Menschen überwinden, rühren wir Gottes Herz an und er segnet unser Tun. Wenn wir den Mut haben ihre Andersartigkeit aushalten und gelten zu lassen, hilft Gott uns Gutes zu tun. 

Das ist auch die Erfahrung, die wir als Pfarrgemeinde immer wieder machen, wenn wir den Mut haben unsere Grenzen zu überschreiten:

Ich denke dabei an das Haus Ibrahim, in dem minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge der großen Flüchtlingswelle vor 6 Jahren Schutz und Hilfe fanden.

Ich denke an unsere Friedensgebete mit den Vertretern anderer Konfessionen und Religionen, die uns einen interreligiösen Dialog bescheren, der uns davor bewahrt die anderen so machen zu wollen, wie wir sind. Die Vielfalt der Zugänge zu Gott lässt uns staunen und immer wieder kommt es dazu, dass aus Fremden Freunde werden.

Ich denke an schwule und lesbische Gemeindeglieder, die mit ihrer sexuellen Orientierung in unserer Gemeinschaft willkommen sind und viel Gutes zum Miteinander beitragen.

Wann immer unser christlicher Glaube zu mehr Offenheit und Weite führt, wann immer wir anfangen andere so anzunehmen, wie sie sind und Vielfalt der ängstlichen Abgrenzung vorzuziehen, machen wir neue, wichtige – und in der Regel gute Erfahrungen. 

Denn Gott liebt alle seine Menschen – folgen wir ihm nach!

In diesem Sinne wünsche ich uns ein helles, freundliches und gesundes Frühjahr. 

Ihr Pfarrer Christian Brost

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