Indem wir helfen, beschenken wir uns

Gruppe junger Leute zeigt Zusammenhalt
(Foto: http://www.arche-nova.org)

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs gab es in Österreich über  1 ½ Millionen Flüchtlinge – bei damals etwa 6 Millionen Einwohnern. Diese kamen aus verschiedenen Ländern, insbesondere aus Jugoslawien und der Tschechoslowakei. Dazu kamen noch tausende sog. „Volksdeutsche“, die – aus ihrer Heimat vertrieben – nach Österreich flohen. Die österreichische Regierung handelte 1954 deutlich unbürokratischer als heute: Wer eine Loyalitätserklärung zum Staat Österreich abgab, erhielt die österreichische Staatsbürgerschaft. So konnten ein Großteil der etwa 170.000 Volksdeutschen eingebürgert werden.

Im Sommer 1956 beendeten russische Truppen den Aufstand der ungarischen Arbeiter. Danach flüchteten 180.000 Menschen über die – geöffnete – burgenländische Grenze nach Österreich. Die Flüchtlinge wurden in Durchgangslagern (wie z.B. Traiskirchen), aber auch in Hotels oder Privatquartieren untergebracht. 10% der ungarischen Flüchtlinge blieben in Österreich und erhielten die Staatsbürgerschaft.

1968 marschierten Truppen des Warschauer Pakts in die damalige Tschechoslowakei ein und beendeten den „Prager Frühling“. Etwa 12.000 der 160.000 Menschen, die nach Österreich flohen, blieben hier.

1991 flüchteten 90.000 Menschen aus dem Kosovo-Krieg nach Österreich, von denen 60.000 blieben.

Und heute?

Gemessen an einem von Eurostat erfassten Wohlstandsindikator rangiert Österreich derzeit an dritter Stelle innerhalb der EU (hinter Luxemburg und Deutschland). Noch nie war Österreich so reich, wenn es mit Flüchtlingsströmen konfrontiert war. Man möchte meinen, dass wir besser als je zuvor gerüstet sind, um Menschen zu helfen, die unter vielfach lebensgefährlichen Bedingungen aus bedrohlichen Lebenssituationen zu uns geflohen sind.

Das Motto der trostlosen bis beschämenden Flüchtlingspolitik aber scheint zu lauten: „Es muss was geschehen, aber da kann man halt nichts machen.“ Kann man da wirklich nichts machen?

Doch, man kann. Wir können.

  • Versuchen wir, unserem Nächsten (und uns selbst) die Angst vor Fremdem und Fremden zu nehmen. Versuchen wir, Fremdes als Bereicherung und nicht als Bedrohung zu sehen. Gerade die österreichische Geschichte bietet mehr als genügend Beispiele für diese Art von Bereicherung.
  • Nehmen wir christliche Nächstenliebe ernst und artikulieren wir sie (auch uns selbst gegenüber). Artikulieren wir unsere christliche Haltung klar und unmißverständlich, wenn von den „Ausländern, die ja nur unser Steuergeld verprassen und sowieso alle kriminell sind“, die Rede ist. Lassen wir diese erwiesenermaßen falschen Vorurteile nicht unwidersprochen!
  • Tun wir, was wir tun können – es muss nicht mehr, soll aber auch nicht weniger sein als das. Auch wenn es nicht immer leicht gemacht wird zu helfen: Wir können helfen, von Spenden über persönliche Unterstützung bis hin zur Verfügungstellung von Wohnraum.

Wie helfen?

Folgen Sie dem Aufruf unseres Kurators zur Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe in Stockerau. Oder wenden Sie sich zum Beispiel an die Caritas oder an SOS Mitmensch, wo detailliert aufgelistet ist, wie persönliche Hilfe ausschauen kann, welche Hilfe insbesondere benötigt wird usw. Eine gute Übersicht bietet etwa die Webseite von SOS Mitmensch.

Wir können also helfen. Und indem wir helfen, beschenken wir uns selbst. Soviel ist sicher.

Andreas Andel

 

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