Gemeindeausflug nach Nasswald

Am Morgen des 10. Juni waren in Stockerau am Busbahnhof nur ganz wenige Hundebesitzer unterwegs, um ihren Liebling Gassi zu führen. Und die werden sich wohl gefragt haben, wo denn an einem Sonntag um halb acht Uhr in der Früh alle diese Leute hinwollen, wo noch dazu ziemlich regnerisches Wetter war. Des Rätsels Lösung: Gemeindeausflug nach Nasswald!

Eine Gruppe von ca. 70 Menschen – Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Moslems und Menschen ohne Bekenntnis – machten sich in zwei Reisebussen auf den Weg, um einen Tag gemeinsam zu verbringen. Der erste Programmpunkt führte uns nach Nasswald im Süden Niederösterreichs, eine kleine Gemeinde mit großer Geschichte. 1872 waren die evangelischen Gebrüder Hubmer dorthin gezogen, um den Urwald zu schlägern und Holz für die Eisenproduktion zu liefern. Da Josef II. das Toleranzpatent erlassen hatte, konnten sie hier ihren Glauben offen leben. Sie erbauten ein Bethaus in Nasswald, das bis heute steht. In diesem Bethaus feierte unsere Ausflugsgemeinde einen von den Pfarrern Brost und Beranek gemeinsam geleiteten Gottesdienst.

Anschließend bekamen wir eine Führung durch Kirche und Museum, bei der wir z.B. erfahren konnte, dass Nasswald derzeit die kleinste eigenständige evangelische Gemeinde Österreichs ist. Es wurde auch viel über Georg Hubmer, den Gründer der Gemeinde, erzählt. Er hielt sich nicht an die damaligen diskriminierenden Bauvorschriften für evangelische Gotteshäuser und baute verbotenerweise runde Fenster und einen Turm auf „seine“ Kirche.  Als er deswegen bei Kaiser Franz Josef angezeigt wurde, soll der ihm verbundene Kaiser angeblich gesagt haben: „Man lasse mir meinen Raxkönig in Ruhe!“. Bis heute kennt man diesen Spitznamen des unbeugsamen und charakterstarken Mannes. Auch des neben der Kirche gelegene Gasthaus trägt den Namen „Zum Raxkönig“ und dort speisten wir sehr gut zu Mittag.

Die unerlässlichen 1000 Schritte nach dem Essen taten wir bei inzwischen herrlichem Wetter im nahegelegenen Naturpark Schwarzau. Dort fanden wir in der wildromantischen Landschaft – umgeben von Rax, Schneealpe und Schneeberg – ein Wildgehege, einen Streichelzoo, wunderschöne Spazierwege. Ein Besuch bei einem Mostheurigen beschloss diesen schönen Tag, der nicht nur voller interessanter kultureller und landschaftlicher Eindrücken war, sondern vor allem von Gesprächen und Begegnungen zwischen Menschen geprägt war, die sich zu verschiedenen Religionen bekennen. Es bleibt sehr zu wünschen, dass es nicht bei diesem einen ökumenischen Ausflug bleibt!

Christine Andel

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