Geistliches Wort

(Foto: pixabay.de)

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Matthäus 6,6

Kein Whatsapp, keine SMS, keine Musik, kein Anruf
kein Fernsehen
kein Buch
überhaupt nichts tun
nur dasitzen
da sein
untätig und unnütz
nicht weglaufen
bleiben
standhalten
aushalten
wie der Fels in der Brandung
ein Grashalm im Herbstwind
der Baum im Winter
oder das Tau beim Ziehen.
Der flüchtigen Seele den Schritt verbieten:
Bleib hier,
um Gottes willen!
Der Schatz liegt tiefer
als alles, was Angst macht.
Die Lösung
liegt hinter dem Sturm
und hinter dem Beben
und hinter dem Feuer.

Johannes Lieder: Stille Nacht
(aus: herzoffen – Inspirationen zur Zukunft der Religionen)

Mit diesen beiden Texten möchte ich Sie alle herzlich grüßen und Ihnen auch im Namen das ganzen Redaktionsteams einen gesegneten Advent und ein fröhliches Weihnachtsfest wünschen!

Durch Zufall bin ich auf ein wunderbares Buch gestoßen mit dem Titel „Slow – die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“, und weil meine Frau immer mahnt: „Mach langsam!“, hab ich mir’s gekauft und diesen Kauf keine Sekunde bereut.

Kurzweilig und treffend analysiert Winfried Hille, der Autor des Buches, das Immer-mehr, Immer-schneller-in-immer-kürzerer-Zeit und das Möglichst-viel-auf-einmal in unserer schnelllebigen Zeit und Welt.

Wir leben im Online-Zeitalter und sind dabei zu verlernen, offline zu gehen.

Wir schaffen es immer schlechter, die Bedürfnisse unserer Seele zu ihrem Recht kommen zu lassen. Längst ist es soweit, dass Viele dem normalen Bedürfnis nach Erholung nicht mehr ohne schlechtem Gewissen nachgehen können. Wer so lebt, in dessen Alltag werden Momente der Lebensfreude immer seltener.

Wie schaffen wir es wieder, offener für das Leben zu werden?

Offener für das Leben in seiner ganzen Fülle, für unsere Freunde, für uns selbst, für die Natur? Wie schaffen wir es, uns den Wundern der Offline-Welt hinzugeben, einen eigenen Zeitrhythmus zu finden, das Hamsterrad zum Stillstand zu bringen? Davon erzählt der wunderbare Text von Johannes Lieder.

Es geht darum, im Alltagsgetriebe innezuhalten und unsere tiefsten Bedürfnisse wahrzunehmen. Still werden, zur Ruhe kommen, entdecken, dass alles, was ich an guten Gedanken brauche, längst da ist in mir. Es geht darum, in der Stille Kontakt aufzunehmen zu Gott, der in jedem Menschen wohnt. Den eigenen Atem zu spüren als Lebenskraft und die Nähe Gottes, seine Liebe, seinen Geist.

Es geht darum, den Schatz zu heben, der im Gottvertrauen liegt. Als Gottes Kinder dürfen wir mit seiner Hilfe rechnen, Angst und Enge abschütteln und frei werden zum Handeln in unserer Zeit und Welt.

Dabei spielt die Gemeinschaft mit anderen eine wichtige Rolle.

Sie gibt uns Rückhalt und Zuversicht. Gemeinsam entwickeln wir Ideen, miteinander setzen wir um, was wir als gut erkannt haben.

Ich wünsche uns von Herzen, dass es uns gelingen möge, im neuen Jahr 2020 den Schatz der Gottesnähe zu entdecken und miteinander zu heben.

Einen guten Start in dieses neue Jahr wünscht
Ihr Pfarrer Christian Brost

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