Ruf der Engel

Foto: Peter Nagl

Bei den Künstlern des heutigen Abends handelt es sich um absolute Profis und internationale Koryphäen auf ihrem Gebiet. Elisabeth Möst ist eine weltweit bekannte Flötistin auf der Querflöte, Rita Dummer ist eine renommierte Schauspielerin und Regisseurin, und Michael Oman ist ein Blockflötensolist, Ensemble-Leiter und Dirigent.

Die drei trugen elf Einheiten mehr als gekonnt vor, wobei eine Einheit immer aus einem oder mehreren Musikstücken und ein oder zwei kurzen, aber durchaus sehr anspruchsvollen Texten bestand.

Gleich von Anfang an, zum Beispiel beim ersten Stück „Pwyll“ von G. Scelsi, wird wirklich das Können der Musiker deutlich. Frau Möst gelingt es auf der Querflöte, die „Anrufung eines Priesters an einen Engel“ so gut zu verkörpern, dass der Zuhörer das Bitten, Flehen und Anrufen tatsächlich fühlt, dass der Zuhörer das Bild von einem huschenden Schatten, eine sanfte Berührung der Hände, tatsächlich vor dem geistigen Auge sieht. Was für ein überwältigendes Können!

Ein weiteres Beispiel dafür war, dass Michael Oman seine Stücke auswendig spielt. Er spielt seine Stücke mit so viel Gefühl und zeigt seine Emotionen durch große Bewegungen. Er spielt die rasanten Wechsel im Stück so schnell, dass man als Zuhörer schon Mühe hatte, sie zu hören, und spielte sie astrein und sauber.

Auch die Leserstimme von Frau Dummer war sehr angenehm und interessant zuzuhören. Einer ihrer Texte ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Glauben Sie an Engel?“, in dem eine Frau mit dem Zug reist, bei einem unerwarteten Halt entlang der Strecke versehentlich aussteigt, da sie dachte, es sei der nächste Bahnhof. Dann verpasst sie natürlich den Zug und trifft auf ihrer nächtlichen Marschroute zum nächsten Bahnhof einen einzelnen Mann, mit dem sie versucht, sich zu unterhalten. Diesen Herrn fragt sie: „Glauben Sie an Engel?“, wobei sich dann zum Ende der gemeinsamen Reise herausstellt, sie selbst ist der eigentliche Engel. Das hat bei vielen aus dem Publikum Gänsehaut und Nachdenklichkeit hervorgerufen.

Insgesamt war es ein sehr emotionaler Abend, wobei es den Künstlern mehr als gelungen ist, durch Musik und Texte Bilder und Eindrücke von Engeln in die Köpfe der Zuhörer zu zaubern. Jedes Musikstück unterstrich den davor gehörten Text auf eindrucksvolle Weise und war Musik auf allerhöchstem Konzertniveau. Dieser Abend war einmalig und es ist ein absolutes Privileg, so etwas bei uns in der Kirche hören zu dürfen. 

Claudia Lambeck

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