Das große Fest

Eines muss ich vorweg gleich klarstellen: Ich mag Veranstaltungen, wo sich Massen tummeln, eigentlich gar nicht. Da ist nicht meins!

Aber: Der 30. September war da eine würdige Ausnahme. Schon ein halbes Jahr vorher wusste ich, dass ich dabei sein wollte. Dass es dann auch die Möglichkeit gab, bei einem Sing-along mit zu machen, war einfach toll.

Reformation bewegt

Vielleicht sollte ich zuerst erwähnen, worum es überhaupt ging. Das Fest „Reformation bewegt“ sollte der Höhepunkt medialer Art des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“ sein. An einem möglichst prominenten Ort – nämlich dem Wiener Rathausplatz – sollten möglichst viele Menschen zusammenkommen und sich ein Bild von den evangelischen Kirchen Österreichs machen können.

Und was für ein Bild das war! Erstens: perfektes evangelisches Wetter! Und es waren wirklich sehr viele Menschen, was für uns Evangelische schon Seltenheitswert hat: sie waren unzählbar (laut Polizeischätzung mehr als 18.000). Bei der Eröffnung um 12 Uhr Mittag kamen Michael Bünker, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Evangelisch-Reformierten Kirche und Stefan Schröckenfuchs, der Evangelisch-Methodistische Landessuperintendent zu Wort. Zusammengefasst war ihre Botschaft: Auch heute, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers, braucht es Mut und Zuversicht, damit sich Demokratisierung und Anwendung der Menschenrechte weiterentwickeln. Es gilt auch heute Verantwortung zu übernehmen – vor allem in den Bereichen Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Nobelpreisträgerin Leymah Gbowee

Dazu helfen sollten Mutmacher und Mutmacherinnen, wie zum Beispiel die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee. Sie plädierte in ihrem sehr persönlichen und inspirierenden Statement auf der großen Bühne für eine Reformation der Menschlichkeit.

Sie sagte: „Jeder kann zum Frieden beitragen, dazu braucht es nicht eine Milliarde Dollar. Es genügt, wenn jeder eine gute Tat macht, die sich ein anderer nicht zu machen traut. Man muss hoffen, beten und tun, was getan werden muss.“ Sie selbst wurde immer von einem Ausspruch Nelson Mandelas begleitet: „Mutige Menschen haben auch Angst, aber trotz der Angst stehen sie auf und werden aktiv.“

Große Bühne(n)

Apropos große Bühne: Die war direkt vor dem Rathaus aufgebaut, und ein buntes Programm wurde geboten. Den Beginn machte ein 120-köpfiger Bläserchor aus Teilen Österreichs, Deutschlands und Ungarns. Es folgte das schon erwähnte Sing-along, wo ein Chor und ein Orchester auf der Bühne und viele – mehr als 200 SängerInnen – vor der Bühne gemeinsam Hits wie das Händel-Halleluja sangen.

Zu diesem Zeitpunkt, so gegen 13 Uhr, hat es schon ordentlich gewimmelt. Auf der Hauptbühne folgten Kinder und Jugendliche aus verschiedenen evangelischen Schulen, die Mutmacher Sven Giegold (EU-Parlamentarier und Initiator der European Christian Convention), Sumaya Farhat-Naser (palästinensische Friedensaktivistin) und viele mehr.

Ein großer Rahmen

Der breite Weg zum gegenüberliegenden Burgtheater war gesäumt von 38 Pagoden, wo verschiedene evangelische Einrichtungen Informationen anboten. Dort, bei der Pagode von der Niederösterreichischen Evangelischen Kirche, habe ich auch unseren Pfarrer Christian Brost getroffen. Auch er war beeindruckt von der Stimmung und dem tollen Programm.

Zum Glück gab es genügend Sitzgelegenheiten zwischen den Pagoden. So konnte man sich ausrasten, etwas essen und mit Bekannten oder Fremden ins Gespräch kommen.

Wer sich in den angrenzenden Rathauspark begab, konnte sich bei 18 Mitmachstationen von Malen, Reden bis Bubblesoccer austoben. Das waren naturgemäß eher jüngere Menschen, aber auch wirklich viele. Und man konnte noch eine zweite Bühne finden. Mit Helmut Montsch, unserem Schatzmeister, und seiner Frau Emanuela habe ich dort einem Auftritt von Kohelet 3 gelauscht, nachdem der Krumpendorfer Chor noch 2 Kärntnerlieder gesungen hatte.

Eine dritte Bühne soll sich im Rathauskeller befunden haben. Wegen des großen Andrangs war es mir nicht möglich sie zu sehen. Ich habe aber im Rathauskeller einen Ausschnitt vom Kabarettprogramm Luther 2.017 mit Oliver Hochkofler und Imo Trojan zumindest gehört.

Das Abschlussprogramm

Der Abend kam näher und damit das von mir schon heiß erwartete Abschlussprogramm auf der Hauptbühne. Moderator Karl Markovics geleitete durch den Abend mit Musik vom „Blechhauf’n“ – einfach geniale Blasmusik, „Masaar Hub“ (eine jazzige Gruppierung mit Paul Gulda) bis „4Real“ (einem American Gospel Feat) und anderen. Zum Glück konnte ich mich zur Musik ausreichend bewegen – so wurde mir nicht kalt.

Einen Beitrag von Karl Markovics will ich herausgreifen: Es war die Rede von Martin Luther King, die 1963 in Washington zu hören war. Wahrscheinlich jede/r von uns hat Teile davon schon gehört, zumindest den Satz: I have a dream.

Nun, diese Rede im heutigen Europa, auf unserem Rathausplatz in Wien so zu hören, hat mich tief beeindruckt. Zum einen, weil ich den Schauspieler Markovics verehre und der Vortrag sehr emotional angekommen ist; zum zweiten, weil der Inhalt dieser Rede (mit Ausnahme der geografischen Bezeichnungen) auch für uns heute und hier Bedeutung hat.

Ein Motivationsschub

Das Green Event (zeichnet sich durch nachhaltige Planung, Organisation und Umsetzung aus) ging zu Ende. Während ich – ziemlich müde – mit der Schnellbahn nach Hause fuhr, ging mir die Veranstaltung noch durch den Kopf. Es war ein tolles Erlebnis – fast wie ein großer Bazar, wo man gustieren, etwas kennenlernen konnte. Und es gab eine klare Botschaft: Es macht Sinn, sich für Umwelt, Menschenrechte, Versöhnung und Gerechtigkeit einzusetzen. Jede/r einzelne kann dazu beitragen, und die evangelischen Kirchen – in meinem Fall die lutherische – lädt mich und alle, die das wollen, auch dazu ein sich einzubringen.

Auf diese Art und Weise gab mir dieses Fest einen kräftigen Motivationsschub, mich weiterhin zu engagieren.

Irmi Lenius

Sämtliche Fotos dieser Seite: (c) Evangelischer Pressedienst Österreich

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