Geistliches Wort

gw2016-01(Foto: Georgi Licovski (EPA/Flickr)

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13)

Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll. (Johann Wolfgang von Goethe)

Wenn wir die Schwelle zum neuen Jahr 2016 überschreiten, dann verbinden sich damit sehr unterschiedliche Gefühle, liebe Gemeinde!

Bei vielen wirken die Bilder und Erlebnisse des alten Jahres nach: erschöpfte und entkräftete Menschen in seeuntauglichen Gefährten, Flüchtlingsströme hinter Grenzzäunen, ratlose PolitikerInnen angesichts einer sich verändernden Welt. Die Zeit, als wir auf einer Insel der Seligen lebten, ist scheinbar vorbei. Wird es uns gelingen, den Herausforderungen mutig, mit Liebe und Einfallsreichtum zu begegnen, oder hat uns die Angst vor dem Fremden und den Fremden im Griff?

Aber nicht nur die Weltlage beschäftigt uns auf der Schwelle zum neuen Jahr. Manche von uns verabschieden sich dankbar und etwas wehmütig vom alten Jahr, weil sie Gutes und Mut Machendes erlebt haben und fürchten, so wird es 2016 nicht weitergehen. Andere wissen ganz genau, was sie sich vom neuen Jahr erwarten; für sie kann es nur besser werden!

In diese – oder ganz andere – Empfindungen zum Jahreswechsel hinein hören wir die Zusage Gottes:

Ich will dein Trost sein! Du bist mir ans Herz gewachsen. Du kannst auf mich zählen. Ich verlasse dich nicht. Ich bleibe dir treu wie eine Mutter ihrem Kind.
Große und tröstliche Worte. Doch woher wissen wir dass das stimmt?

Können wir wirklich darauf vertrauen? Gibt es Gott? Spricht nicht der Zustand unserer Welt gegen diese Hoffnung?

In den Worten des Propheten Jesaja klingen die Erfahrungen des Volkes Israel mit. Und das waren keine leichten: Dieses kleine Volk hat im Lauf seiner Geschichte immer wieder das Gefühl der Heimatlosigkeit, der Fremde und der Verlorenheit auskosten müssen. Aber es hat auch immer wieder erlebt, dass Gott in dunkler Zeit besonders nahe war und Menschen aufstehen ließ, die Verantwortung übernahmen und dabei halfen, Angst und Schrecken zu vertreiben und neue Perspektiven zu gewinnen.

Für uns Christen ist Jesus Christus so ein Mensch, der Gottes Nähe verkörpert. Er hat zeitlebens diesen Trost, dieses Erbarmen, von dem Jesaja spricht, ausgeteilt. Durch ihn hat sich Gott zu uns in Beziehung gesetzt, ist eine unverbrüchliche Verbindung mit uns eingegangen.

Menschen, die Jesus begegnet sind, haben die Erfahrung gemacht, dass Leid sich wenden kann, weil einer da ist, der weiter sieht, der unser Leben vom Ende her sieht – von der Vollendung, die auf uns wartet.

Nein, das ist kein billiger Trost, denn Jesus hat alle menschlichen Ängste und Tiefen durchlitten und uns dabei gezeigt, wie Gottes Liebe und Erbarmen uns verlässlich umgeben und ins Leben münden – in ein sinnerfülltes Leben hier auf Erden und schließlich auch bei und mit Gott in Ewigkeit. Jesus hat uns beigebracht, dass Menschen, die Gott vertrauen, ihr Herz am rechten Fleck haben und sich ein Herz fassen, um ihr Leben und ihre Hoffnung mit Anderen zu teilen.

Gebe Gott, dass wir als christliche Gemeinde auch im neuen Jahr 2016 fröhlich miteinander Gottesdienst feiern, uns von seinem Wort inspirieren lassen, Brot und Wein miteinander teilen und keine Angst davor haben, andere Menschen in unseren Lebensraum und unser Miteinander einzuladen und mit ihnen zu teilen, wovon wir selber leben!

Ein in diesem Sinne frohes und gesegnetes neues Jahr 2016 wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

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