Gottesdienst im Grünen

Quelle des Lebens

Das war das Thema des Gottesdienstes, den wir als Diasporagemeinde heuer wieder einmal in Kalladorf feierten. Genaugenommen zwischen Kalladorf und Alberndorf. Diesen speziellen Ort bei der Hubertuskapelle erreichen wir auch nur alle gemeinsam querfeldein durch Felder und Weingärten, hinauf und hinunter geht es im Konvoi. Kaum jemand kann sich die unzähligen Abzweigungen merken.

Umso schöner der Platz, von dem aus man über das Pulkautal schaut. Die Bänke sind schon gerichtet, und was sonst noch fehlt, wird rasch herbeigeschafft.

Und wenn der Chor dann das erste Lied – „Ein Gott mit vielen Namen“-  gesungen und die Gemeinde in den bisher unbekannten Refrain kräftig eingestimmt hat, dann hat der Gottesdienst auch schon begonnen.

Das Thema Quelle wird uns mit einem vollen Wasserkrug vor Augen geführt. Aber auch die Austrocknung, die jede/jeder von uns kennt, wird in einem Krug voll Sand bildhaft. Austrocknung, Behinderung, Gottesferne, Leere, Krankheit, Einsamkeit – so vielfältig kann menschliches Leid sein.

Dahinein hören wir das Evangelium Johannes 5,1-9:
Bald darauf war ein jüdisches Fest und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Am Schaftor in Jerusalem befindet sich ein Teich mit fünf offenen Hallen. Auf Hebräisch wird er Bethesda genannt. Eine große Anzahl von Kranken lag ständig in den Hallen: Blinde, Gelähmte und Menschen mit erstorbenen Gliedern. Unter ihnen war auch ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war. Jesus sah ihn dort liegen. Er erkannte, dass der Mann schon lange unter seiner Krankheit litt, und fragte ihn: »Willst du gesund werden?«
Der Kranke antwortete: »Herr, ich habe keinen, der mir in den Teich hilft, wenn das Wasser sich bewegt. Wenn ich es allein versuche, ist immer schon jemand vor mir da.«
Jesus sagte zu ihm:  »Steh auf, nimm deine Matte und geh!« Im selben Augenblick wurde der Mann gesund. Er nahm seine Matte und konnte wieder gehen.

Begegnung mit Jesus

Nichts von großer Umkehr oder Nachlass der Sünden. Nein. Allein die Begegnung des Mannes mit Jesus machte ihn heil. Was bedeutet das für uns?

Innehalten – hinhorchen – achtsam sein – denn die Begegnung mit Jesus kann eine völlig unspektakuläre sein. Eine Lesung in einem Gottesdienst, ein Augenblick des Gebetes oder eine Begegnung.

Doch für all diese Erfahrungen muss ich in meinem Trott innehalten, meine Prioritäten neu setzen, mir Zeit nehmen, um auf Gott und das Leben zu hören.

Denn Gott ist die Quelle allen Lebens. Ohne ihn sprudeln auch unsere Quellen nicht.

Er stillt unseren Lebensdurst, wenn wir ihm Raum geben, dass er uns erfüllen kann, uns aufblühen lassen kann, um mit der Zeit selber zur Quelle zu werden für andere.

Tu das Kleine, was du tun kannst

Während ich diesen Text schreibe, ist die Krise in der Türkei in vollem Gange, Nizza, München und Würzburg sind mit Anschlägen und Gewalttaten in den Medien. Da kann man sich schon fragen: Aber es gibt so viel Leid auf der Welt und Not und Elend. Was kann ich als Einzelner da schon tun?

Pfarrer Christian Brost erzählte abschließend folgende Geschichte:
Es hatte lange nicht geregnet. Die Erde war braun. Die Blüten und Blätter fielen welk von den Bäumen und Sträuchern. Statt Wasser war Sand in den Flussbetten. Nur ein kleiner Brunnen hatte noch Wasser. Er sagte: ‚Ich kann nicht viel Wasser geben, aber was ich habe, gebe ich gerne.’

Mach’s so wie der kleine Brunnen. Das Kleine, das du tun kannst, tue bald!

Der Gottesdienst im Grünen ging windig, aber regenfrei zu Ende und im Anschluss wurde beim Burgerwirt in Kalladorf getrunken, gegessen und jede Menge Gespräche geführt.

Ich möchte Sie, lieber Leserinnen und Leser einladen. Ja: einladen, um an unserem Lebensraum mitzuarbeiten. Ein Raum für Begegnung, für friedliches Miteinander und sorgendes Füreinander. Denn das Kleine, das wir als Gemeinschaft für eine offene Gesellschaft leisten können, ist wertvoll.

Irmi Lenius

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