Erntedank – macht Ernte krank?

Alex Wanas

Wenn man – so geschehen beim Vortrag „Erntedank – macht Ernte krank“ von Alex Wanas – vor Augen geführt bekommt, was Agrar- und Lebensmittelindustrie konkret bedeuten und verursachen, dann könnte man vor Verzweiflung den Kopf in den Sand stecken. Zu groß ist der Zweifel, sinnvolle Maßnahmen setzen zu können, die die natürlichen Ressourcen nachhaltig nutzen. Aber gleich vorweg: Jede und jeder von uns trägt mit seinem Konsumverhalten zu einer mehr oder eben weniger belastenden und ressourcenvernichtenden Agrar- und Lebensmittelindustrie bei. Ob uns das bewusst ist oder nicht.

Es wird das produziert, was wir kaufen.

Was ist denn das Bedenkliche und umweltschädigende an der modernen Agrarindustrie und Lebensmittelproduktion?
Da ist zuallererst die Inanspruchnahme von Land, auch von Regenwald, für Monokulturen wie Soja- oder Palmölplantagen. Nicht nur, dass diese Monokulturen die Biodiversität zerstören, oftmals massiver Einsatz von Pestiziden und synthetisch hergestellten Düngemittel erfolgt, werden dadurch oft auch Kleinbauern ihrer Existenzgrundlage beraubt.

Und dann ist die Sache mit der wertvollsten Ressource der Natur, der Energie – einem Herzensthema von Alex.

Wir alle sind uns einig, wenn wir mit etwas äußerst sorgsam und sparsam umgehen müssen, dann ist das Energie. Und dennoch nehmen wir in Kauf, dass die weltweite Intensivtiermast eine der am meisten Energie verschwendenden Industrien überhaupt ist. Bei der Umwandlung von pflanzlicher Nahrungsmittelenergie in tierische Nahrungsmittelenergie – und das ist die Fleisch- und Michproduktion – geht der größte Teil der Nahrungsmittelenergie verloren. Soviel, dass man laut der Organisation „Brot für die Welt“ mit dieser verlorenen Energiemenge Jahr für Jahr 3,5 Milliarden (!) Menschen ernähren könnte. Wir könnten mit rein pflanzlicher Ernährung knapp die Hälfte der Menschheit zusätzlich ernähren.

In konkreten Zahlen heißt das, dass von 100 Kalorien pflanzlichen Ursprungs bei der Produktion eines klassischen und saftigen Schnitzels rund 80 % dieser Energie verloren gehen, weil dieses Schnitzel uns dann nur mehr 20 Kalorien liefert. So gesehen eine verantwortungslose Energieverschwendung, tagtäglich auf unseren Tellern.

Was können wir tun?

Einmal mehr hörten wir: möglichst wenig tierische Produkte, und wenn, dann BIO – SAISONAL – REGIONAL!

Und Alex plädierte für eine Werteverschiebung: weg von „mein Haus, mein Auto, meine Yacht“ hin zu „mein Gärtner, mein Bäcker, mein Bauer“: je regionaler und kleinstrukturierter, desto so besser!

Er stellte auch Initiativen, wie Urban Gardening, Transition Towns, Gemeinschaftsgärtnerei, Solidarische Landwirtschaft vor, wo Menschen sich zusammentun, um selber Gemüse anzubauen oder Strukturen entstehen, die kleinbäuerlich, lokal erzeugte Nahrung für ganze Ortschaften, ja sogar Städte ermöglichen.

Vielleicht gibt es ja auch in Stockerau kreative Menschen, die so ein Gemeinschaftsprojekt angehen. Aber jeder einzelne kann schon etwas beitragen: im eigenen Garten etwas anbauen, auf der Terrasse ein Hochbeet errichten. Es braucht nicht einmal einen Garten: Schon ein paar Töpfe auf dem Balkon können genutzt werden. Jeder Kilo selbst produziertes Bio-Gemüse entlastet die Umwelt in Bezug auf Transport, Verpackung, Pestizide und Bodenverlust und kann ein, wenn auch kleiner, Beitrag zum Klima- und Umweltschutz sein.

Ein herzliches Danke dem Vortragenden Alex Wanas, der mit viel Herzblut sein Wissen unter die Zuhörerschaft zu bringen verstand. Es braucht Anstöße und Aufklärung wie solche durch Alex, aber auch das Aufzeigen von Alternativen und Möglichkeiten und nicht zuletzt das Mutmachen für die notwendigen Veränderungen.

Irmi Lenius

Dieser Beitrag wurde unter Gott & die Welt, Veranstaltungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.