Der Karfreitag ist weg

Der Karfreitag, wie wir ihn in als Evangelische in Österreich gewohnt waren, ist weg. Daran ändert auch die elegante Formulierung eine „persönlichen Feiertags“ nicht.

Die Art und Weise, wie seit dem Erkenntnis des Europäischen Gerichtshofs von Seiten der Regierung mit der Evangelischen Kirche umgegangen wurde, erschreckt mich. Zunächst wurde nicht inhaltlich über die Lösungsmöglichkeiten gesprochen, dann wurde zwar geredet – aber auf die Lösungsvorschläge und besonders auf die Bedürfnisse der Evangelischen wurde nicht eingegangen. Am Ende äußerte der Bundeskanzler, dass sich für 96% der Bevölkerung ohnedies nichts ändert. Damit hat er sachlich recht. Aber es schmerzt, wenn öffentlich erklärt wird: Die Minderheit, zu der ich gehöre, fällt nicht ins Gewicht. Und es sollte eigentlich alle erschrecken. Nicht nur die Evangelischen, die in bei dieser Entscheidung die bedeutungslose Minderheit sind. Denn schon morgen kann jemand anders eine Minderheit sein, die bei einer Entscheidung als nicht relevant eingestuft wird und über die dann ohne Rücksicht drüber gefahren wird. Das schmerzt mich, erschreckt mich, empört mich.

Was sich in der letzten Zeit angedeutet hat, wird nun immer deutlicher: Die bequeme Zeit als Evangelische in Österreich scheint vorbei zu sein. Wir müssen uns auf rauere Zeiten vorbereiten. Und wir werden im Widerstandleisten Übung bekommen.

Aber was bedeutet es nun für den Karfreitag und wie wir ihn begehen? In den vergangenen Jahren konnten wir beobachten, dass die Gottesdienste am Karfreitag leerer wurden. Zu Ostern und Weihnachten wurden sie voller. Den Karfreitag als Tag zu begehen, an dem man bewusst sein/ihr Evangelischsein zeigt und dabei an das Leiden und Sterben Jesu denkt, ist immer mehr aus der evangelischen Mode gekommen. Wenn es nun einen Urlaubstag „kostet“, das Evangelischsein zu begehen und das Leiden und Sterben Jesu zu bedenken, ist zu befürchten, dass noch weniger Evangelische das tun werden. Das ist aber – bei allem Ärger über die Regierung – nicht ihre Schuld.

Im Übrigen hätte es diese bewusste Entscheidung der Evangelischen auch gebraucht, wenn der „persönliche Feiertag“ als zusätzlicher Urlaubstag eingeführt worden wäre. Denn auch da wären alle vor der Wahl gestanden, wann sie diesen Tag konsumieren wollen. Am Karfreitag oder z.B. zur Verlängerung des Sommerurlaubs oder um mit einem freien Zwickeltag ein langes Wochenende zu bekommen.

Evangelische haben es in der Hand zu zeigen, wie wichtig ihnen der Karfreitag ist. Sie können pro-testieren, für („pro“) etwas Zeugnis abgeben („testare“). Zuallererst für die Bedeutung des Kreuzes. Dann aber auch für uns als Evangelische in Österreich.

SI Mag. Lars Müller-Marienburg

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