Geistliches Wort zum Karfreitag

Foto: Clemens Baumann

Ihr fragt: wie ist die Auferstehung der Toten? Ich weiß es nicht
Ihr fragt: wann ist die Auferstehung der Toten? Ich weiß es nicht
Ihr fragt: gibt’s eine Auferstehung der Toten? Ich weiß es nicht
Ihr fragt: gibt’s keine Auferstehung der Toten? Ich weiß es nicht!
Ich weiß nur wonach ihr nicht fragt: die Auferstehung derer, die leben
Ich weiß nur wozu ER uns ruft: zur Auferstehung heute und jetzt.

Kurt Marti

Ich glaube; hilf meinem Unglauben.

Biblische Jahreslosung für das Jahr 2020

Ein Jahr ist es nun her, liebe Leserinnen und Leser, dass uns der Karfreitag als gesetzlicher Feiertag für Evangelische, Methodisten und Altkatholiken weggenommen wurde. Im September vergangenen Jahres haben die genannten Kirchen beim Verfassungsgerichtshof gegen die geltende Karfreitagsregelung einen Individualantrag auf Gesetzesprüfung eingebracht.

Nachdem der Karfreitag als gesetzlicher Feiertag gekippt wurde, gilt ein „persönlicher Feiertag“, der allerdings aus dem bestehenden Urlaubskontingent zu nehmen ist. Durch die neue Regelung werde „massiv und unmittelbar“ in das verfassungsgesetzlich gewährleistete Recht auf Religionsfreiheit eingegriffen, sagt der evangelische Synodenpräsident und Rechtsanwalt Peter Krömer. Bleibt abzuwarten, was der Verfassungsgerichtshof dazu sagt.

Inzwischen kommt er wieder, der Karfreitag – kein Feiertag mehr, aber weiterhin ein wichtiges Fest für uns Christen. Keiner kann es uns nehmen dieses Fest zu begehen, Gottesdienst zu feiern, uns daran zu erinnern, was der Karfreitag bedeutet. Wir erinnern uns: Der weite und nicht leichte Weg nach Golgatha hat in Bethlehem begonnen. Aus einem Kripplein heraus lächelt Gott uns an und nimmt mit uns Tuchfühlung auf.

Als Jesus dann erwachsen war, fing er an, seinen Zeitgenossen ein neues Bild von Gott vor Augen zu malen – ein weniger erdrückendes und allmächtiges, ein menschlicheres, liebevolleres. Ausgerechnet die Frommen standen auf und versuchten ihn mundtot zu machen, indem sie ihn ans Messer lieferten, statt ihm zu vertrauen. Doch sie konnten Gottes Plan nicht vereiteln.

Gott hat sich damals durchgesetzt, und er tut es heute – selbst wenn es manchmal den Anschein hat, als hätten wir ihn erfolgreich verdrängt, ausgegrenzt und unschädlich gemacht – so wie damals auf dem Schädelhügel vor den Stadtmauern von Jerusalem.

Gerade in dem Augenblick, in dem das Böse scheinbar triumphiert, verkündet der Gekreuzigte: Es ist vollbracht! Was er verkündigt hat, lebt Jesus bis zum Schluss. Wer unter euch herrschen will, soll aller Diener sein, hat er den Jüngern ins Stammbuch geschrieben. Und: niemand hat eine größere Liebe als der, der sein Leben lässt für seine Freunde. 

Diese Liebe ist stärker als der Tod. Als Christen kommen wir von Ostern her und gehen auf Ostern zu. Geben wir wie Christus der Liebe eine Chance ihre Kraft zu erweisen, erleben wir, wie Geben seliger ist als Nehmen und Brücken zu bauen sinnvoller als Brücken einzureißen. Gehen wir bei Jesus in die Schule wie die Jünger. Lernen wir loszulassen, zu vergeben und barmherzig zu sein. Schauen wir nicht weg, wenn wir Leid und leidenden Menschen begegnen, sondern greifen wir ein wie der barmherzige Samariter. Setzen wir uns für die Schwachen ein, die Ausgegrenzten und für die leidende Schöpfung! Hören und erfahren wir die Kraft der Zusage Jesu, die so vieles verändert, wenn wir sie ernst nehmen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Ein gutes Frühjahr, einen besinnlichen Karfreitag und ein fröhliches Osterfest wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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