Familien-Gottesdienst in der Stockerauer Au

 

Bei sommerlichem Wetter versammelten sich am 25. Juni Evangelische aus der ganzen Diasporagemeinde beim Naturfreundehaus in der Stockerauer Au. Der schon traditionelle Gottesdienst im Grünen ist immer ein besonderes Ereignis. Allein schon die Möglichkeiten der Wetterlage sind spannend, aber auch die Gegebenheiten vor Ort sind vorher nicht immer klar. Diesmal hat alles gepasst. das Wetter war perfekt – der Regen kam erst um 16.30 Uhr. Die Bäume spendeten Schatten und wir hatten ausreichend Sitzgelegenheiten.

Stark wie die Zedern

Alle Menschen, die Gott die Treue halten,
wachsen auf wie grüne Palmen
und werden groß und stark wie die Zedern des Libanon.
Weil sie in der Nähe des Herrn gepflanzt sind,
wachsen und grünen sie immerzu.
Noch im hohen Alter tragen sie Frucht,
immer bleiben sie voll Mut und Kraft.
Ihr Leben bezeugt: Der Herr tut das Richtige,
auf ihn ist immer Verlass!

Dieser Psalmtext (Ps 92) stand wie eine große Überschrift am Beginn des Gottesdienstes.

Das Bild des Baumes wurde noch weiter vertieft: Unter einem großen Tuch durften Kinder etwas ertasten – und es waren Teile eines Wurzelstocks. Da es Pfadfinderkinder waren, wussten sie bestens Bescheid, welche Funktionen Wurzeln haben.

Wir verwenden die Redewendung von den eigenen Wurzeln und meinen da unsere Herkunft: das Land, in dem wir aufwachsen; die Speisen, die unseren Geschmack prägen, und -nicht zu vergessen – die Sprache, mit der wir groß werden. All das gibt auch uns Halt, Kraft und Stabilität – so wie die Wurzeln einem Baum.

Das Eschensterben – die Ent-wurzelung

Viele von uns wussten schon, dass es heuer auch in unserer Au das große Eschensterben gibt. Ein Pilz ist schuld, der die Wurzeln dieser Bäume befällt und dazu führt, dass sie ohne Vorwarnung umfallen können.

Auch Menschen können entwurzelt werden.So manche von uns werden es schon selbst erlebt haben: eine Übersiedlung ist auch für die Wurzeln eine neue Herausforderung. Die Geschichte von Sebastian und dem Wacholder, die beide eine Übersiedlung zu meistern hatten, veranschaulichte das. Da heißt es neu Fuß fassen, neue Freunde finden – also auch neue Wurzeln wachsen lassen.

Es gibt aber auch unfreiwillige Übersiedlungen, wie die von Flüchtlingen. Die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie Angst um ihr Leben hatten. Die fühlen sich auch hier bei uns rasch ent-wurzelt und es ist nachvollziehbar, dass sie auf Frieden hoffen, um in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Glaube als Hilfe

Wir Menschen können merken, dass wir an unseren Wurzeln krank sind, wenn wir von Klein auf Dinge mit uns herumschleppen, die uns das Leben schwer machen. Der Glaube kann da eine große Hilfe sein, den Mut aufzubringen, hinzuschauen. Warum der Glaube?

Bei unseren jüdischen Geschwistern wird das gut sichtbar: in jedem Gebet, jeder Handlung und jeder Zusammenkunft ist die Geschichte präsent. Nicht irgendeine Geschichte, sondern die Geschichte von der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft. Schon die 10 Gebote beginnen mit den Worten: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat….

Diese Befreiung ist die Wurzel des Glaubens! Ich darf befreit leben. Befreit von der Angst, zu versagen, befreit zu einem Leben aus der Liebe und befreit durch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod.

Das klingt schön, wird aber genau dann evident, wenn es uns schlecht geht. Dann braucht es auch die Gemeinschaft, die mir diesen Glauben zu leben hilft.

So eine Gemeinschaft wollen wir als Pfarrgemeinde sein. Eine tragende, Halt gebende Gemeinschaft, die genau dann zu helfen versteht, wenn sie gebraucht wird.

Unser Pfarrer Christian Brost hat allen Anwesenden in diesem Zusammenhang die „Hausaufgaben“ für die Sommerferien mitgegeben: Wir mögen uns folgende zwei Fragen durch den Kopf gehen lassen:

Was darf es mich kosten, meine Wurzeln ins Erdreich des Glaubens an Gott zu senken?

Was bin ich bereit einzusetzen für das Miteinander in der Gemeinde?

Pfarrer Brost: „Nur wer auch bereit ist etwas zu geben, wird in Zukunft eine Gemeinschaft finden, von der er auch etwas nehmen kann. Bleiben wir in lebendiger Verbindung mit Gott und miteinander. Und helfen wir entwurzelten und verletzten Menschen, neu Wurzeln zu schlagen.“

Gemeinsamer Abschluss

Zum Abschluss des Gottesdienstes bildeten wir einen großen Kreis. Wir vergegenwärtigten uns unsere Wurzeln, nahmen Kontakt mit unseren Nachbarn auf und streckten uns Gott mit diesem Gebet entgegen:

Gott, wir halten uns aneinander und halten einander.
Wir freuen uns darüber, dass du unser fester Grund bist
und wir aus dem Glauben an dich Kraft schöpfen für unser Leben
– auch für das Leben als evangelische Gemeinde.
Lass uns miteinander in dir verwurzelt bleiben.
Du bist der Lebensgrund.
Hilf, dass das Gute in uns wachsen kann und daraus reiche Frucht wird
– auch für die Menschen, die uns begegnen.

Bevor wir zum gemütlichen Teil übergingen, wurde unser Pfarrer von den Pfadfindern mit der bronzenen Ehrenmedaille geschmückt. Das Pfadfinderleitungsteam bedankte sich bei Christian Brost für seine Kuratortätigkeit und schaffte es, ihn damit wirklich zu überraschen. Wir freuen uns mit ihm über diese Wertschätzung!

Dann wurden die Griller angeworfen und die Kanus ins Wasser gehoben. Die einen füllten sich ihre Mägen und unterhielten sich bestens, die anderen paddelten fröhlich in der Au. Ein großes Danke allen, die zum Gelingen beigetragen haben!

Irmi Lenius

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