Lars Müller-Marienburg

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Wir haben einen neuen Superintendenten!

Wir, das sind 40.000 Evangelische in Niederösterreich, die in 28 Pfarren in lebendiger Vielfalt Glaube gestalten.

Seit 1. September 2016 ist Lars Müller-Marienburg für unsere Diözese im Amt. In den vorliegenden Artikel fließen Aussagen von Müller-Marienburg vor der Superintendentialversammlung, Statements vom ORF Beitrag und seiner Predigt beim Einführungsgottesdienst vom 15.10.2016 in Wr.Neustadt ein.

Was für ein Mensch ist Lars Müller-Marienburg?

Der 1977 in  Ansbach (Mittelfranken) Geborene, mit mehreren Bezügen zu Österreich (Großmutter aus Graz, Sommerurlaube am Bodensee, Predigtseminar in Wien, Pfarrstellen in Burgenland, Linz und Innsbruck) bezeichnet sich selber als fröhlichen Menschen. Aus seiner Selbstbeschreibung heraus kann man ihn auch als neugierigen, sich immer wieder auf Neues einlassenden Menschen sehen. Ob das Aufenthalte in anderen Ländern sind oder Erfahrungen von und mit anderen Kirchen, Lars Müller-Marienburg ist neugierig auf das, was Gott vorhat.

Er ist musikalisch. Er ist ambitioniert und ehrgeizig, wenn es um Chorgesang geht und ist ein fröhlicher Dilettant an Klavier, Orgel, Akkordeon und Ukulele.

Und er ist sportlich. Sich auspowern ist für ihn Ausgleich sowie im Urlaub auch mal mit sich allein sein – in den Alpen oder irgendwo an einem griechischen Strand.

Lars Müller-Marienburg ist Österreichs erster offen schwuler Superintendent. Als er sich für das Amt bewarb und sich der Gemeinde vorstellte, sprach er offen über seine sexuelle Orientierung. Im ORF-Interview sagte Müller-Marienburg: „Ich habe zu den Leuten gesagt, sie müssen das nicht toll finden mit dem Schwulsein. Sie müssen mir nur meinen Glauben glauben. Sie müssen mir glauben, dass ich mit Gott unterwegs bin und dass ich auch eine Sehnsucht nach Gott habe und es gut meine mit der Kirche.“

Wie versteht der neue Superintendent sein Amt?

„Ich möchte das gute Miteinander in Niederösterreich pflegen. Ich möchte, dass wir einander ernst nehmen und voneinander lernen, damit die Evangelische Kirche in Niederösterreich als fromme und freie Kirche sichtbar wird“. In der Predigt zu seiner Einführung betonte er, dass Superintendent kein Titel, sondern Ruf für ihn sei. Als Superintendent sehe er seine Aufgabe darin, auf die Kirche zu schauen, damit sie ihrem Auftrag nachkomme, Kirche zu sein.

Aus Sicht Müller-Marienburgs geschehe Kirchenleitung durch Kommunikation und in demokratisch gewählten Gremien. Als Superintendent möchte er den Ton und die Grundhaltung der Kirche beeinflussen, er verstehe sich aber als eine gleichberechtigte Stimme unter mehreren Stimmen. Genauso wie sein Vorgänger will Müller-Marienburg aber nicht nur innerkirchlich wirken, sondern auch die Kontakte zum öffentlichen Leben pflegen.

In seiner Bewerbungsrede vor der Superintendentialversammlung legte er sein Amtsverständnis an Hand von vier Begriffen dar, die niederösterreichischer nicht sein könnten: Wein, Industrie, Wald und Most.

Wein als Zeichen der Freude: Die Gesellschaft soll von unserer Kirche wissen, dass sie ein Ort der Freude ist. Als Superintendent will er seine Freude zeigen, als einer, der gerne jetzt und da lebt und fröhlich ist mit Gott.

Industrie: lat. Fleiß; auch er will mit Fleiß denken und arbeiten; er will darum ringen, die biblische Botschaft von Gottes Liebe in die heutige Zeit zu übersetzen.

Wald: Wald steht für Vielfalt. Der Wald der evangelischen Kirche in Niederösterreich besteht nicht nur aus Laub- und Nadelbäumen, sondern es gibt auch Farne und Gräser. Gottes Vorname ist Liebe, sein Nachname ist Freiheit. Es ist unabdingbar, sagt er, dass wir uns gegenseitig unseren Glauben zutrauen, unsere Liebe und Hoffnung. Es ist unabdingbar, neugierig zu sein, wer wir sind und was wir zu sagen haben über den gemeinsamen Boden, auf dem wir stehen.

Most: Dem Äppelwoi (Frankfurter Version von Apfelmost) wird nachgesagt, dass das erste Viertel unerträglich sei. Aber nach 2 Vierteln ist Äppelwoi super und schmeckt ein Leben lang. Most steht daher für Gewöhnung. Als evangelische Kirche sollten wir uns schnell daran gewöhnen, als Teil der religiösen Vielfalt eine Rolle zu spielen, damit wir eine Rolle spielen. Und er hofft, dass der Most „Lars“ nach 2 oder mehr Vierteln schmeckt.

Ein Jahr lang war das Amt des Superintendenten vakant. Ein Jahr lang haben Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour und der Superintendentialausschuss die Geschicke der Diözese geleitet. „Wir sind unheimlich glücklich, Lars Müller-Marienburg als neuen Superintendenten der Diözese Niederösterreich begrüßen zu dürfen“, sagt Gisela Malekpour. Dem können wir uns nur anschließen. Dem neuen Superintendenten sowie der ganzen Diözese möge die Freude am Glauben den Weg zur gelebten Vielfalt und zum gedeihlichen Miteinander weisen.

Irmi Lenius

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