Evangelischer Frauentag in Stockerau

Diesmal in Stockerau

Alle Jahre wieder ist der evangelische Frauentag ein Ereignis, das viele Frauen in Niederösterreich mit Spannung erwarten. Wo wird er stattfinden? Welches Thema gibt es diesmal? Das sind nur zwei von vielen Fragen, mit denen sich auch das Leitungsteam der Evangelischen Frauenarbeit im Vorfeld auseinandersetzt. Als wir in Stockerau fragten, ob die Pfarrgemeinde bereit wäre, den Niederösterreichischen Frauentag zu beherbergen, spürten wir ein großes Entgegenkommen, das uns bei den Vorbereitungen sehr beflügelt hat.

Am Samstag, dem 13. September war es dann soweit: Etwa 55 Frauen aus ganz NÖ und Wien waren angereist, um sich im neu gestalteten Evangelischen Gemeindezentrum in Stockerau zu treffen und einen Tag miteinander zu verbringen. Plakate und Einladungen hatten das Thema angekündigt:
„Liebe(s)leben im Alten Testament“ – ein ungewöhnlicher Arbeitstitel, aber auch sehr passend für eine Kirche, die früher einmal eine Synagoge war und bewusst den Kontakt zu ihren Wurzeln pflegt.

Die Morgenandacht

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Empfangen wurden wir von den Frauen der Pfarrgemeinde, die Kaffee und Kuchen vorbereitet hatten; Namenschilder erleichterten Kommunikation und Begrüßung. Auch Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour war gekommen, um Grüße von Superintendent Paul Weiland zu überbringen. Dann erklang auch schon der Gong, der zur Morgenandacht rief. In dem hellen und freundlichen Kirchenraum, der durch seine Schlichtheit und starke Symbolik besticht, fiel es uns nicht schwer, Gott um seinen Segen für den Tag zu bitten. Gut gefallen hat uns auch, dass Pfarrer Christian Brost in seiner Andacht die wichtigsten Elemente im Altarraum erklärt hat.

Der Vortrag

Es folgte der mit Spannung erwartete Vortrag von Mag-a Karoline Rumpler: „Liebe(s) leben im Alten Testament“. Von den zwei verschiedenen Schöpfungsgeschichten ausgehend wird klar: Nur in der Gemeinschaft – als Frau und Mann, gemeinsam in Annahme ihrer Vielfalt sind Menschen Ebenbild Gottes. Über Sexualität und Erotik als wertvolle Geschenke Gottes spannte sich der Bogen bis zu den zwischenmenschlichen Abgründen, die sich auftun, wenn Macht und Gewalt im Spiel sind. Natürlich durften auch die berühmtesten Liebesg´schichten aus dem Alten Testament nicht fehlen: Jakob und Rahel (die sabotierte Liebesbeziehung), Elkana und Hanna (Sorge aus Liebe), Ruth und Boas (von der neu gefundenen Liebe) und das Hohelied, in dem paradiesische Leidenschaft geschildert wird. Begleitet wurde der Vortrag von berühmten Bildern biblischer Darstellungen und Lesungen aus Büchern, wie z.B. Meir Shalev: „Der Sündenfall – ein Glücksfall?“ oder Erich Fromm: „Die Kunst des Liebens“, die anschließend auch bei dem von Sabine Krenmayr-Wagner vorbereiteten Büchertisch erworben werden konnten.

Das Mittagessen gestaltete sich ganz unkompliziert: Einige von uns stärkten sich in der gegenüberliegenden Pizzeria (kleine Karte), andere im Gemeindezentrum bei Pizza und Lutherwein – eine hervorragende Lösung, die keine Wünsche offen ließ.

Ein bewegter Nachmittag

Für den Nachmittag gab es zwei Bewegungs-Angebote zur Auswahl, die großen Anklang fanden: Ein Teil der Frauen widmete sich unter Anleitung von Frau Ulli Bixa dem sakralen Tanz. Zu klassischen Melodien, aber auch zu alten kirchlichen Gesängen und internationalen Klängen wurde nicht nur getanzt, sondern auch die Entstehung der Tänze und die Bedeutung der verschiedenen Schritte erklärt. Tanzen war über die Jahrhunderte auch immer ein Medium der Kommunikation und des Lernens, nicht zuletzt auch ein Bild der Gesellschaft oder der Gemeinschaft, in der jeder Mensch zu verschiedenen Zeiten seines Lebens seinen ganz bestimmten Platz finden konnte.

Diejenigen, die Stockerau lieber von oben sehen wollten, wurden von Christoph Rerecha bei der katholischen Stadtpfarrkirche erwartet. Diese Kirche hat den höchsten Kirchturm Niederösterreichs (88 m), was wir beim Erklimmen auch zu spüren kriegten. Gut, dass wir auf der einen oder anderen Ebene Halt machen konnten, um uns auszuruhen und der Geschichte dieser Pfarre zu lauschen. Sehenswert war das kleine Museum mit den verschiedenen Mariendarstellungen, das alte Uhrwerk, das für uns in Gang gesetzt wurde, der Blick vom äußersten Punkt der Kuppel in das Innere der Kirche, wo gerade eine Trauung stattfand, die kleine Türmerwohnung und nicht zuletzt die Glocken. Unser Guide, der selber Uhrmacher ist und (fast) alle Kirchenglocken Österreichs persönlich kennt, führte uns oben im Glockenturm bei schönster Aussicht auf Stockerau das Läutwerk vor. Als auch die größte Glocke mit ihren fast drei Tonnen sich und den ganzen Turm in Bewegung setzte, wurde manchen von uns schwindlig, und das Wort Kirchenschiff bekam plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

Gottesdienst zum Abschluss

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Zuletzt trafen wir uns wieder in der evangelischen Kirche, um miteinander Gottesdienst zu feiern. Für die Predigt hatte Veronika Komuczky die dramatische, eigentlich allseits bekannte Geschichte von Jakob, Rahel und Lea ausgesucht, aber diesmal mit der Frage: Wem von den dreien gehört mein Mitgefühl? Spannend war auch zu hören, wie eng die Menschen im Alten Testament mit Gott verbunden waren, und die Erkenntnis: Gott hilft jedem zu seiner Zeit.

Abschließend noch einmal ganz herzlichen Dank dafür, dass wir bei Euch in Stockerau sein durften. Dass Ihr Euch auf so vielfältige Weise eingebracht habt – bei der Organisation, Bewirtung, Blumenschmuck, Musikbegleitung, im Gottesdienst als Lektorinnen oder als Teilnehmerinnen! Es war eine Freude, diesen Tag mit Euch gemeinsam vorzubereiten und zu gestalten!

Ute Kolck-Thudt

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