Buchtipp: EMPÖRT EUCH! von Stéphane Hessel

Buchtipp_Empört Euch

Ich wünsche euch allen einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wird man aktiv, stark und engagiert.

Stéphane Hessel ist einer der großen Denker unserer Zeit gewesen. Er gehörte der französischen Résistance an, war ein Überlebender des KZ Buchenwald, Lyriker, Diplomat und war an der Erstellung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN beteiligt. Als er 2010 dieses kurze Büchlein schrieb, war er 93 Jahre alt. Er verzichtete auf sein Honorar, obwohl das Buch in zahlreichen Ländern ein Bestseller war.

Mit dem hier vorgestellten Werk ruft er zum Widerstand gegen die größten Menschheitsprobleme auf: die Schere zwischen Arm und Reich einerseits, die Menschrechte und den Zustand der Erde andererseits.

Er findet klare Worte und beschreibt den modernen Tanz um das Goldene Kalb – Geld und Konkurrenz. Messerscharf analysiert er die Gefährdung von Demokratie und Frieden durch die internationale Diktatur der Finanzmärkte.

Aber sein Bild der Welt ist nicht düster. Er ruft zur hoffnungsvollen Gewaltlosigkeit auf. Gewalt und Hoffnung vertragen sich nicht. Terrorismus enttarnt er als Erscheinungsform von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Er spricht seine Leser direkt an und fordert sie auf, sich zu empören. Was einen empört, was einen innerlich bewegt, dafür setzt man sich ein. Wer sucht, findet worüber er sich empören kann, wofür er sich engagieren kann.

Stéphane Hessel orientiert sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) als Maßstab für ethisches Handeln. Die Verletzung der universellen Menschenrechte empört. Für Stéphane Hessel sind die Menschenrechte, so wie 1948 erklärt, heilig.

Hessel folgert:

Wir rufen auf zu einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle.

Heute berufen sich die Protestbewegung in Spanien gegen die Folgen der Finanzkrise, die entsprechenden griechischen, französischen und portugiesischen sozialen Protestbewegungen sowie die Occupy-Bewegung teilweise auf Stéphane Hessel.

Auch mich berührte und beeindruckten die 14 Seiten dieses Werkes, dieses Aufschreis der Hoffnung. Als Christ empört es mich, wenn Menschen unwürdig behandelt werden. Wenn Gewalt gegen Menschen geübt wird – es empört mich um Jesu willen, der mit und in diesen Menschen leidet. Ich bin empört darüber, wie die Liebe Gottes ignoriert wird.

Ein jedenfalls sehr lohnenswertes Büchlein, in 15 Minuten ausgelesen, aber voll mit gescheiten Gedanken und herausfordernden Anregungen: – Was empört Sie? Und was ist Ihr Maßstab für „Empörung“? Und wie engagieren Sie sich?

Kurator Gert Lauermann

Ullstein, Berlin 2011,
ISBN 978-3-550-08883-4

 

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