Predigtreihe „Liturgie“

Wir sind schon so daran gewöhnt, dass wir den Zauber und die Schönheit und den Sinn der Liturgie oft gar nicht mehr wahrnehmen.

Mit diesen Worten startete unser Pfarrer Christian Brost eine 5-teilige Predigtreihe über die Liturgie. Damit bot er uns eine hervorragende Gelegenheit, uns damit zu befassen, was wir eigentlich sagen und singen und tun, wenn wir Gottesdienst feiern.

Im Folgenden einige Ausschnitte zum Nach-Lesen und Nach-Denken aus den 5 Predigten.

 

Unser Gottesdienst

Der Gottesdienst ist ein Fest, zu dem uns Gott einlädt. Bei der Begrüßung am Anfang des Festes wird der Name des Gastgebers genannt: unser Schöpfer.

Mit unserem ersten Lied und dem Psalmgebet sprechen wir aus, was uns in unserem Leben begegnet: Freude und Leid, Hoffnung und Mutlosigkeit. Wir bitten Gott uns zu helfen, für uns da zu sein und uns dies auch spüren zu lassen.

Auch im weiteren Verlauf des Festes bleiben wir mit dem Gastgeber im Gespräch: Wir hören die Lesung und antworten mit dem Bekenntnis unseres Glaubens. Auf die Predigt antworten wir mit einem Lied, unserem Gebet und dem Dankopfer, der Kollekte.

Nicht in jedem Gottesdienst, aber immer wieder sind wir dann zum Festmahl eingeladen. Jesus Christus nimmt Brot und Wein in seinen Dienst, um uns seinen Leib  und sein Blut und damit seine Liebe zu schenken, die uns heilt und heiligt und in Bewegung versetzt.

In Bewegung Richtung Alltag: das Fest endet mit der Verabschiedung. Der Segen ist mehr als ein guter Wunsch. Er beinhaltet die verlässliche Zusage Gottes bei uns zu sein, wenn wir weitergeben, was wir im Gottesdienst erfahren und empfangen haben.

Eröffnung und Anrufung

Ganz unscheinbar geschieht gleich zu Beginn unseres Gottesdienstes etwas ganz Entscheidendes:

Der Herr sei mit euch.
Und mit deinem Geist.

Der Pfarrer oder Lektor grüßt die versammelte Gemeinde, und sie antwortet ihm. Grüßen ist hier mehr als Hallo sagen. Lateinisch „salutare“ heißt „einander das Heil weitergeben“. Der Gottesdienst beginnt also damit, dass wir einander segnen, einander Gott zusprechen. Gerade hier wird das Priestertum aller Gläubigen hörbar und spürbar: nicht nur der Pfarrer darf segnen.

Solche Salutationen finden sich im Laufe des Gottesdienstes noch an anderen Stellen: vor dem Abendmahl und nach dem „Christe du Lamm Gottes“. Da ruft der Liturg:

Der Friede des Herrn sei mit euch allen.

Und die Gemeinde antwortet:

Friede sei mit dir.

Daraufhin haben sich die Gläubigen einst nicht nur die Hand geschüttelt, sondern geküsst und sich beim Abendmahl gegenseitig Brot und Wein gereicht – das Heil, die Nähe und die Vergebung Gottes. Was für ein Geschenk!

Introitus

Der Introitus ist der Psalmengesang des Chores beim Einzug der Amtsträger ins Gotteshaus.

In der Ostkirche haben sie etwas dabei, wenn sie feierlich einziehen: das Evangeliar und Brot und Wein fürs Abendmahl. Das heißt: Gott kommt. Er zieht am Anfang des Gottesdienstes ein.

Wir, die Gemeinde, versammeln uns vor Gottes Angesicht. Deswegen ist es so wichtig rechtzeitig da zu sein: um anzukommen, die anderen begrüßen zu können, aber auch um Zeit zu haben, sich auf Gottes Nähe einzustellen.

Psalm

Psalmen sind sehr lebensnah. In ihnen werden alltägliche Erfahrungen ausgedrückt, Freude und Leid, Liebe und Hass, Freundschaft und Feindschaft.

