Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Jahreslosung 2018, Buch der Offenbarung 21,6

Der Schriftsteller und Historiker Philipp Blom erzählt in seinem lesenswerten Buch „Was auf dem Spiel steht“ von einem ganz besonderen Wasser: eine Flasche Cristallo Tributo a Mondigliani kostet 50.000 €. Sie ist aus mundgeblasenem Glas, mit Gold verziert und mit einem Cuvee der besten Mineralwässer aus Fidschi, Frankreich und einem isländischen Gletscher befüllt.

Und sie zeigt an, dass mit unserer Welt etwas nicht stimmt: Die einen können es sich leisten, ihren Durst – auch den Lebensdurst! – zu stillen, die anderen haben nicht einmal sauberes Wasser zum Trinken.

Schöpfungsverantwortung

Aus unserem „Mehr-als-genug-haben“ erwächst unseren Menschengeschwistern gegenüber, denen es nicht so gut geht wie uns, die Verpflichtung zum Teilen. Damit werden wir uns in der nächsten Zeit in unserer kirchengemeindlichen Arbeit auseinandersetzen. So wie das Thema Weltethos, das uns seit geraumer Zeit beschäftigt und aus dem unsere Friedensarbeit erwächst, wird uns künftig das Thema Schöpfungsverantwortung begleiten und herausfordern. Es wäre sehr schön, wenn sich möglichst viele Gemeindeglieder dabei zu Wort melden und engagieren.

Lebensdurst

Doch zurück zum teuersten Mineralwasser der Welt und unserem Durst nach Leben. Dieser Lebensdurst kann offensichtlich mit Geld und Gut nicht gestillt werden, sonst lebten in unseren Breiten die glücklichsten Menschen der Welt. Doch dem ist nicht so, vielmehr wächst dieser Lebensdurst trotz vieler erfüllter Wünsche.

Bei diesem Durst nach Leben geht es um Liebe, Zuwendung, Barmherzigkeit und Sinn. Alles Güter, die wir nicht mit Geld kaufen können, die uns nur geschenkt werden können. Alles Bereiche unseres Lebens, in denen wir nichts erzwingen können, sondern auf die Zuwendung der Anderen und die Zuwendung Gottes angewiesen sind. Wie schön, dass das so eingerichtet ist, denn so haben wir Reichen einmal keinen Vorsprung, sondern die Chance, Demut und Geduld zu lernen!

Gott teilt mit uns

Die Erfahrungen mit Gott, von denen die Menschen in der Bibel berichten, zeigen, wie gut es Gott mit uns meint: Er teilt seine Schöpfung großzügig mit uns, ebenso wie seine Liebe und sein Leben.

Nicht nur Martin Luther hat eine ganze Weile gebraucht, bis er das erkannt hatte und annehmen konnte. Auch uns geht es nicht anders. Wir müssen die befreiende Botschaft ein ums andere Mal hören und im Miteinander erleben, ehe wir sie annehmen und in unserem Alltag beherzigen können.

Zum Durst löschen gehört das Trinken

Um in dem wunderbaren Bild unserer Jahreslosung zu bleiben: Zum Durst löschen gehört das Trinken. Ich kann tagelang an der Quelle stehen und über das Wunder des Wassers meditieren; solange ich nicht trinke, bleibe ich durstig. Solange ich dem Glauben nur theoretisch nachdenke, trete ich auf der Stelle; erst wenn ich anfange so zu leben, als gäbe es Gott, kommt Bewegung in mein Leben und Glauben.

Fangen wir an, vom Wasser des Lebens zu trinken, bis wir für unseren Reichtum – den materiellen wie den ideellen – dankbar werden und ihn mit den Menschen in der Nähe und in der Ferne teilen!

Gott versorgt uns – gratis, hoffentlich nicht umsonst…

Ein schönes Frühjahr und ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

Dieser Beitrag wurde unter Geistliches Wort veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.