Malta, eine Reise zur Insel zwischen Europa und Afrika

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Vom Fischerdorf zum Kulttempel

Am 8. Oktober reisten wir aus dem frühherbstlichen Österreich in das noch sommerliche Malta, wo uns bereits am Flughafen unsere sympathische und äußerst kompetente Reiseleiterin Martina empfing und uns in den Südosten Maltas, in das hübsche Fischerdorf Marsaxlokk begleitete. Der Hafen mit den bunten Luzzu Booten und der Doppelturmkirche lädt ein zum Schlendern durch die zahlreichen Marktstände, sehr begehrte Handarbeiten sind die wunderschönen und phantasiereichen Spitzen. Danach besuchten wir die aus der Megalithkultur stammenden Kulttempel Hagar Qim und Mnajdra mit ihren beeindruckenden dicken Mauern, geheimen Nischen und Ausbuchtungen. Möglicherweise fanden in diesen Tempeln Heilungsriten sowie Orakelverkündigungen statt. Ähnliche Tempelanlagen findet man in ganz Malta und Gozo (wie auch z.B.der Tarxien-Tempel in Valetta).

Während der zahlreichen, aber kurzen Busfahrten zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten erfuhren wir von Martina weitere Einzelheiten über die Insel.

Die Republik Malta liegt mitten im Mittelmeer. Der malerische Archipel besteht aus drei Inseln: Malta, Gozo und Comino und aus einigen unbewohnten Inselchen, Cominotto, Fifla und den St. Paul`s Islands. Schon im Altertum stellte Malta eine Brücke zwischen Europa und Afrika dar, da die Insel 93 km von Sizilien und 288 km von der afrikanischen Küste entfernt liegt. Mit einer Bevölkerung von rund 400.000 Einwohnern und einer Fläche von 316 km2 ist Malta das europäische Land mit der höchsten Bevölkerungsdichte.

Im Laufe ihrer tausendjährigen Geschichte haben sich auf den Inseln zahlreiche Völker (Phönizier, Römer, Araber, Normannen, Spanier, Franzosen und Engländer) abgelöst, die alle ein künstlerisches und kulturelles Erbe von unermesslichem Wert hinterlassen haben, doch war es der Johanniter-Ritterorden, der aus Malta ein wahres Schatzkästchen der Kunst machte und die Insel mit wunderschönen Palästen, Kirchen, Festungsbauten und Kunstwerken ausstattete. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist arabischer Abstammung, 90% der Einwohner gehört der katholischen Religion an. Die Amtssprachen sind Maltesisch und Englisch. Maltesisch ist eine semitische Sprache mit einem wortreichen Vokabular neulateinischen und angelsächsischen Ursprungs, der arabische Einfluss über rund 300 Jahre hat besonders im grammatischen Aufbau aber auch im Wortschatz zahlreiche Zeugnisse hinterlassen.

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Auf Homers Spuren

Die Insel Gozo, die wir am nächsten Tag mit einer Fähre in ca. 15 min erreichten, ist nicht so dicht besiedelt wie Malta. Das Leben ist gelassener und ruhiger. Besichtigt wurde die Calypso Höhle, ein Labyrinth von Höhlen, das auch vom griechischen Dichter Homer in seiner „Odyssee“ erwähnt wird (wegen Einsturzgefahr blickt man jedoch nur in den Einstieg der Höhle). Von dieser Stelle aus ist der angeblich schönste Sandstrand der Insel, bekannt als „ir-Ramla l-Hamra“ (roter Sandstrand), zu sehen. In der Dwejra Bucht fuhren uns kleine Boote zur blauen Grotte sowie zu dem beeindruckenden Blauen Fenster, einer natürlichen Öffnung aus senkrechten Seitenwänden mit einer horizontalen Decke und dem Inland See. Auf dem Fungus-Felsen (von den Einheimischen der Felsen des Generals genannt) fand ein General, verantwortlich für die Ordensgaleeren, ein wirksames Heilkraut (Fungus Gaulitanus). Die Wallfahrtskirche Ta’Pinu  befindet sich im malerischen Städtchen Gharb. Die Mosaikbilder zeigen das Leben der Mutter Gottes.

