Flüchtlinge in Stockerau gut versorgt

In der ersten Septemberwoche kamen endlich die ersten Flüchtlinge in Stockerau an. Endlich deshalb, weil die für sie von der Caritas angemieteten Wohnungen bereits ca. 7 Monate leer gestanden waren. Es handelt sich um 2 Familien aus Syrien, insgesamt 15 Personen, die vom UNHCR ausgewählt wurden und aufgrund einer von Österreich vor der UNO gemachten Zusage kommen durften. Sie wurden sofort als Flüchtlinge anerkannt.

Anerkannte Flüchtlinge genießen vollen Zugang zum Arbeitsmarkt und bekommen Mindestsicherung, sind allerdings  auf sich selbst gestellt und werden vom Staat nicht mehr betreut. Die vom UNHCR ausgewählten Familien sind besonders bedürftig, einerseits weil mehrere noch kleine Kinder vorhanden sind, andererseits weil mehrere Personen besonders dringliche medizinische Probleme haben. Sie mussten schon vor Jahren vor Kampfhandlungen in ihrer Heimat nach Jordanien fliehen, von wo sie nun zu uns gebracht wurden.

Plattform Netzwerk Integration

Die Plattform Netzwerk Integration der katholischen Pfarre, des islamischen Kulturvereins und der evangelischen Pfarrgemeinde kümmert sich mit Unterstützung der Stadtgemeinde um diese beiden Familien. Die größte Herausforderung stellt die Sprachbarriere dar, weil keiner der Flüchtlinge etwas anderes als arabisch spricht.

Äußerst vielfältige Tätigkeiten wurden seit Anfang September in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden – auch mit evangelischer Beteiligung – erledigt. Das reicht vom Zusammenbau der Möbel, Vervollständigen der Einrichtung, Besorgen einer neuen Waschmaschine oder Reparatur eines Rollladens über Begleitung bei Schuleinschreibung, Elternforen, Eröffnen von Bankkonten, zahlreichen Arztbesuchen, AMS, Organisation von Deutschkursen, Umschreiben von falsch geschriebenen Dokumenten und Besorgen einer SOMA-Karte bis zur wöchentlichen Übersetzung von Mitteilungsheften oder der Bezahlung eines Schulschikurses samt Besorgen der Winterkleidung. Es ist sehr schön zu erleben, wie viele Menschen ganz unterschiedlicher Konfessionen und Religionen sowie ganz unterschiedlicher Institutionen wie z.B. Schulen, Volksbildungsverein, Sportvereine, Caritas usw. zusammenarbeiten und jeder nach Kräften dazu beiträgt, eine Versorgung und gelungene Integration für die Schutzsuchenden zu ermöglichen.

Gleichzeitig leistet unsere Plattform auch einen Beitrag zur Koordination der Flüchtlingshilfe in Stockerau. Insgesamt befinden sich derzeit ca. 40 Schutzsuchende in Stockerau, wobei die Zahl langsam aber stetig steigt. Das Haupthindernis bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Stockerau ist immer noch der mangelnde Wohnraum. Kontakt diesbezüglich: http://www.diakonie.at wohnraum@diakonie.at oder wohnberatung.noe@diakonie.at.

Ein ins Auge gefasstes Containerprojekt des Landes und des Samariterbundes ist offenbar immer noch in Schwebe.

Gleichzeitig gibt es aber etwa 100 Personen und Vereine, die sich auf die eine oder andere Art und Weise gerne als ehrenamtliche Helfer in die Flüchtlingshilfe einbringen würden oder schon einbringen. Diese überwältigende Welle der Hilfsbereitschaft, die auch am 14. September beim Info-Abend von „Flüchtlinge Willkommen“ im Tratelier deutlich wurde, gilt es zu koordinieren. Sobald Helfer gebraucht werden, greifen wir gezielt auf Personen zurück, die sich gemeldet haben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf das Projekt von Charlotte Riedl (eMail: riedl@wuerfel.at, Telefon: 0664/4040943) hinweisen, die Sachspenden entgegennimmt, sortiert und mit ihrem Team an durchreisende Flüchtlinge in ganz Ostösterreich abgibt.

Besonderes Augenmerk gilt unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. In Stockerau hat Anfang Oktober ein Georg-Danzer-Haus eröffnet, wo 12 afghanische Jugendliche betreut werden. Die Caritas plant noch heuer, das von der Stadtgemeinde zur Verfügung gestellte und derzeit im Umbau befindliche „Rauch-Heim“ direkt neben dem Stadion „Alte Au“ zur Unterbringung von weiteren ca. 10 Jugendlichen in Betrieb zu nehmen. Unsere Plattform Netzwerk Integration hat inzwischen den Verein „Vor allem Mensch Punkt!“ gegründet, der sich ebenfalls der Flüchtlingsbetreuung verschrieben hat. Im vom Verein angemieteten Haus Manhartstraße 39 werden noch heuer zwischen 10 und 20 Jugendliche ein Zuhause finden. Ziel ist nicht nur die Betreuung, sondern die Integration der Jugendlichen in unsere europäische Wertegesellschaft.

Wenn Sie Informationen brauchen oder im einen oder anderen Bereich Hilfestellung geben können, melden Sie sich bitte weiterhin an der E-Mail-Adresse integration@stockerau.gv.at oder bei unserer Pfarrgemeinde. Wenn sie gezielt für Flüchtlingsarbeit in Stockerau spenden wollen, bitten wir Sie um Ihre Spende auf das Konto des Netzwerk Integration (IBAN AT64 3284 2000 0017 6305). Vor allem aber bitten wir Sie, denken und reden Sie gut über Menschen, die auf der Flucht vor Gewalt und Terror oft sehr gute gesellschaftliche Positionen aufgeben mussten und äußern Sie Ihre Meinung in Ihrem Umfeld auch in diese Richtung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Gert Lauermann

Dieser Beitrag wurde unter Diakonie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.