Trauung für alle – Beschluss der Synode

Seit 1.1.2019 ist auch in Österreich die eherechtliche Gleichstellung hetero- und homosexueller Paare Realität. Das bedeutet, dass sich verschiedengeschlechtliche Paare auch verpartnern können und gleichgeschlechtliche Paare auch heiraten können.

Die evang. Synode A.B. hat sich im Dezember 2018 ausführlich mit der Frage des Umgangs der Kirche mit dem geänderten staatlichen Recht beschäftigt. Kirchlich war es bisher schon möglich, gleichgeschlechtlichen Paaren in einer nicht öffentlichen, privaten Feier den Segen für ihre Partnerschaft zu spenden. Auf die Frage, wie wir als Kirche mit der geänderten Rechtslage umgehen, vermochte die Synode im Dezember inhaltlich noch keinen Beschluss mit der notwendigen 2/3-Mehrheit zu fassen.

Die Pfarrgemeinden waren deshalb gebeten worden, bis zum 20.2.2019 – also verhältnismäßig kurzfristig – Stellungnahmen abzugeben. Von den insgesamt 167 Stellungnahmen aus den Gemeinden sprach sich der überwiegende Teil (110) für eine Gleichstellung aus. Ausgehend von unserem gemeindlichen Leitbild und Bibelverständnis hat auch unser Presbyterium eine positive Stellungnahme abgegeben.

Am 12. März 2019 fasste die Synode mit 2/3-Mehrheit auf Grundlage der Stellungnahmen des theologischen Ausschusses und der Pfarrgemeinden den nebenstehenden, verbindlichen Beschluss. So haben Pfarrgemeinden jetzt die Möglichkeit, durch Beschluss der Gemeindevertretung Segnungen zur Eheschließung auch homosexueller Paare in ihrem Pfarrgebiet zu ermöglichen (opt-in). Sie haben ihren Beschluss dem zuständigen Superintendenten schriftlich mitzuteilen.

Bei der Gemeindevertretersitzung am 24.5.2019 soll beschlossen werden, in welcher Form wir als Pfarrgemeinde Stockerau den Synodenbeschluss umsetzen. Die Beschlussfassung unserer Gemeindevertretung wird umgehend auf unserer Homepage veröffentlicht werden.

Gert Lauermann

Der Synodalbeschluss im Wortlaut:

Die 15. Synode A.B. hat auf ihrer 2. Session am 9. März 2019 folgende theologisch verantwortete und für die ganze Kirche verantwortbare Lösung mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen:

1. Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich hält an dem Verständnis der Ehe als der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau fest wie sie in der Heiligen Schrift (vgl. Matthäus 19,4b-6) und dem Bekenntnis der Kirche als von Gott in der Schöpfung gestiftet bezeugt wird.

2.a. Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich anerkennt gleichzeitig, dass gleichgeschlechtliche Paare, die einander die lebenslange Treue versprechen, in einer der Ehe analogen Verbindung leben, auch wenn diese von der Ehe zwischen Mann und Frau zu unterscheiden ist.

2.b. Auch für diese Partnerschaften sind wesentliche Elemente des christlichen Eheverständnisses konstitutiv: Freiwilligkeit, ganzheitliche personale Zuwendung, lebenslange Treue, wechselseitige Fürsorge und Verlässlichkeit in guten wie in schlechten Zeiten. Es ist deutlich, dass diese Partnerschaften sich am Vorbild der Ehe von Mann und Frau und damit am christlichen Eheverständnis orientieren.

3. Die Evangelische Kirche A.B. in Österreich sieht sich deshalb berechtigt, diese der Ehe analogen Verbindungen gleichgeschlechtlicher Paare in einem Gottesdienst öffentlich zu segnen.

4. Die individuelle Gewissensentscheidung von Pfarrerinnen und Pfarrern, Lektorinnen und Lektoren für oder gegen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare wird respektiert. § 2 der Amtshandlungsordnung der Evangelischen Kirche A.B. ist sinngemäß anzuwenden.

5. Gemeinden haben die Möglichkeit, durch Beschluss der Gemeindevertretung diese Segnungen durchzuführen (opt-in). Sie haben ihren Beschluss dem zuständigen Superintendenten bzw. der zuständigen Superintendentin schriftlich mitzuteilen.

6. Eingetragene Partnerschaften und faktische Lebensgemeinschaften können wie bisher im seelsorgerlichen Rahmen gesegnet werden. Die Entscheidung darüber liegt beim jeweiligen Pfarrer bzw. der jeweiligen Pfarrerin.

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