Die antike Zitadelle mit ihrem mächtigen befestigten Mauergürtel beherrscht nicht nur die Stadt Vittoria, der Hauptstadt von Gozo, sondern auch die gesamte Insel Gozo. Ihre Anfänge gehen auf das Mittelalter zurück. Früher suchte das ganze Inselvolk bei Sonnenuntergang Schutz hinter diesen Mauern.

In der St.Georg-Kirche stammt das Altarbild des hl. Georg und ein weiteres Gemälde (arme Seelen im Fegefeuer) vom berühmten italienischen Künstler Mattia Preti, der auch das Deckengewölbe der Johanneskirche in Valetta gestaltete. Beim Zwischenstopp in der fjordähnlichen Buch Xlendi kam angesichts der einladenden Umgebung und der schönen Aussicht die Lust auf ein Bad im Meer auf, auch erfuhren wir, dass dort früher auf einem privaten Platz die Dominikanernonnen badeten.

Valetta

Die Hauptstadt Valetta umschließt ein alter Mauerring mit mächtigen  Bastionen, der den Stadtkern schützend umschließt und auch heute noch den Verlauf des Strassennetzes bestimmt. Er stellt das Rückgrat der Festungsanlage dar und ist zugleich Ausdruck der hervorragenden Militärbaukunst des 16. Jh. Als die mächtigen Bastionen ausgedient hatten, bemühte man sich, sie freundlicher zu gestalten und so verwandelten sich frühere Exerzierplätze in erholsame Grünanlagen, wie die Upper und Lower Barracca Garden mit ihrem herrlichen Panorama und den Ausblick auf die drei Städte Senglea, Cospicua und Vittoriosa. Die längste und repräsentativste Straße der Stadt ist die Republic Street, an ihr liegen neben der Auberge de Provence (heute archäologisches Museum) und der im Barockstil erbaute Großmeisterpalast mit lebensgroßen Portraits der Großmeister an den Wänden, Wappen sowie ein Korridor mit prächtigen Rüstungen, sehenswert auch die riesigen Wandteppiche mit Darstellungen von Fauna und Flora aus drei Kontinenten.

Bzgl. der Architektur der Häuser auf der gesamten Insel sowie Gozo fallen die geschlossenen, erkerartigen Balkone auf. Sie sind Erben der arabischen Epoche  (870-1090) und sollten die ans Haus gebundenen Frauen vor neugierigen Blicken bewahren, ihnen jedoch die Sicht auf das Straßenleben erlauben. Wer Lust hat, kann sich auch mit Pferdekutschen, den sog. Karozzin durch die malerischen Gassen führen lassen.

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Ein weiteres Highlight der Reise bietet die St. John’s Co-Cathedral. Sie diente dem Johanniterorden über 200 Jahre lang als Konventkirche. Über viele Jahre hindurch wetteiferten die Großmeister, hohe Würdenträger und Ritter des Ordens, sie mit reichen Schenkungen und Stiftungen auszustatten. Die Ritter bezeichneten die Kirche als „Hauptkirche ihres heiligen Ordens“. Erbaut wurde sie zwischen 1573 und 1578, das Deckengewölbe von Mattia Preti stellt Szenen aus dem Leben des heiligen Johannes des Täufers dar, die Wände sind mit vergoldeten Arabesken ausgeschmückt, auf dem Fußboden sieht man 400 aufwendig verzierte Marmorgrabplatten adliger Ordensmitglieder. Den Chorraum dominiert die Marmorskulptur der Taufe Christi, der Hochaltar besteht aus Lapislazuli und seltenem Marmor. Das Oratorium schmückt ein 3x5m großes Gemälde von Caravaggio, das die Enthauptung Johannes des Täufers darstellt, angeblich seine einzige signierte Arbeit.

Die „Malta Experience“, eine Multivisionsschau, die die 7000-jährige Siedlungsgeschichte Maltas lebendig werden lässt, lässt uns staunen über diese Perle der Natur, eine Insel, die aufgrund ihrer günstigen Lage als Knotenpunkt zwischen Europa und dem Orient im Laufe vieler Jahrhunderte eine wichtige Brücke geschlagen hat zwischen verschiedenen Welten, Kulturen und Traditionen.

