Gemeinde im Zentrum

Einweihung Gemeindezentrum 2014

Wenn zwei Stunden in der Kirche wie im Flug vergehen, dann muss es eine kurzweilige Feier sein. Wenn am Ende alle Gäste eine Feier fröhlich verlassen, dann ist die Gemeinschaft (die Gemeinde) im Zentrum gestanden. Genau das ist am 9. März der Fall.

Unsere evangelische Gemeinde hat zu einem „Festgottesdienst mit Einweihung des neuen Evangelischen Gemeindezentrums“ eingeladen, und alle sind sie gekommen:

  • die evangelische Gemeinde aus nah und fern (von Superintendent und Superintendentialkuratorin über Mitglieder unserer Nachbar-gemeinden bis hin zu unserer Pfarre eng verbundenen Pfarrerinnen und Pfarrern),
  • die katholische Gemeinde mit ihren Pfarrern aus Stockerau und Spillern,
  • die Leiter des islamischen Kulturvereins Stockerau,
  • die politische Stadtgemeinde Stockerau, unter Ihnen der Bürger-meister und seine Stellvertreterin,
  • das Land Niederösterreich, vertreten durch einen Landesrat,
  • die Künstler und Architekten, die an der Renovierung und Neugestaltung so maßgeblich Anteil haben,
  • Sängerinnen und Sänger samt Organist, Ukulele-Spieler und einem Trompetenensemble,
  • schließlich die große Gemeinde evangelischer und nicht-evangelischer Menschen, die unserer Gemeinde in unterschiedlichster Art und Weise nahe stehen.

Sie alle sind gekommen, um feierlich abzuschließen, was in den letzten fünf Jahren entstanden ist, und freudig aufzuschließen, was viele Jahre von Bestand sein soll: das neue evangelische Gemeindezentrum in Stockerau.

Fünf Jahre ist es her, so erinnert sich Pfr. Brost in seiner Begrüßungsansprache, dass er mit SI Weiland über unserer geplantes Großprojekt gesprochen und um seine Einschätzung der Machbarkeit gebeten hat. „Fangt getrost an. Dieses Projekt wird eine Eigendynamik entwickeln, die es zu einem guten Abschluss bringen wird.“ Und so ist es stimmig, dass SI Weiland heute nicht nur den Gottesdienst wesentlich mitgestaltet, sondern auch die Einweihung des Gemeindesaals vornimmt.

Zunächst aber bringt der evangelische Singkreis Stockerau südamerikanischen Schwung in die Feier. Einen Chor, begleitet von einem schwungvollem Ukelele und einer Orgel, hört man auch nicht alle Tage!

Dann die Predigt: SI Weiland spricht uns allen Grund zu Dankbarkeit und Freude zu. Unser Dank hat vor allem Gott zu gelten, der uns in diesen Baujahren mit all ihren Herausforderungen bewahrt und begleitet hat.

Doch ebenso wichtig ist es, die entscheidende Frage für die Zukunft zu stellen: Wofür haben wir eigentlich so ein Gemeindezentrum geschaffen?

Natürlich stellt es einen wichtigen Akzent im Stockerauer Stadtbild dar, doch der Schwerpunkt kann und muss ein inhaltlicher sein. Ziel eines evangelischen Gemeindezentrums ist es, Menschen einzuladen und ihnen immer wieder zuzusprechen: Wer von Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, der wird gerettet; Ziel ist es, Menschen in schönen, aber auch belastenden Momenten zu begleiten; Ziel ist es, gemeinsam nach nicht weniger als dem Sinn des Lebens zu fragen.

Wir sind geborgen und gehalten von der Liebe Gottes und unserer Mitmenschen. Wo an Gott geglaubt wird, werden Menschen geliebt, Trauernde getröstet und Fremde aufgenommen. Daher braucht es Orte der Verkündigung, wo dieser Glaube gelebt und ihm Raum – Lebensraum – gegeben wird.

Mit der freudigen Zuversicht, dass unser neues Gemeindezentrum ein solcher Ort sein wird, schließt SI Weiland seine Predigt.

An den Gottesdienst folgen die Ansprachen. Dass diese trotz des bereits wartenden Mittagsbuffets (laut Pfr. Brost nur gerüchteweise als Abendessen geplant) mit fröhlicher Anteilnahme aller Anwesenden erfolgen, ist der humorvollen Art aller Redner zu verdanken.

Pfarrer Brost beginnt den Reigen und blickt in die Gesichter vieler aus Kirche, Politik und Wirtschaft, ohne die dieses Projekt Lebensraum niemals realisierbar gewesen wäre. Mit der Anrede „liebe Schwestern und Brüder“ entzieht er sich nicht nur elegant der Gefahr, einen der p.t. Gäste namentlich zu übersehen, sondern liefert gleichzeitig eine empfehlenswerte Begrüßungsformel auch für politische Ansprachen (was natürlich von einigen seiner Nachredner prompt übernommen wird).

