Vom Frieden

Verherrlicht ist Gott in der Höhe,
und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.
(Lukas 2,14)

Wer den Frieden sucht,
darf den Sieg nicht lieben.
(Br. Immanuel Jacobs)

Bethlehem_BW_4

Frieden suchen und finden

Ich erinnere mich gut: Um die Jahrtausendwende wurden prophetische Stimmen laut, die ein Jahrhundert des Terrors ankündigten. Und in der Tat: Die Krisenherde unserer Welt bezeugen die schreckliche Gefangenschaft in den Strukturen der Gewalt, der Angst, der Gier und der Rechthaberei.

Wo sind die Menschen, die Frieden gefunden haben – mit sich selber, mit dem Nächsten und mit Gott? Die Menschen, die nicht im Namen Gottes dem Anderen den Schädel einschlagen, sondern Zuflucht nehmen zu dem inneren Friedensort, den Gott in der Tiefe jedes Menschen bewohnt?

Ich denke an den palästinensischen Familienvater, den ich auf einer Auslandskonferenz unserer Diözese in Israel kennen gelernt habe. Er kämpft vor dem Militärgericht um das Land seiner Familie, das ihm israelische Behörden wegnehmen möchten. Im Gespräch bezeugt er: „Ich weigere mich, Opfer zu sein und die jüdischen Nachbarn als Feinde zu sehen; ich hasse niemanden, sondern vertraue darauf, dass die Gerechtigkeit sich durchsetzen wird.“

Oder die junge Jüdin mit der ich im Flugzeug ins Gespräch komme und die mir erzählt, wie sie sich auf dem Weg zum Kindergarten schützend über ihre Kinder geworfen hat, als die Sirenen losgingen, die einen Raketenangriff signalisieren. Ihr Mann, ein engagierter Arzt, hat während des Kriegssommers bis zur Erschöpfung Palästinenser behandelt, die während der Kriegshand-lungen im Gazastreifen verletzt worden waren.

Von der Friedenskraft

Es gibt sie, die Friedenskraft, die in uns wohnt und wächst, wenn wir es zulassen, wenn wir uns weigern, im Anderen den Feind zu sehen und ihn entsprechend zu behandeln.

In Bethlehem stand ich in der Geburtsgrotte vor dem silbernen Stern, der in den Marmorboden eingelassen ist und an die Geburt Jesu Christi erinnert, der uns ein sympathisches Bild von Gott gezeichnet hat. Er hat seinen Jüngern beigebracht, dass sie mit ihren Schattenseiten angenommen sind und ihre dunklen Seiten nicht verdrängen müssen, sondern sie im Licht der Versöhnung erhellen lassen dürfen.

Als Christen wissen wir, dass wir andere Menschen und damit auch die Welt nicht einfach so ändern können. Aber wir können uns auf eine innere Friedensreise machen und den Himmel in uns entdecken, der uns mit allen und mit allem verbindet.

Wir können den Worten Jesu trauen und uns Gott anvertrauen, der uns liebt und will, dass wir Frieden finden. Denn Gott braucht uns Menschen, um mit uns eine friedvolle, solidarische Welt zu schaffen.

Übrigens – der oben erwähnte silberne Stern in der Geburtskirche wurde von Sultan Abdul Medschid I. gestiftet, nachdem der Originalstern gestohlen worden war!

Einen friedvollen Advent wünscht Ihnen Ihr

Pfarrer Christian Brost

Dieser Beitrag wurde unter Geistliches Wort veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.