Ein eher unauffälliger Eingang führt zu einem weiteren kulturellen Schatz u.zw. zum Hypogäum von Hal Saflieni. Die Kultstätte wurde in der Jungsteinzeit rund 10m tief in den Kalkstein gehauen und erst 1902 entdeckt. Teilweise ist sie 5.400 Jahre alt. Der kultische Grundgedanke wurzelt in der Vorstellung, dass die Lebens- und Wachstumskräfte aus der Erde kommen, verkörpert durch die „Magna Mater“. Gefunden wurde eine Votivfigur der “Schlafenden Frau“, weswegen man annimmt, dass Priesterinnen hier in Trance weissagten, später soll diese Kultstätte als Grabstätte gedient haben.

Die Evangelische Gemeinde auf Malta

Herr Pfarrer Jürgen Sixt, Vorsitzender des Kirchenvorstands der kleinen evangelisch-ökumenischen Andreas Gemeinde in Malta, gesellte sich in Rabat zu uns und berichtete über das Wirken dieser Gemeinde auf Malta. Im Turnus von jeweils 10 Monaten betreuen evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen (hauptsächlich im Ruhestand) die Gemeinde mit vielfältigen Aufgaben. Neben seelsorgerischer und sozialer Tätigkeiten wird auch der Ökumene große Bedeutung beigemessen. Standort der Gemeinde ist innerhalb der St.Andrew’s Scots Church in Valetta.

Das Gebiet um Rabat ist stark vom Christentum geprägt. Im Jahr 60 n.Chr. erlitt der Apostel Paulus, der sich in Gefangenschaft befand und nach Rom gebracht werden sollte, vor diesen Küsten Schiffbruch und soll angeblich hier 3 Monate lang in einer Grotte (der heutigen Paulusgrotte) vor den Mauern der alten Römerstadt gelebt haben. Nach seiner Errettung soll er sich an einem Feuer gewärmt haben, von einer Schlange gebissen und wie durch ein Wunder nicht verletzt worden sein. Seitdem hat man diesen Ort dem hl. Paulus gewidmet. Der Überlieferung nach benützte der Heilige die Grotte als Predigtort, um während seines dreimonatigen Aufenthaltes auf Malta eine Christengemeinschaft zu gründen. Das Domkapitel bezeichnete die Paulusgrotte als „Meilenstein der Kirche“ auf Malta. In der Grotte befindet sich eine Marmorstatue des Heiligen, daneben eine Nische , die den Apostel Lukas mit dem ersten von ihm gemalten Madonnenbild zeigt (Lukas ist Schutzpatron der Kunst- und Ikonenmaler).

Über der Paulusgrotte wurde die Kollegiatskirche St.Paul errichtet, das Altarbild stellt die Szene Paulus mit der Schlange dar.

Vor der Paulusgrotte macht uns Martina auf eine Nische mit einer Muttergottesstatue und einer Tafel darunter aufmerksam, auf der eine Inschrift vom 15.11.1921 darauf hinweist, dass durch das 10malige Beten des Ave Maria man sich 100 Jahre Ablaß erbeten kann (man höre und staune).

Ein Maria-Wallfahrtsort

Mosta ist in etwa der geographische Mittelpunkt der Insel Malta, und in der Vergangenheit lag diese Stadt weit genug im Landesinneren, um vor den Piratenüberfällen sicher zu sein. Die Hauptattraktion ist die als St.Mary bekannte monumentale Mariä-Himmelfahrtskirche, entworfen nach dem Grundriß des Pantheons in Rom. Die Kirche besitzt die drittgrößte Kuppel Europas, die beiden anderen befinden sich in Rom und London. 1942 schlug eine 500 kg schwere Bombe durch die Kuppel, ohne zu explodieren und ohne jemanden zu verletzen. Dies wird den Fürbitten der Jungfrau Maria von Mosta als Wunder zugeschrieben.

