„Möge Frieden auf Erden sein!“

Sie ist sicher schon vielen aufgefallen – unsere Friedenssäule vor der Lutherkirche in Stockerau. Anfangs hat mancher gerätselt: eine neue Litfaßsäule? Doch als im November die Schriftzüge aufgeklebt wurden, war klar: Es geht um den Frieden.

„Möge Frieden auf Erden sein!“

1955 hat der japanische Dichter und Lehrer Masahisa Goi die „World Peace Prayer Society“ gegründet, die an keine Religion gebunden ist, sondern sich dafür einsetzt, dass die verschiedenen Lebensformen, Kulturen und Religionen auf der Welt einander respektieren. Der gemeinsame Wunsch „Möge Frieden auf Erden sein“ soll Menschen aller Nationen, Traditionen und Religionen nachdenklich machen und einander näherbringen.

In unserer globalen Gesellschaft können wir es uns eigentlich nicht leisten, nur das Eigene im Blick zu haben und alles andere als fremd zu verdammen. Weltweit stehen daher tausende ähnlicher Friedensdenk- und Mahnmale an unterschiedlichsten Plätzen, in unterschiedlichsten Materialien, Farben, Formen und in ganz vielen Sprachen.

Friedensakupunktur für die Welt

So nennt unser Künstler Leo Pfisterer die Friedenspfähle, die in die Erde gepflanzt wurden…

Nun sind wir als evangelische Christen nicht der Ansicht, die Welt würde durch das Aufstellen einer Friedenssäule automatisch friedvoller. So einfach geht es leider nicht. Und wer die Tagesnachrichten verfolgt oder einfach nur mit offenen Augen durch die Welt geht, bekommt sehr schnell mit, wie Menschen im Kleinen wie im Großen aus Rechthaberei, Gier, Neid, Hass und Machtgelüsten aufeinander losgehen und wie viele in dem Teufelskreis von Gewalt und Terror gefangen sind. Wie schön wäre es, wenn wir Menschen verändern könnten…

Frieden bauen

Naja, zumindest einen Menschen kann jeder und jede verändern – sich selbst. Dazu müssen wir uns auf unsere eigene innere Friedensreise machen, denn der Friede will in uns beginnen, um von da ausstrahlen zu können.

Fangen wir ganz zart mit dem Frieden an: Gehen wir achtsam mit uns selber um, reden wir gut über andere, machen wir nicht mit, wenn über einen dritten hergezogen wird. Vergeben wir, setzen wir uns für andere ein, begegnen wir ihnen freundlich, grenzen wir niemanden aus. Verleihen wir dem Frieden Hand und Fuß, damit er wachsen kann.

Wer unsere Friedenssäule etwas genauer angesehen hat, dem ist sicher aufgefallen, dass zwischen den Spruchbändern noch viel nackter Beton zu sehen ist. Nein, wir wollten nicht Material sparen. Die Säule ist ein lebendiges Projekt. Wir wünschen uns, dass viele Menschen am Frieden mitarbeiten, Hand anlegen, am Frieden bauen.

Friede ist nicht automatisch – er muss von uns allen „erbaut“ werden. Bei verschiedenen Veranstaltungen wollen wir unsere Mosaiksteine des Friedens verbauen – mit allen Menschen guten Willens, egal welcher Konfession, Religion oder Weltanschauung. Der Friede sucht seine Erbauer!

Einen friedvollen Sommer wünscht sich und Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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