Geistliches Wort


(Foto: pallottiner.org)

Ein heißer Sommer liegt hinter uns, liebe Leserinnen und Leser! Ich hoffe, Sie konnten sich ein wenig erholen, regenerieren und auf den Herbst vorbereiten.

In solchen Auszeiten wie dem Urlaub geschieht ja nicht nichts, sondern in Wahrheit ganz viel. Endlich Zeit, die Uhr ohne Furcht anzuhalten, das Handy wegzulegen, einmal nicht seine Existenz rechtfertigen zu müssen, die Seele baumeln zu lassen, Erlebnisse, Begegnungen und Gespräche zu verarbeiten.

Beunruhigende Entwicklungen

Und doch: Auch während des Sommers sind aufregende Dinge passiert, weil die Welt natürlich nicht stillgestanden ist. Die Bilder in den Abendnachrichten haben uns anhand von verbrannten Wäldern, vertrockneten Feldern und verendeten Fischen die Folgen des Klimawandels vor Augen geführt.

Das Boot einer Flüchtlingshilfsorganisation wurde fast eine Woche auf dem Meer blockiert, nachdem es rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte. Vorausgegangen war ein tagelanger Streit zwischen Malta und Italien, die ihre Häfen für private Rettungsschiffe geschlossen hatten. Der Kapitän steht mittlerweile auf Malta vor Gericht. – Wie kann man den Schleppern beikommen? Soll man die Menschen ertrinken lassen?

Der Historiker und Philosoph Philipp Blohm hat in seiner Rede bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele die gesellschaftliche Entwicklung zum Thema gemacht: In Zeiten von „Fake-News“ sieht er das kritische Denken bedroht und den Respekt vor Fakten schwinden – Fakten, die höher zu achten sind als Meinungen, Vorurteile und Dogmen. Viele Menschen sehen die Zukunft nicht länger als Verheißung, sondern eher als Bedrohung und haben Angst vor ihr. Sie ziehen sich zurück, grenzen sich ab, versuchen das eigene Paradies zu schützen…

Was können wir tun?

Ich muss gestehen – ich stehe sehr besorgt, aber auch sehr hilflos diesen beunruhigenden Entwicklungen gegenüber. Was kann, was muss Kirche in Zeiten wie diesen tun? Wie können wir als evangelische Kirchengemeinde darauf reagieren?

Zum Beispiel, indem wir in der Verkündigung an den Adel und die Würde des menschlichen Lebens erinnern und daran, dass wir als Menschen alle miteinander Gottes geliebte Kinder sind – miteinander verschnürt zu einem

„Bündlein der Lebendigen“, wie es der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu einmal formuliert hat. „Wirklich frei können wir letztendlich nur zusammen sein. Menschen können wir nur zusammen sein, schwarz und weiß, reich und arm, Christ, Moslem, Hindu, Buddhist und Jude“, schreibt Tutu in seinem Buch „Gott hat einen Traum“.

Wir könnten als evangelische Kirchengemeinde mit gutem Beispiel vorangehen mit dem Blick auf einen mutigen Dialog mit Andersdenkenden und Andersglaubenden, auf Toleranz, Offenheit und ein achtsames menschliches Miteinander. Wir könnten der Angst die Gemeinschaft entgegensetzen und Vorurteile durch gute Erfahrungen entkräften.

Wir wäre es, wenn wir unser neues Gemeindezentrum zu einer Herberge machten, in der Menschen neue Kraft schöpfen können, Entlastung erfahren und Freundschaft – zu einem Raum des Lebens für Menschen auf der Suche nach Hoffnung, Perspektive und Sinn?

Wir könnten an unserem Umweltbewusstsein arbeiten und miteinander konkrete Schritte überlegen, wie unser ökologischer Fußabdruck kleiner wird und wie wir achtsamer mit den natürlichen Ressourcen umgehen. Auch hier brauchen wir einander, damit wir uns gegenseitig Mut machen können.

Wenn wir zusammenarbeiten – davon bin ich überzeugt – wird es uns leichter fallen, Veränderungen nicht zu fürchten, sondern willkommen zu heißen. Der erste Schritt auf diesem gemeinsamen Weg könnte sein, sich angesichts der vielen alltäglichen Herausforderungen nicht aus dem gemeindlichen Miteinander zurückzuziehen.

Der Gottesdienst, die Gemeinschaft und die Gespräche bei gemeindlichen Veranstaltungen sind Kraftquellen und Mutmacher. Darum lade ich Sie als Pfarrer im Namen von Gemeindevertretung und Presbyterium herzlich dazu ein.

Ihr Pfarrer Christian Brost

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