Menschen des Friedens: Franz von Assissi

Franz von Assisi (1181 -1226)

(Dieses Portrait wird gezeichnet in Anlehnung an das Buch Franziskus von Assisi von Bernardino Greco und Elisabeth Fuchs-Hauffen.)

Vor ca. 840 wird Giovanni Bernardone in Assisi geboren. Sein Vater, der Tuchhändler Pietro di Bernardone nennt ihn jedoch Francesco (=kleiner Franzose), weil er durch seinen Tuchhandel mit Südfrankreich reich wurde.

Assisi, eine Stadt im mittelitalienischen Umbrien, war gerade erst zu einer sogenannten freien Kommune geworden. Dennoch gab es zur damaligen Zeit erhebliche Spannungen zwischen ghibellinischen und guelfischen Gruppierungen (Anhänger des Kaisers bzw. des Papstes). Sowohl Kaiser als auch Papst wollten möglichst viel Einfluss nehmen. Also eine Trennung von weltlicher und geistlicher Macht, wie die Zwei-Schwerter-Theorie schon 495 von Papst Gelasius formuliert wurde, gab es de facto nicht.

Der junge Franziskus gerät 1202 beim Kampf zwischen Perugia und Assisi in Gefangenschaft und bleibt ein ganzes Jahr im Kerker in Perugia. Aus dieser Zeit ist überliefert, dass Franziskus fröhlich blieb, nicht jammerte, sondern sich über die Ketten lustig machte und von seinem künftigen Ruhm träumt. 1203 kehrt er schließlich nach Assisi zurück. Er ist ein beliebter, feiner, großzügiger und verschwenderischer junger Mann und wird der „König der Feste“ genannt. 

Und dann passiert etwas:

1205 will er nach Süditalien in den Krieg ziehen. Da hat er in Spoleto einen Traum. Eine Stimme fragt ihn: „Wer kann dir Besseres geben, der Herr oder der Knecht?“ „Der Herr“, antwortet er. Und die Stimme: „Warum verlässt du also den Herrn um des Knechtes willen?“ Darauf Franziskus: „Was willst du, Herr, dass ich tue?“ „Kehre zurück in deine Stadt“, ordnet die Stimme an, „und dort wird man dir sagen, was du tun sollst.“ Dass Franziskus umkehrt, lässt erkennen, dass eine Veränderung begonnen hat. Er reitet nach Assisi zurück und begegnet einem Aussätzigen, vor dem ihm zunächst ekelt. Dann aber steigt er vom Ross und gibt dem Aussätzigen Geld und einen Kuss. 

Seine Veränderung geht weiter.

1206 verkauft er sein Pferd. Mit dem Erlös und dem Geld vom Verkauf der Stoffe will er den Wiederaufbau der Kirche von San Damiano finanzieren. Wieder hat die Stimme ihn beauftragt. Da steht aber der Vater am Plan und sperrt ihn mehrere Tage in ein finsteres Loch. In der Abwesenheit des Vaters befreit ihn seine Mutter. Nach einer stillen Zeit in San Damiano, wo er sich Klarheit, Kraft und Mut holt, folgt ein entscheidender Schritt:

Vor dem Vater und dem Bischof verzichtet er auf das väterliche Erbe. Er gibt dem Vater nicht nur das Geld, sondern sogar die Kleider, die er am Leib trägt, zurück.

Was weiter geschieht, ist bekannt: 

er renoviert noch zwei weitere Kirchen, nämlich San Pietro und die Portiunkula. Die ersten Gefährten schließen sich ihm 1208 an. Portiunkula wird der erste Ausgangs- und Treffpunkt der jungen Gemeinschaft. Klara schließt sich ihm 1212 an und begründet den Orden der „Armen Frauen“.

Die franziskanische Bewegung breitet sich rasch aus. 1221 versammeln sich 5000 Brüder und beraten die Ordensregeln. 

1226 stirbt Franziskus bei der Portiunkula. Bereits 1228 wird er von Papst Gregor IX. heiliggesprochen und der Bau der großen Basilika ihm zu Ehren wird begonnen. Dort befinden sich heute auch seine Überreste.

Was ist das Besondere an Franziskus? 

Franziskus ist ein Mensch, der bewusst die Armut wählt.

„Was der Mensch vor Gott ist, das ist er und nicht mehr.“ Nach der Auffassung des Franziskus kann kein Mensch durch Ruhm, Besitz, Geld, Macht, Reichtum oder Titel etwas an seiner Situation ändern. Er bleibt arm und abhängig, angewiesen auf das Leben, auf die Sonne, auf das Wasser, auf die Erde, auf die Mitmenschen.

Franziskus ist ein freier Mensch.

Durch den Traum von Spoleto wird er vom Irrglauben befreit, mit Waffengewalt etwas zu erreichen. Er wird auch frei von Eitelkeit, schöne Kleider zu tragen. Er hat keine Mönchsgemeinschaft erlebt, nach der er seine junge Gemeinschaft gestaltet. Sein einziges Modell ist Jesus selbst mit seinen Jüngern. Er ist weder Priester noch Pfarrer, nicht einmal Mönch; er ist ganz einfacher Christ. Er kann zwar keine Eucharistiefeier halten, aber er feiert das Evangelium. Statt einen Gottesdienst zu feiern, macht er sein alltägliches Leben zum Gottesdienst, zur Eucharistiefeier, zur Danksagung.

