Jan Hus

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Am 6. Juli jährte sich der Todestag des böhmischen Reformators Jan Hus zum sechshundertsten Mal. An den Feierlichkeiten zum Gedenken an den Märtyrertod dieses Wegbereiters der Reformation nahm auch unser Bischof Dr. Michael Bünker teil.

Jan Hus war ein Märtyrer der Wahrheit. Vor allem im Verständnis von Kirche und  Gesellschaft hat er vieles vorweggenommen, was 100 Jahre später Martin Luther und andere gefordert haben: Gottesdienst in der Landessprache, Abendmahl in beiderlei Gestalt, Beteiligung der Laien an der Kirchenleitung, Bildung durch Übersetzung der Bibel und vieles mehr, erklärte Bischof Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst.

Leben …

1370 wurde Jan Hus im böhmischen Husinec (daher sein Name) geboren. Aus einfachen Verhältnissen stammend, studierte der kluge junge Mann zunächst Sprachwissenschaften und dann Theologie. Dabei stieß der Tscheche Hus auf den Engländer Wycliff und dessen kirchenkritische Gedanken. Beide auf den Namen Johannes getauft, wurden sie später in Anspielung auf Johannes den Täufer als Vorläufer Luthers gepriesen oder verflucht.

1400 zum Priester geweiht, wurde Hus wenig später zum Prediger an der Bethlehemskapelle in Prag berufen. Mit seinen mitreißenden Predigten in der Muttersprache der tschechischen Bevölkerung Prags erreichte er bis zu 3000 Hörer. Er kritisierte den weltlichen Besitz der Kirche. Seiner Ansicht nach dürfte sich der Papst nur dann Stellvertreter Christi nennen, wenn er wie ein wahrer Gläubiger in Armut und Demut leben würde. Hus trat ferner für die Freiheit des Gewissens ein, das sich allein an den Gott der Bibel gebunden weiß.

… und Sterben

Bald schon traf den mutigen Böhmen der päpstliche Bannstrahl. Auf einem Konzil in Konstanz sollte er sich für seine Lehren verantworten. Trotz eines Geleitbriefs des Königs wurde er gefangen genommen und nach siebenmonatiger Haft als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seinen schon  über 30 Jahre toten Mentor John Wicliff schlossen die  Konzilsväter posthum (!) aus der Kirche aus.

Eine Weissagung

Über 100 Jahre später bezog mit Dr. Martin Luther eine Weissagung von Hus kurz vor dessen Tod auf sich: Sanct Johannes Hus hat von mir geweissagt, da er aus dem gefengnis nach behemerland schreib, Sie werden jtzt eine gans braten (denn Hus heisst eine gans). Aber über hundert jaren werden sie einen schwanen singen hören, den sollen sie leiden, da solls auch bey bleiben, ob Gott will. (Der heilige Johannes Hus hat über mich (in einem Brief), den er aus dem Gefängnis an Böhmen richtete, vorausgesagt: Jetzt werden sie eine Gans braten – denn „Hus“ bedeutet „Gans“. Aber in 100 Jahren werden sie einen Schwan singen hören; den sollen sie verehren, und dabei soll es auch bleiben, so Gott es will.)

Pfr. Christian Brost

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