Gloria patri

Unser Zugehen auf Gott mündet in das gesungene Lob Gottes am Ende des Psalmengebets:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Als Ebenbilder Gottes bekennen wir unsere Zugehörigkeit zu ihm und stimmen ein in den Lobpreis des Himmels, der Schöpfung, unserer Verstorbenen.

Bußgebet

Der Mensch wird sich angesichts Gottes seiner Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit bewusst und bittet Gott um sein Erbarmen.

Heute wollen wir aber nicht zuallererst an unser Sündersein erinnert, klein gemacht werden. Darum ein Rüstgebet als Bußgebet: Stille, Besinnung, Gespräch mit Gott, Hinwendung zum barmherzigen Gott.

Herr, erbarme dich

„Kyrie eleison“ – ein Huldigungsruf an einen Herrscher; kein Sündenbekenntnis, sondern ein Gebetsruf aus der Tiefe der menschlichen Not und Sehnsucht. Der Bittruf „Erbarme dich“ enthüllt uneingeschränktes Vertrauen auf den, dessen Macht keine Grenzen hat.

Gnadenzusage

Gott hat sich unser erbarmt – Gott sei Dank!

Gloria in excelsis

Dieser Hymnus anglicus beginnt mit den Worten der Weihnachtsgeschichte des Lukas 2,14:

Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried.

Kyrie und Gloria: Beides sind Gesänge der Anbetung, mit denen der Mensch als Sünder und zugleich als Gerechtfertigter vor Gott steht.

Gebet des Tages

Dieses spezielle Gebet nimmt das Anliegen des Sonntags auf. Kurz. Ein Stoßgebet. Als Abschluss des Eröffnungs- und Anrufungsteils führt es zu der Lesung für den Sonntag hin.

 

Verkündigung und Bekenntnis

Die Lesung(en)

Zur Lesung stehen wir auf. Jetzt kommt etwas Besonderes. Stehend hört es sich anders als sitzend.

Das Evangelium. Die Worte kehren im jährlichen Wechsel wieder. Eine Geschichte, ein Bild; ich erinnere mich an Erlebnisse, die ich mit diesem Text verbinde, vielleicht auch Predigtgedanken, die ich nicht vergessen habe, weil sie mir wichtig waren.

So ein Bibeltext: scheinbar eine langweilige Geschichte aus längst vergangener Zeit. Aber in diesen Geschichten stecken echte Erlebnisse von echten Menschen mit einem echten Gott. Da wird erzählt, wie sich ein ganzes Volk in Bewegung setzt und aus Ägypten flieht und von Gott ein neues Zuhause gezeigt bekommen. Da machen sich Fischer und Händler und Handwerker gemeinsam auf den Weg, weil einer sie neugierig gemacht hat auf Gott. Sie feiern und haben Spaß. Sie geraten in Seenot und schreien vor Angst. Gestandene Männer weinen. Menschen hören Jesus predigen, sehen ihn Kranke heilen und Dämonen austreiben, staunen, wie er den Schriftgelehrten die Stirn bietet und sich nicht von seinem Weg abbringen lässt. Mit der Zeit verlieren sie ihre Angst vor Gott und vor dem Leben und verstehen am Ende, wie unser Leben gemeint ist und dass es nicht mit dem Tod endet.

Diese Erlebnisse mit Gott, die Erfahrungen mit Jesus wurden von denen, die dabei waren, natürlich weitererzählt. Mit Erklärungen, wie man die Dinge verstehen soll, mit Kommentaren und der Werbung, dass es sich lohnt diesem Jesus zu vertrauen.

Die Predigt

Eine Predigt ist kein Vortrag, kein Referat über Vergangenes, keine Geschichtsstunde. Eine Predigt ist eine Liebeserklärung an Gott.

Gehalten von Menschen, die Gottes Kraft in ihrem Leben spüren und die die Geschichten von Gott erzählen im Vertrauen darauf, dass Gott selber anfängt, zu den Herzen der Zuhörer zu sprechen. In einer Predigt werden aber auch neue Geschichten von Gott erzählt, die wir in unserem Leben, hier und heute mit Gott erlebt haben und erleben.