Franziskus ist ein leidenschaftlicher, konkret denkender und handelnder Mensch. 

Das Ja des Franziskus zu Gottes Ruf ist eines ohne Wenn und Aber. Unermüdlich geht er seinen Weg mit totaler Hingabe. Seine hohe Empathiefähigkeit bringt es mit sich, dass er viel leidet, viel weint, viel kämpft, aber auch aus Freude viel feiert und viel singt.

Eine seiner Maximen lautet: „Der Mensch weiß so viel, wie er in die Tat umsetzt.“ Er spricht nicht eloquent über das Evangelium, sondern er lebt es.

Franziskus ist ein positiv denkender und handelnder Mensch.

Franziskus legt der Zeit, in der er lebt, nicht den Finger in ihre Wunden. Nein, er will vielmehr durch eine positive Ausrichtung Lösungen finden. Er setzt sein Vertrauen in Herzensgüte, Geduld und Barmherzigkeit. Er distanziert sich von der Denk- und Lebensweise seiner Kirche (Macht, Reichtum, Privilegien), aber er entwickelt in der Kraft des Glaubens und vom Geist Gottes geführt eine positive Alternative. Seine Lebensweise ist neu und befreiend: der Botschaft der Macht stellt er die Botschaft des Evangeliums gegenüber.

Sein „Ordensleben“ ist ein Leben in der Welt, ohne Sicherheiten oder Privilegien. Ein Leben in Armut, Einfachheit und Freude. Von der täglichen Arbeit lebend, in Solidarität mit den wirklich Armen. Die Welt ist seine Mönchszelle und alle Menschen sind seine Mitbrüder.

Auch wenn seine friedenspolitischen Ziele scheitern – er versucht die Kreuzfahrer 1219 in Ägypten von der Sinnlosigkeit einer gewaltsamen Mission zu überzeugen – hält er daran fest, die Friedensbotschaft des Evangeliums wehrlos zu verkündigen und setzt sich mit Phantasie und Leidenschaft dafür ein.

Franziskus ist der Schöpfer des Sonnengesangs.

Dieses Lied steht am Ende seines Lebens. Er hat den Sonnengesang zuerst gelebt und ihn dann verfasst. Ein Jahr vor seinem Tod, im Jahre 1225 liegt er schwer krank in San Damiano. Seit einem Jahr trägt er leibhaftig die Wundmale Christi und seine Augen sind so schlecht, dass er nicht einmal das Tageslicht erträgt. In dieser Verfassung dichtet er den Sonnengesang. Das Staunen, die Freude, das Leben, das Denken, die Einheit und die Gemeinschaft mit dem Schöpfer und mit der Schöpfung – überirdische Harmonie. 

Kurz vor seinem Tod fasst er in Worte, was er gelebt hat.

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenktund vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

“Sonnengesang“ des Franz von Assissi

Franziskanisches Leben heute

(aus https://www.franziskaner.at)

Franziskanisches Leben finden wir in der Bruderschaft der drei Zweige des Ersten Ordens (Franziskaner, Kapuziner, Minoriten); bei den „Armen Frauen“ des Zweiten Ordens (Klarissen) und bei den Frauen und Männern des Dritten Ordens, ob sie nun in klösterlicher Gemeinschaft miteinander leben (Regulierter Dritter Orden) oder als Mitglieder der Franziskanischen Gemeinschaft (OFS), verheiratet oder ehelos, das Evangelium Jesu Christi „in der Welt“ zu leben versuchen.

Stellvertretend für die vielen franziskanischen Bewegungen sei hier das Haus der Stille in der Steiermark erwähnt. Manche aus unserer Gemeinde kennen es bereits.

Das Haus der Stille ist eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, die verbunden sind durch ein Leben und Wirken im oder für das Haus der Stille. In unserer Gemeinschaft wird eine große Vielfalt sichtbar, die wir nicht als Einschränkung, sondern als Bereicherung erleben: Wir leben in unterschiedlichen Lebensweisen: alleinstehend, in Partnerschaft und Familie; Laien, Priester und Ordensleute. Wir sind an unterschiedlichen Wohnorten beheimatet und stehen in verschiedenen Lebensaltern und unterschiedlichen beruflichen Situationen. Wir kommen aus verschiedenen Herkunftsländern und Kulturen.

Uns trägt erstens die Vision von ganzheitlichem Menschsein in einer gerechteren und heileren Welt und zweitens die Vision, immer mehr in die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst hineinzuwachsen: die Sehnsucht nach einem „Leben in Fülle“ .

Uns trägt erstens die Vision von ganzheitlichem Menschsein in einer gerechteren und heileren Welt und zweitens die Vision, immer mehr in die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selbst hineinzuwachsen: die Sehnsucht nach einem „Leben in Fülle“ 

Aus dem Leitbild des „Haus der Stille“ (www.haus-der-stille.at)
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