Geistliches Wort zum Weltethos

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Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade.(1.Petrus 5,5)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst.
(Franz von Assisi)

 

„Wir schaffen das!“

Angela Merkels bemerkenswerter Satz angesichts der Flüchtlingsströme nach Europa hört sich Anfang des neuen Jahres und angesichts weiterer Zehntausender Syrienflüchtlinge, die in der Türkei darauf warten, dass sich die Tür nach Europa öffnet, ganz anders an: Schaffen wir das?

Wird es weiterhin eine Willkommenskultur geben oder werden die Grenzen um Europa dicht gemacht? Längst wird der Streit auf der Straße geführt, werden Ängste in dumpfen Parolen herausgeschrien. Rechnungen werden aufgemacht, was wir uns leisten können, Überlegungen über den Nutzen der Zuwanderung angestellt und über die Verteilung der Fremden. Diese ängstlichen Abwehrreaktionen mögen verständlich sein – hilfreich sind sie nicht.

Viele Menschen in Europa haben Angst vor dem Islam. Hier sind in erster Linie die muslimischen Glaubensgemeinschaften gefragt. Es ist zu wenig, wenn nach einem Attentat oder Terrorakt jeweils betont wird, dass die Täter nichts mit dem Islam zu tun haben. Wie wichtig wäre es hier, den Lernprozess z.B. im Blick auf Toleranz und eine historisch-kritische Lesart des Koran zu kommunizieren!

Aber nicht nur die Moslems sind gefordert, sondern alle Glieder der pluralen Gesellschaft. Statt sich verunsichert auf das Eigene zurückzuziehen, besteht die Herausforderung darin, sich der gemeinsamen Werte bewusst zu werden: „Das Andere verstehen, das eigene übersetzen und so eine gemeinsame Sprache finden“ (Wolfgang Thierse).

Grundkonsens „Weltethos“

In Zeiten des Internets, einer global agierenden Politik und Wirtschaft und zunehmend multikultureller Gesellschaften brauchen wir einen Grundkonsens über Werte und Normen, der unabhängig von Kultur, Religion oder Nationalität gilt – ein Weltethos.

Der katholische Theologe Hans Küng hat bei seinen empirischen Forschungen rund um den Globus festgestellt, dass allen Weltreligionen und philosophisch-humanistischen Ansätzen grundlegende Wert- und Moralvorstellungen gemeinsam sind.

Wir als evangelische Kirchengemeinde haben darum das Thema Weltethos zum Jahresthema 2016 gemacht. Eine Ausstellung zum Thema ist bereits in unserem Gemeindesaal zu besichtigen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Gemeinde besuchen Anfang März das franziskanische Haus der Stille in der Steiermark, um sich mit der ausgezeichneten Friedensarbeit auseinanderzusetzen, die hier geleistet wird. Ferner sind wir seit Jahren an einem interreligiösen Dialog mit Juden und Moslems beteiligt und erarbeiten neben der Auseinandersetzung mit dem eigenen, christlichen Glauben in den Schulen ein Orientierungswissen über andere Kulturen und Religionen.

Über unsere Gemeindenachrichten sowie die stets aktuelle Homepage unserer Gemeinde halten wir sie auf dem Laufenden über Gottesdienste und Veranstaltungen unserer Kirchengemeinde zum Thema Weltethos und Frieden.

Bitte lassen sie sich einladen mitzudenken, mitzuarbeiten und vor allem: mit zu leben!

Das wünscht sich
Ihr Pfarrer Christian Brost

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