Lange Nacht der Kirchen

Dass wir in einem reichen Land leben und einen hohen Lebensstandart haben – das kann man als Segen bezeichen. Dass Segen noch viel mehr ist, als satt zu werden und eine gute medizinische Versorgung zu haben, wurde allen Besucherinnen und Besuchern des ökumenischen Gottesdienstes in der Lutherkirche in Stockerau am Samstag, dem 24.5.2014 klar.

Der Segen war nicht nur Schwer-punkt des Gottesdienstes. Die ganze Nacht, die bis 23 Uhr gestaltet wurde, brachte verschiedene Aspekte von Segen zum Vorschein.

Mit einem Gottesdienst, dessen Textauswahl liebevoll vorbereitet war, begann die Lange Nacht der Kirchen in Stockerau. Fast 100 Mitfeiernde – eine wachsende ökumenische Gemeinschaft – erlebte einmal mehr das freundschaftliche Miteinander der beiden Pfarrer Markus Beranek und Christian Brost.

Eine der ältesten Erzählungen des Alten Testaments – die Geschichte von Abraham – gab dem Gottesdienst seinen besonderen Charakter. Eindrucksvoll die Darstellung von Abraham und Sara und den drei Besuchern mitsamt Zelt und Tieren vorne beim Altar. Die biblischen Figuren von Michaela Blahous brachten uns die Abrahamgeschichte zum Greifen nahe.

In dieser wird dem betagten Abraham und seiner Frau Sara – „der es nicht mehr nach der Art der Frauen erging“ – unzählige Nachkommenschaft verheißen. So viele Nachkommen, wie Sterne am Himmel. Nach menschlicher Vernunft ist das lächerlich, unmöglich, weil undenkbar. Aber göttlicher Segen kann menschliches Ermessen übersteigen..

Er entzieht sich menschlicher Einflussnahme. Er ist nicht verfügbar, wie in einem Supermarkt, wo wir uns bedienen können. In der krassen Situation von Abraham und seiner Frau wird das deutlich:

Segen ist Geschenk. Segen ist Gnade.

Der Refrain des ersten Liedes lautete: „Ich will dich segnen, ich lass dich nie allein und allen, die dir begegnen, sollst du ein Segen sein.“

Dieser Zuspruch Gottes an Abraham gilt auch für uns heute. Gott liebt uns, segnet uns – Zeichen dieses Segens ist unsere Taufe – und ist mit uns unterwegs.

Der Segen Gottes kann uns nur zugesprochen werden und wir können ihn nur dankbar annehmen. Wir erfuhren, dass das Wort ‚segnen’ im Hebräischen zugleich ‚danken’ bedeutet.

Wenn von Gott Gutes ausgeht und zu mir kommt, wird es ‚Segen’ genannt. Wenn Gutes von mir Richtung Gott geht, dann ist das Lob und Dank.

Segnen und Danken haben viel miteinander zu tun. Einen anderen segnen kann der, der selber Gott für mancherlei Segen in seinem Leben dankt.

Warum ist es so vielen Menschen fremd, dass ihr Leben unter Gottes Segen steht? Ist es nicht so, dass für viele die Welt und damit ihr Leben mit Gott nichts mehr zu tun hat?

Und trotzdem ist es so, dass Gott unser Leben begleitet, es segnet – mit all seinen Abwegen, Irrwegen und Verirrungen. Der Segen bewirkt, dass unser Leben in allen seinen Facetten und mit all seinen Bezügen zu einem sinnvollen Ganzen wird.

Nach dem Gottesdienst konnten alle im Gemeindesaal noch einen Umtrunk plus Weckerl genießen. Vor allem aber ins Gespräch kommen.

Die ökumenische Gemeinschaft kann so auch innerlich wachsen, wenn wir einander näher kommen, Erlebtes teilen und gemeinsam feiern.

Das Gemeinsame ging noch weiter: Um 20.15 Uhr zogen viele von der Lutherkirche zur kath. Pfarrkirche. Dort erwartete uns ein kleines Orgelkonzert der besonderen Art. Johannes Lenius – vorher noch in der Lutherkirche der Organist – spielte auf dem neuen Orgelpositiv; Orgelstücke in Verbindung mit eingespielten Klängen und passender Lyrik; ein wirklich kurzweiliges Programm, das die Vielseitigkeit des kleinen Instruments gut vorstellte.

Nach einem Stationenprogramm (Mediation zum Altarbild, Arbeit mit Bibelfiguren, Besuch am Turm oder im Bezirksmuseum, Info zum Umbau des kath. Pfarrzentrums) fand die Lange Nacht schließlich ihren Abschluss bei einem Nachtgebet. Um den Taufbrunnen versammelt erinnerten wir uns noch einmal des Segens, der bei der Taufe über unser Leben ausgesprochen wurde.

Die Lange Nacht nahm so ein gesegnetes Ende.

Gott, dein guter Segen ist:
wie ein großes Zelt; wie ein helles Licht; wie des Freundes Hand;
wie der sanfte Wind; wie ein Mantelkleid; wie ein weiches Nest;
Guter Gott, ich danke dir,
deinen Segen schenkst du mir.
Und ich kann in deinem Segen leben und ihn weitergeben.

Irmi Lenius

 

Dieser Beitrag wurde unter Oekumene, Veranstaltungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.