Zunächst kommt Martin Kuchler zu Wort: Auslöser für dieses große Bauprojekt waren eine offene Propangasheizung und im Winter alljährlich einfrierende Heizungsrohre, und so entwickelte man im Presbyterium seit 2007 eine Vision unter dem Namen „Projekt Lebensraum“. Neben den genannten (und so manch anderen nicht genannten) dringenden Sanierungsarbeiten wünschte man sich nicht weniger als eine renovierte und neugestaltete Kirche (unter Berücksichtigung und Würdigung ihrer Geschichte als ehemaliger Synagoge), einen neuen Gemeindesaal, ein neues Pfarrerbüro (und noch so unverzichtbare Einrichtungen wie neue Toilettanlagen).

Zwei Jahre später wurde der Plan eingereicht. Das geplante Vorhaben war so groß, dass es in zwei Phasen gegliedert wurde: die Renovierung der Kirche samt neuer Heizung sowie der Neubau des Gemeindesaals.

Der Wunsch von Architekt Kuchler sen. war es, zu seinem runden Geburtstag mit dem Bau fertig zu werden – zum runden Geburtstag unseres Pfarrers war es dann tatsächlich so weit. Da aber noch immer einiges zu tun ist (insbesondere Dachterrasse, Kirchentüre, Kirchenfenster), ist wohl ein weiterer runder Geburtstag ins Visier zu nehmen.

Nun dankt Pfr. Brost den beiden Architekten Kuchler Vater und Sohn, und der starke Applaus kommt hörbar von Herzen. Sohn Martin erhält den ersten goldenen Schlüssel unserer evangelischen Pfarrgemeinde, und Vater Friedrich wird mit einer Miniatur der Christusfigur unserer Kirche beschenkt. Völlig zu Recht werden auch die Gattinnen der beiden Vielarbeiter mit Blumen bedankt – für ihre Bereitschaft, die Ehemänner zugunsten der Gemeinde so oft entbehrt zu haben.

Kurator Lauermann wünscht sich nicht nur Menschen, die an dem frisch renovierten Bau „jetzt noch lieber als früher vorbeigehen“, sondern lädt vor allem alle ein hereinzukommen. Das neue Gemeindezentrum versteht er als Lebensraum für alle Menschen in ihrer Vielfalt. Es möge zum öffentlichen Raum werden, in dem auch Konferenzen und künstlerische Veranstaltungen stattfinden, vor allem aber zu einem Raum für Gemeinschaft. Mitmenschen als Jesu geliebte Kinder zu sehen und ihnen so zu begegnen, das ist Ziel dieses Lebensraums.

Unserem Kurator folgt Pfr. Beranek von der Katholischen Pfarre, der uns zu diesem mutigen Projekt gratuliert – „zum Wohl und zum Segen der Menschen in dieser Stadt“.

Der Obmann des islamischen Kulturvereins würdigt seine Einladung als Zeichen gegenseitigen Respekts und spricht auch seinerseits eine Einladung an uns aus, wenn die Moschee fertiggestellt sein wird.

In seinem Dank an die politische Gemeinde betont Pfr. Brost, dass nur durch die Unterstützung quer durch alle Fraktionen dieses Bauvorhaben möglich war.

Bürgermeister Laab erkennt „deutliche Spuren, die Pfr. Brost in Stockerau schon hinterlassen hat“. Die Einweihung des evangelischen Gemeindezentrums ist auch aus Sicht der Stadt ein wichtiger Tag, da der Dialog und das Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsteile in den Vordergrund rückt. Er wünscht uns, dass wir dieses Haus auch künftig mit so viel Leben füllen mögen, und dankt Pfr. Brost für seinen großen Einsatz.

Landesrat Wildling schließlich spannt einen Bogen von den evangelischen Anfängen bis hin zu seinen Erfahrungen mit eigenen Renovierungs-arbeiten. Die Betonung des Gemeinsamen ist wichtig, und entsprechend sollen wir auch unser tägliches Leben gestalten.

Noch einmal ergreift Pfr. Brost das Wort, um nun all den noch nicht Genannten zu danken – all denen, deren Glauben größer war als unsere finanziellen Mittel, allen Mitwirkenden des Gottesdienstes, den Baufirmen und Sachspendern, den kirchlichen Fördereinrichtungen und nicht zuletzt unseren Nachbarn für deren Geduld mit unseren Bautätigkeiten.

Einweihung Gemeindezentrum 2014 (2) Einweihung Gemeindezentrum 2014 (3)

Jetzt geht es noch in den Gemeindesaal. SI Weiland nimmt die Einwei-hung des Gemeindezentrums gemeinsam mit Pfarrer und Kurator vor, und dann beginnt – wohlverdient – mit einer Riesentorte der Reigen kulinarischer Köstlichkeiten. Die ganze Gemeinde feiert gemeinsam, das Projekt Lebensraum hat nun auch seine räumliche Gestalt angenommen – und wie!

Andreas Andel

 

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