Eine Reise nach Transsilvanien

Evangelische Kirche in Gürteln

Transsilvanien – zu Deutsch „Hinter dem Wald“ – ist die ursprüngliche Bezeichnung von Siebenbürgen. Diese Region im Karpartenbecken Rumäniens zählt zu den ältesten deutschsprachigen Siedlungsgebieten Europas. Als Bollwerk gegen feindliche Einfälle aus dem Osten wurden ab dem 12. Jahrhundert im mehreren Etappen deutschsprachige Bevölkerungsgruppen in dem bis dahin nahezu unbesiedelten Land ansässig.

Zur Geschichte Siebenbürgens

Die letzte große Besiedelungswelle geschah im Zuge der Gegenreformation. Da in Siebenbürgen weitgehend Religionsfreieit gegeben war, wurden aus den habsburgischen Ländern evangelische Christen dorthin zwangsweise abgesiedelt und konnten ihren Glauben relativ frei leben. Siebenbürgen wurde so zu einem überwiegend durch evangelische Bevölkerung geprägten Land.

Ab dem 19. Jahrhundert nahm die deutschsprachige Bevölkerung ständig ab. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Zerfall der k.u.k Monarchie begann für die deutschsprachige Bevölkerung die allmähliche Auflösung der eigenständigen Kultur. Siebenbürgen wurde durch gezielte Ansiedelungspolitik aus dem Rest Rumänien seiner gewachsenen Kultur beraubt. In Folge des 2. Weltkrieges gerieten 30.000 Siebenbürger Sachsen in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Ende der 1950er Jahre setzte die Familienzusammenführung mit den schon in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen ein. Eine nicht endende Auswanderungskette entstand, die sich seit der Mitte der 1970er Jahre zu einer regelrechten Emigrationswelle steigerte. Vor der Revolution 1989 zählte Siebenbürgen noch 115.000 Sachsen. Binnen weniger Jahre wanderten davon 90.000, vor allem nach Deutschland, ab.

Die aktuelle Lage der evangelischen Gemeinden

Kurz vor Beginn des Gottesdienstes

Unsere Gemeinde hat seit Jahren Kontakt zur evangelischen Gemeinde von Großschenk im Kreis Brasov. Im September besuchten einige unserer Presbyter Großschenk für ein paar Tage und sammelten Ihre Eindrücke auch in den umliegenden Gemeinden.

Die 246 evangelischen Gemeinden haben insgesamt etwa 13.000 Mitglieder, durchschnittlich also 53, deren Altersdurchnitt weit über 60 liegt. Gerade in den dörflichen Gegenden ist damit ein Gemeindeleben nicht möglich. Gottesdienste finden selten statt. Verantwortliche in den Gemeinden setzen zwar all Ihre Kräfte ein, jedoch in dem Wissen, dass es keine langfristigen Zukunftsperspektiven gibt.

Orgel in Großschenk

Hinzu kommt vielerorts die finanzielle Belastung durch historische Bauwerke, bei denen oft Besitz- und Nutzungsrechte nicht geklärt sind. Von den 150 Kirchenburgen und Wehrkirchen stehen (nur) 7  unter Schutz als UNESCO-Weltkulturerbe. Viele der Kirchen, Schulen und Pfarrhäuser sind dem Verfall preisgegeben und werden nicht mehr genutzt.

Vereinzelt entsteht aus dieser Situation auch Neues.

So haben wir in Kleinschenk erleben dürfen, das mancherorts zukunftsorientiert nach vorne geschaut wird. Carmen Schuster startete vor einigen Jahren zusammen mit wenigen Idealisten damit, die alte Schule zu einem Seminarhotel umzubauen. Heute finden neben dem Hotelbetrieb auch Konzerte, Ausstellungen, Gottesdienste und Diskussionen statt. Bewusst in die Projekte involviert sind dabei auch neuangesiedelte Bevölkerungsgruppen, wie etwa Roma und Sinti. Schuster fasst Ihrer Vision mit knappen Worten zusammen: „Wir sind kein sächsisches Dorf mehr. Das kann  man jetzt bedauern oder nicht. Aber wir müssen nach vorne schauen und Neues aus der Situation machen!“

Leo Pfisterer

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