In einer Predigt werden manchmal Dinge gesagt, die sich niemand selber sagen kann: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

In einer Predigt geht es darum, dass wir Mut bekommen, Gott in unserem Leben zu vertrauen -wie einem guten Freund. Eine gute Predigt erinnert uns an das, was uns Gott längst geschenkt hat, z.B. in der Taufe: Ich hab dich lieb, du bist mir wertvoll…

Gott erweckt eine biblische Geschichte in unseren Herzen zu Leben. Er sorgt durch seinen Heiligen Geist dafür, dass wir aus dem Gottesdienst das mit nach Hause nehmen, was uns momentan gerade herausfordert oder tröstet oder hilft.

Das Glaubensbekenntnis

Darum glauben wir an ihn, darum vertrauen wir ihm – und zeigen das auch, indem wir in den Gottesdienst gehen – und zu anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde. Und wir zeigen unseren Glauben auch im Alltag durch die Art, wie wir leben.

Sendung und Segen

Dankgebet/Fürbitten

Gott will, dass wir beten, dass wir uns beteiligen an dem, was sich zwischen ihm und seiner Welt mit ihren Ereignissen, Entwicklungen und Schicksalen abspielt.

Fürbitte ist Arbeit der Herzen. Vielleicht eine Arbeit, die nicht sofort sichtbare und zählbare Ergebnisse hervorbringt, dafür oft viel nachhaltigere.

Fürbitten sind auch Ausdruck des Priestertums aller Gläubigen: Wir sind Menschen, die sich bei Gott für andere einsetzen. Die Gemeinde betet für die Menschen, die selbst nicht beten können, oder unterstützt ihr Gebet.

Abkündigungen 

Solche Mitteilungen sind ein selbstverständlicher Bestandteil der Gottesdienste in den ersten Jahrhunderten gewesen. In ihnen wurden damals schon der Gemeinde wichtige Ereignisse aus dem kirchlichen Leben mitgeteilt.

Die Abkündigungen holen uns aus der jenseitigen in die diesseitige Welt. Da geht es um das Miteinander, um Freud und Leid konkreter Menschen und um materielle Hilfe für die Bedürftigen.

Dankopfer 

Zur Zeit der frühen Christenheit brachten die Gläubigen zu den Gottesdiensten Naturalien, Brot und Wein fürs Abendmahl, Wasser, Kerzen, Weihrauch mit – und auch Geld. Dies alles wurde für den Gottesdienst und das Abendmahl sowie für die Armenfürsorge und zum Lebensunterhalt der Gemeindeleiter verwendet.

„Gutes tun und mit anderen teilen vergesst nicht“, heißt es im Hebräerbrief Kapitel 13. Auch das ist wieder ein Ausdruck des Priestertums aller Gläubigen.

Segen

Es ist etwas sehr schönes, dass wir Christen gesegnete Menschen sind und andere segnen. Der Segen geht von Gott aus. Wo Gott nicht segnet, da hilft keine Arbeit. Wo er nicht behütet, da hilft keine Sorge. Das wusste Jesus. Darum hat er die Menschen, die ihm begegneten, gesegnet.

Mit dem Segen Gottes sind wir den Herausforderungen, vor die das Leben uns stellt, gewachsen. Segen ist ein Geschehen, das nahe mit dem verwandt ist, was wir Gnade nennen.

Das Wort „segnen“ heißt im Hebräischen zugleich „danken“. Von Gott geht Gutes aus und erreicht uns als sein „Segen“. Wir danken es ihm, indem wir dieses Gute weitergeben und mit anderen teilen.

Gehet hin in Frieden.
Dank sei Gott, dem Herrn!

So, wie der Gottesdienst geordnet begann, wird er auch sorgfältig beschlossen.

Jetzt heißt es: „Geht hinaus!“, nachdem ihr Kraft geschöpft habt, und teilt aus, was Gott euch geschenkt hat.

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