Unsere Friedenssäule – Akupunktur für die Welt

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Seit dem 1. Adventsonntag des Vorjahres steht am Platz vor der Kirche unsere Friedenssäule. Sie ist fertig und auch nicht.
„Brauchen wir so was wirklich? Die Welt wird doch nicht friedvoller, nur weil wir in Stockerau eine Betonsäule aufstellen“, war mein spontaner Gedanke, als ich erstmals mit der Idee eines solchen Projekts konfrontiert wurde.
Zwei wichtige Schritte hat es für mich gebraucht, dass ich vom Skeptiker zum Befürworter (fast Fanatiker) des Projekts geworden bin.

World Peace Prayer Society

Ich habe begonnen, mich schlau zu machen, habe nachgelesen: Wir sind nicht die ersten, die eine solche Säule errichtet haben. Unser Projekt reiht sich in mittlerweile weltweit tausende ähnlicher Denk- und Mahnmale ein.

1955 hat der japanische Lehrer und Dichter Masahisa Goi (1916-1980) die „World Peace Prayer Society“ gegründet. Er war davon überzeugt, dass die Worte „Möge Friede auf Erden sein“ den größten Wunsch der Menschheit ausdrückt. Die „World Peace Prayer Society“ setzt sich ein für eine Welt, in der alle Kulturen, Bräuche, Religionen, ethnischen Gruppen und alle Lebensformen respektiert werden, und ist an keine Religion gebunden. Ziel ist, mit den Worten „Möge Friede auf Erden sein“, die als Wunsch, Botschaft oder Gebet verstanden werden können, Menschen aller Nationen, Traditionen und Religionen einander näher zu bringen.

Als ein sichtbares Zeichen dafür begann man weltweit Friedenspfähle mit der mehrsprachigen Inschrift „Möge Friede auf Erden sein“ zu errichten. Die ersten waren Holzpfähle, die in die Erde gerammt wurden – als „Friedensakupunktur“ für die Welt. Inzwischen gibt es sie in unterschiedlichsten Formen und Materialien auf allen Kontinenten.

Friedensplatz 1

Zweiter Schritt war im Vorjahr eine Mitarbeiterfreizeit unserer Gemeinde im Haus der Stille in der Steiermark. Mein letzter Besuch in diesem Haus lag schon Jahre zurück und ich war erstaunt über die Veränderungen, die dort inzwischen stattgefunden hatten. Das Haus liegt jetzt inmitten eines Waldes von Friedensmälern und hat auch eine neue offizielle Adresse: Friedensplatz 1. Durch die unterschiedlichen Kunstwerke, Zeichen und Installationen waren wir ständig mit dem Thema Friede konfrontiert – und damit auch mit unseren noch vagen Vorstellungen einer Friedenssäule. In diesen Tagen kristallisierte sich heraus: Ja, so ein Projekt macht Sinn, wir machen uns ans Werk.

Die Sprachen unserer Friedenssäule

Sehr unkompliziert erhielten wir die Genehmigung der Stadt für das Projekt – diese war notwendig, weil die Säule auf einem öffentlichen Grundstück steht.

Die Sprachen der Worte „Möge Friede auf Erden sein“ wurden ausgewählt:

  • Deutsch, unsere Muttersprache
  • Hebräisch, als Offenbarungssprache der Bibel und vor dem Hintergrund der Geschichte unseres Kirchengebäudes
  • Arabisch, als Offenbarungssprache des Korans und der örtlichen Nähe zur islamischen Gemeinde
  • Englisch, als quasi internationale, völkerverbindende Sprache

Ein lebendiges Projekt

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In den Tagen vor dem ersten Adventsonntag konnten die Mosaikbänder mit den Schriftzügen auf die Säule montiert werden. Sie schwingen sich bogenförmig um die Säule. Dazwischen ist noch der nackte Beton zu sehen.

Wir wollten nicht Material sparen. Die Säule ist ein lebendiges Projekt. Viele – möglichst alle – sollen am Frieden mitarbeiten, Hand anlegen. Friede IST nicht – er muss von uns allen gemacht werden.

Bei verschiedenen Veranstaltungen werden wir am Frieden „bauen“ und Mosaiksteinchen als Zeichen für den Ruf „Möge Friede auf Erden sein“ kleben.

Leo Pfisterer

 

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