Ostern 2020

Ostern über Zäune hinweg

Wie werden wir die Osternacht verbringen? Diese Frage stellte ich mir allabendlich, seit in der Corona-Krise meine Nachbarn vor dem Haus ein tägliches Trommelkonzert veranstalteten. In unserer Straße ist diese Musik inzwischen ein Fixpunkt im Alltag, bringt Abwechslung und sorgt – wenn auch mit räumlicher Distanz – für Kommunikation.

Selbst musikalisch unbegabt und somit nur Konsument der täglichen Musik, überlegte ich, wie auch ich der Nachbarschaft eine Osterfreude machen könnte. Es sollte eine Überraschung werden. 

„Leo, machst Du einer Osterfeier im Garten?“, fragte eine Nachbarin an einem dieser Abende – und damit war die Überraschung ihrer ureigensten Wirkung beraubt. Die Vorbereitung wurde zu einer gemeinschaftlichen Aktion.

Nebst Trommelmusik erklangen in der Passionswoche auch Osterlieder auf der Straße, um unsere Osternacht vorzubereiten. Im Garten wurde am Samstagabend der Feuerkorb vorbereitet, ein altes Lesepult zur „Kanzel“ umfunktioniert, und jemand erinnerte sich, dass er noch Fackeln am Dachboden hatte, die als Osterkerzen dienen sollten. 

Schöpfungsgeschichte mit Trommeluntermalung

Jenseits der Gartenzäune versammelte sich die Nachbarschaft im eigenen nächtlichen Garten. Die Schöpfungsgeschichte – mit Trommelklang untermalt -, die Rettung des Gottesvolkes aus der Gefangenschaft und den Durchzug durch das Schilfmeer wählten wir als Schrifttexte des Ersten Testaments, die zum Auferstehungsevangelium hinführten. Zur Lesung des Evangeliums entzündeten wir das Osterfeuer und mittels der Fackeln wurde das Licht unter Hallelujagesängen über die Zäune weitergegeben. 
In den Gebeten dachten wir besonders jener Menschen, die unter der derzeitigen Situation besonders leiden. 

Mit dem Schlusssegen war die Osternacht nicht vorbei. Die Osterfreude setzte sich fort, bis alle Sektgläser geleert waren. Es war fast Mitternacht, als in die Gärten wieder Stille einkehrte und mir ein Nachbar noch zurief: „Es war schöner als in der Kirche. Machen wir das nächstes Jahr wieder!?“

Leo Pfisterer

Ostern 2020 war anders – oder auch nicht

Am Karfreitag war ich arbeiten. Es ist nicht so, dass ich mir nicht bewusst gemacht hätte, was damals vor etwa 2000 Jahren geschehen war. Aber so richtig zum „Klagen“ kam ich nicht.

Der Ostersonntag war ein wunderschöner Tag. Das Wetter war jedenfalls der Auferstehung würdig. Ich habe die Osternacht vermisst. Dafür habe ich es heuer noch mehr genossen, mit meiner Frau unseren beiden Söhnen dabei zuzusehen, wie sie voller Begeisterung Ostereier suchten.

Obendrein haben die beiden – ihre Religionslehrer Terhi und Christian wären stolz auf sie gewesen – einen familiären Ostergottesdienst geplant. Und so feierten wir zu Hause gemeinsam Gottesdienst mit Gitarre, Geschichte, Gebet und Segen. Ich freute mich, dass meine Familie so bei der Sache war und war sicher, ganz viele Menschen unserer Gemeinde, unserer Kirche und auf der ganzen Welt würden gerade ebenso das Leben, die Liebe und die Auferstehung feiern.

Spürbar und sichtbar wurde Ostern an diesem Sonntag für mich auch beim genüsslichen Osterfrühstück und beim folgenden Ausflug ans Wasser, wohl dem Symbol für Leben. Ostern war 2020 nicht abgesagt, das fühlte ich.

Gert Lauermann

Mein Osterfest 2020

Es gibt zwei wiederkehrende Herausforderungen für mich an allen hohen Feiertagen – als Superintendent und in meiner persönlichen Lebenssituation: 

Wenn ich als Superintendent Gottesdienste an hohen Feiertagen als Liturg oder Prediger (mit)feiere, bin ich in einer Pfarrgemeinde zu Gast. Da haben Ortstraditionen Vorrang vor meinen persönlichen Wünschen an Weihnachts-, Karfreitags- und Ostergottesdienste. 

Die zweite Herausforderung ist die Frage: Was passiert nach dem Gottesdienst? Feiere ich allein? (Das quittieren viele, denen ich das erzähle, mit tiefem Mitleid.) Oder finde ich jemanden, der mich zur Familienfeier einlädt? (Das birgt die Gefahr, sich wie das 5. Rad am Wagen zu fühlen.) In jedem Fall sind die hohen Feiertage regelmäßig Anlass für die Frage: Ist mein Leben gescheitert, weil ich – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – alleinstehend bin und niemand „automatisch“ mit mir Weihnachten und Ostern feiert? 

Ostern im „Heiligen Eck“

Ja, es hat mich schockiert, dass wir wegen der Viruskrise nicht in der Kirche Karfreitag und Ostern feiern konnten. Dennoch war ich in diesem Jahr von den beiden, stets wiederkehrenden Herausforderungen befreit. Ich konnte es gottesdienstlich genau nach meinen Bedürfnissen begehen. So habe ich am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag im „heiligen Eck“ in meinem Wohnzimmer mehrere Tagzeitengebete gefeiert. Mit gregorianisch gesungenen Psalmen und vielen Lesungen. In der Osternacht habe ich dort einen ziemlich hochkirchlichen Osternachtsgottesdienst mit mir selbst gefeiert. 

Und die Zeit dazwischen habe ich für mich selbst mit gutem Essen, Spaziergängen (mit Bachs Johannespassion am Karfreitag) und Radausfahrten (Ostersonntag) schön gemacht. Niemand hat gefragt, ob ich jemanden besuchen werde. Sondern Alleinsein war in diesem Jahr „normal“, ja sogar ein Ausdruck besonderen Verantwortungsbewusstseins.

Ich möchte das normale Leben zurück – mit Gottesdiensten, Besuchen und allem. 
Aber ich muss auch sagen: Es wäre schön, wenn sich die hohen Feiertage immer so gut und stimmig anfühlen würden wie Ostern 2020. 

Lars Müller-Marienburg

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