Bis zur Ankunft der Ordensritter im Jahr 1530 war Mdina die Hauptstadt Maltas, danach hieß es nur mehr Città Vecchia, die „alte Stadt“. Heute ist Mdina ein Freilichtmuseum. Beim Rundgang durch die engen Gassen wird man sich der enormen geschichtlichen Dichte bewusst. Die barocke dreischiffige Kathedrale schmücken farbige Fresken aus dem Leben der Apostel Paulus und Petrus, die gewaltige Vierungskuppel ist das Wahrzeichen Mdinas. Das Altarbild von Preti zeigt die Bekehrung des heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus.

Das Ende der Reise

Am Abend fand ein Farewell-Diner – ein typisch maltesisches Hasenmenü – im Restaurant Il-Barri in Mgarr statt. Durch die enge Kooperation mit den Einheimischen fand ein fröhliches und munteres Mahl statt.

Vor der Heimreise am 12.Okober besuchten wir noch die der Hauptstadt Valetta gegenüberliegenden 3 Städte Senglea, Cospicua und Vittoriosa. Das Wahrzeichen von Senglea ist die Vedette, auch Gardjola genannt, ein steinerner Wachturm an der Landspitze, von dem aus man einen phantastischen Blick über den Hafen hat, Auge und Ohr, in Stein gemeißelt, stehen für Wachsamkeit, der Pelikan für Christus, der sich opfert. Hauptsehenswürdigkeiten von Cospicua sind die barocke Kirche der Unbefleckten Empfängnis, und die Kirche der hl. Theresa von Avila. Vittoriosa – früher Birgu genannt – ist die älteste und bedeutendste Stadt. Während der großen Belagerung 1565 bewiesen die Bewohner so großen Mut, dass sie die Ehrenbezeichnung „Vittoriosa“ erhielten. Die Türken versuchten, Malta einzunehmen, um dann nach Europa vorzudringen. Die Osmanen verfügten über ein  40.000 starkes Heer, während die Maltester nur ein 8.000 Mann starkes Heer stellen konnte. Unter der Führung des Großmeisters La Valette und der aus Sizilien eingetroffenen Verstärkung gelang es, die Türken zum Rückzug zu zwingen.

Bei seiner Ankunft auf Malta im Jahr 1530 hatte der Johanniterorden schon eine lange Geschichte hinter sich. 1099 in Jerusalem zum Schutz der Pilger im Heiligen Land gegründet, hatte seine ursprünglich karitative Zielsetzung in den Kämpfen mit den islamischen Reichen schnell militärischen Charakter angenommen. Dem Druck der Muslime mussten die Ritter letztlich weichen,  Zypern (1291) und Rhodos (1308-1532) hießen die Stationen vor Malta. Der weltliche Orden rekrutierte sich aus Söhnen des europäischen Adels und gliederte sich nach der Sprache in acht „Zungen“ (language), symbolisiert durch die acht ‚Spitzen des Malteserkreuzes. Dem Ordensziel, der Abwehr der „Ungläubigen“, ordnete man auch die Plünderung ihrer Handelsschiffe zu, damit die Kassen gefüllt und christliche Sklaven befreit werden konnten. ‚Durch die Vertreibung des Ordens durch Napoleon 1798 drohte ihm fast das Ende, durch die Protektion des Papstes aber kam es Mitte des 19 Jh. zu einer Neugründung. Heute ist der Orden als katholischer (die Malteser) und als protestantischer Zweig (die Johanniter) weiterhin karitativ tätig.

Bemerkenswert, welche Fülle an Wissen und Eindrücken uns ohne Überforderung in nur fünf Tagen auf Malta vermittelt werden konnte. Dies konnte jedoch nur durch die äußerst kompetente und erfrischend natürliche Reiseleiterin Martina, eine umfangreiche Vorbereitung und die liebevolle und fürsorgliche Begleitung durch Christian und Martin gelingen. Im Namen der Gruppe vielen herzlichen Dank. Ihr habt dafür gesorgt, dass diese Reise ein unvergessliches Erlebnis wurde.

Dr. Monika Zezula

 

 

 

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