Geistliches Wort

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist. 
Und davon reden wir auch. 

1. Korinther 2,12f 

Heiliger Gott. Du bist unsagbar größer, als wir Menschen begreifen, 
du wohnst im unzugänglichen Licht, und doch bist du uns nahe.
Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns wie die Luft, die wir atmen,
ohne die wir nicht leben können. Gib, dass wir dir ganz vertrauen 
und leben ohne Angst.

Aus der Liturgie im Haus der Stille

Liebe Gemeinde,

während ich diese Zeilen schreibe, erreicht mich die Nachricht, dass wir unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen ab Mitte Mai wieder Gottesdienst feiern dürfen.
Das freut mich sehr!

Doch manche Beschränkung wird uns noch länger begleiten. Und der ganz normale Alltag wird wohl erst zurückkehren, wenn es Medikamente und Impfstoff gegen das Coronavirus gibt.

Inzwischen werden wir wie in den vergangenen Wochen wohl viele neue Erfahrungen machen und Antworten auf eine Reihe von Fragen erhalten: folgt der Corona Krise womöglich eine wirtschaftliche Krise oder eine politische? Wie schnell werden wir die Ansteckungsangst los und können wieder unvoreingenommen und angstfrei auf andere Menschen zugehen? Welchen Einfluss wird die Pandemie auf unseren Glauben und unser gemeindliches Leben haben?

Aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit anderen weiß ich, dass Menschen in dieser außergewöhnlichen Zeit ganz neu den Stellenwert der Familie erkannt haben und auch den Wert von Freundschaft und Gemeinschaft! Andere haben angesichts ihrer Ohnmacht im Blick auf Krankheit und Tod ganz neu gelernt, Ohnmacht und Angst durch das Vertrauen auf Gott zu überwinden. Sie haben gespürt, welcher Trost davon ausgehen kann, bei aller Vorsorge ihr Leben letztlich in Gottes Hände zu legen.

Vielleicht ist es den Jüngern in der außergewöhnlichen Zeit, in der sie nach der Auferstehung Jesu gelebt haben, ganz ähnlich ergangen. Hin- und hergerissen zwischen Staunen und Zweifel, Angst vor der Zukunft und Hoffnung auf Gottes Eingreifen erleben sie Pfingsten. Durch ihr Vertrauen auf Gott überwinden sie Ohnmacht und Angst und fassen neuen Mut. Bewegt erinnern sie sich an Jesu Taten und Worte, bewegend erzählen sie anderen von den Erfahrungen, die sie mit Christus gemacht haben und werden verstanden. Menschen fassen durch sie Vertrauen zu Gott, wollen zur Gemeinschaft dazugehören, lassen sich taufen. So erzählt es uns der Autor der Apostelgeschichte.

Gott ist die Kraft des Lebens!

Gottes Geist hat heute noch die gleiche Kraft wie damals. Er verbindet uns Menschen, lässt uns den Wert des Miteinanders und des Einsatzes für andere erkennen. Er öffnet unsere Augen für Unrecht und hilft uns den Mund aufzumachen, wenn es um die Wahrheit geht. Er ist die Kraft des Lebens, die wir so nötig haben. Eine Ärztin aus Berlin hat in einem Interview von ihren Erfahrungen am Corona-Telefon erzählt: die mit Abstand größte Angst der Menschen, mit denen sie gesprochen hat, war im Fall einer schweren Infektion aussortiert zu werden und zu sterben – und das ganz allein…

Wie wichtig ist es, dass wir – wie die Jünger damals – unsere Hoffnungen und Glaubenserfahrungen mit den Menschen heute teilen! Wie wichtig ist es, in jeder Lebenssituation der Kraft der Liebe Gottes zu vertrauen und zu erfahren, dass Gott „auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will“, wie es der Pfarrer und mutige Christ Dietrich Bonhoeffer vor seinem gewaltsamen Tod im Konzentrationslager Flossenbürg vor 75 Jahren formuliert hat! Er schreibt: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist. Reden wir auch davon und teilen wir unser Gottvertrauen mit den Menschen um uns! 

Einen guten und möglichst angst-armen Sommer wünscht Euch 

Euer Pfarrer Christian Brost 

P.S.: Glaubt ihr, dass es etwas Gutes gibt, das wir mitnehmen können aus der Corona Krise? Dann schreibt es auf und werft es in den Briefkasten an der Tür der Lutherkirche oder schickt es per Post (an die Evangelische Pfarrgemeinde Manhartstrasse 24, 2000 Stockerau) oder per E-Mail an: evang.stockerau@gmail.com

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