Reformation – was für ein Glück!

Manchmal kann ein einzelner Mensch die Welt verändern!

Oder zumindest großen Veränderungen den Weg bereiten, Entwicklungen in Gang setzen, in deren Verlauf dann viele mit ihrer Tatkraft und mit ihrem Einsatz die Welt verändern.

Solch ein Mensch war Martin Luther. Er hat nicht geahnt, welch eine Lawine er mit seinen 95 Thesen ausgelöst hat, die er vor 500 Jahren veröffentlicht hat. Es ging ihm um das Vertrauen Gott gegenüber, um ein Leben ohne Angst vor Hölle, Tod und Teufel, um engagiertes Christsein aus Dankbarkeit Gott gegenüber. Er hat dagegen protestiert, dass seine Kirche aus der Angst der Menschen vor dem Fegefeuer Kapital schlug.

Seine neue Theologie hatte Luther einem zu verdanken, der die rechte Erkenntnis Gottes durch sein Leben, Reden und Handeln erst möglich gemacht hatte: Jesus aus Nazareth. Er hat Gottes Gegenwart in dieser Welt sichtbar und spürbar gemacht. Er hat den Menschen seiner Zeit die Augen geöffnet für Gott und seine Welt und ihnen Mut gemacht, Gott in ihrem Leben Raum zu geben. Immer und immer wieder hat er diese Botschaft verkündigt. Er hat große Reden gehalten, z.B. als er seine Jünger aussandte oder als er mit seinen Zuhörern über das Ende der Zeit nachdachte. Auch seine Gleichnisse zeigten mit einfachen Worten und Bildern die Nähe Gottes an.

Glaube und Glück gehören zusammen

Seine bedeutsamste Rede hat Jesus auf einem Berg gehalten. Die Bergpredigt wirft alle Gesetze der Redekunst über den Haufen. Sie nimmt keinen langen Anlauf, um den wichtigsten Teil ihrer Botschaft vorzubereiten. Sie setzt mit dem wichtigsten Teil ein. Gleich zu Beginn stehen die Seligpreisungen – jene acht Sätze, die bis heute nichts von ihrer Wucht und ihrer Aktualität eingebüßt haben:

Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn Gottes Herrschaft und Herrlichkeit gehört ihnen.
Glücklich sind die Traurigen, denn Gott wird sie trösten.
Glücklich sind, die auf Gewalt verzichten, denn sie werden die ganze Erde besitzen.
Glücklich sind, die sich nach Gottes Gerechtigkeit sehnen, denn Gott wird ihre Sehnsucht stillen.
Glücklich sind die Barmherzigen, denn Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.
Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.
Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen.
„Glücklich sind…“ – Glaube und Glück gehören zusammen.

Gott vertrauen zu können ist ein großes Glück.

Auch für Martin Luther ging es um nichts anders als das Lebensglück, gelingendes Leben, das in Gottes Nähe führt und nicht endet.

Dabei stand Luthers Leben zunächst unter einem unglücklichen Stern. Sein ursprünglicher Berufswunsch, Jurist zu werden, zerschellt im Gewitter von Stotternheim. „Heilige Anna, hilf, ich will ein Mönch werden“, so schwört er. Und er hält seinen Schwur. Statt im Gerichtssaal endet Martin Luther im Kloster. Zumindest zunächst.

Doch je mehr er aufsaugt an theologischer Gelehrsamkeit, desto größer wird sein Unglück. Martin Luther erkennt seine Grenzen. Mag es zu einem tugendhaften Leben vor den Menschen reichen, vor Gott, das weiß er, reicht nicht aus, was er an guten Werken vorzuweisen hat. Sein Lebensweg wird zu einer Reise ins Unglück.

Wäre ihm da nicht mit einem Mal klargeworden: Der Weg ins Glück folgt nicht der Spur meiner guten Werke. Er folgt Gott, der mir entgegenkommt und mir alles beilegt, was ich zum Leben brauche: Vergebung, Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Hoffnung. „Und mit einem Male“, so schreibt Luther ein Jahr vor seinem Tod, „mit einem Mal standen mir die Pforten des Paradieses offen.“ Luther findet sein Glück. Findet zurück ins Paradies. Weil er erkennt: Nicht die vollen, sondern die leeren Hände machen mich reich vor Gott.

Um diese leeren Hände geht es in den Seligpreisungen: um Armut und Trauer, um Verzicht auf Hochmut und um vorenthaltene Gerechtigkeit, um ein offenes Herz für Gott und um eine Welt, die nach Frieden schreit. Nicht die sind glücklich, die ihr Leben gründen auf ihrer Leistung, ihrer Macht, ihrer Schönheit: Glücklich sind die, die Gott schön macht, weil er ihre Tränen trocknet und in ein Lachen verwandelt. Weil er ihre Herzen füllt. Und weil er ihnen den Frieden in den Schoß fallen lässt. Was für ein Glück!

Wie kriege ich einen gnädigen Gott?

Das war die große Frage Martin Luthers.

Und seine Antwort: Wir haben Gott nie anders als gnädig. Seit der Zusage Gottes an Abraham: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Seit den Tagen des Mose auf dem Sinai. Ich bin der Herr, dein Gott. Du wirst keine anderen Götter haben außer mir. Seit den Tagen Jesu von Nazareth, der den Menschen zurief: Kehrt um, denn Gottes Reich ist nahe herbeigekommen.

Du bist mir recht! So lernt Luther Gott neu verstehen. Du bist mir recht. Und deshalb darfst du glücklich sein. Kein Wunder, dass Luther mit dem Glück der leeren Hände leben kann. „Wir sind Bettler, das ist wahr!“ So lauten nicht ohne Grund die letzten Worte Martin Luthers.

Rechtfertigung aus Glauben

Du bist mir recht! Luther findet sein Glück in dieser Zusage. Rechtfertigung aus Glauben nennt er das.

„Glücklich seid ihr … Selig seid ihr …“ Das ist die Übersetzung der großen Erkenntnis Luthers in die Sprache der Bergpredigt.

„Glücklich seid ihr…“ Möge diese Zusage Sie und Euch begleiten auf dem Weg durch den Herbst. Mehr als diese Zusage braucht’s nicht. Heute nicht. Und auch sonst nicht.

Pfr. Christian Brost

 

Sie sind herzlich eingeladen, das Reformationsfest in diesem besonderen Jahr mitzufeiern:

  • Samstag, den 28.10.2017 um 17 Uhr in der Kapelle des Landespflegeheims in Retz
  • Sonntag, den 29.10.2017 um 10 Uhr in der Christuskirche in Hollabrunn
  • Dienstag, den 31.10.2017 um 19 Uhr in der Lutherkirche in Stockerau
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