Jahresbericht 2013

Was unsere gemeindliche Arbeit im Vorjahr ausmachte, ist meines Erachtens kaum in statistischen Daten zu erfassen. Vielmehr geht es um Beziehung und um Gemeinschaft. Und da ereignen sich inzwischen so viele tolle Dinge, dass sich nur das Wenigste in gedrängter Form darstellen lässt und viele Veranstaltungen, der eine oder andere Kreis und so manches großartige Engagement nicht gesondert aufgezählt und gewürdigt werden können.

2013 war ein zweigeteiltes Jahr. Während die erste Jahreshälfte im Zeichen des Planens , des Bauens und der vertrauensvollen Hoffnung und Vorfreude auf das neue Gemeindezentrum stand, waren Gemeinschaft und Dank zentrale Themen in der zweiten Jahreshälfte.

GD2013

Im Zentrum standen wie immer die Gottesdienste, die 2013 trotz Bauarbeiten in Stockerau ausgesprochen gut besucht waren. Aber auch in Hollabrunn, Kalladorf und Retz gab es immer wieder beeindruckende gottesdienstliche Begegnungen. Während Kalladorf durch den wunderschönen Gottesdienst im Grünen glänzte, waren in Hollabrunn die Familiengottesdienste mit Gemeindecafé ein besonderer Genuss. In Hollabrunn sollen daher 2014 noch stärker Familien- und Festgottesdienste im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig gibt es seit Jänner in Hollabrunn eine Bibelrunde, die an dieser Stelle wärmstens empfohlen sei. Das spirituelle Leben außerhalb der Gottesdienste entwickelte sich 2013 beinahe still und heimlich auf oft sehr persönliche Weise gerade auch in der Diaspora. Die Gemeinschaft jener wuchs, die sich dadurch verbunden fühlen, dass sie an ihrem Gottesbild arbeiten und mit Gott in Beziehung treten wollen und einander Gutes wollen. Die Vielfalt der Menschen und Lebenssituationen erfordert eine Vielzahl von Gottesdienstformen (ich konnte 17 verschiedene zählen), die wir dank unserer Liturgen auch anbieten. Besonders beliebt waren auch 2013 die Familiengottesdienste in Stockerau und Hollabrunn. Die liebevoll gestalteten Kindergottesdienste waren 2013 trotz Unterbrechung durch den Bau für viele Kinder ein Fixpunkt in der Woche. Mit der ökumenischen Pfingstvigil, der bewährten Osternacht und den Stillen Halben Stunden in Advent und Passionszeit setzten wir bewusst andere, stillere Akzente. 22 Mal boten unsere LiturgInnen Abendmahl an. Erfreulich ist, dass nun bereits drei unserer LektorInnen Abendmahl einsetzen dürfen. Mit viel Liebe und Engagement gestalteten unsere LiturgInnen auch 2013 verlässlich deutlich mehr als 100 Gottesdienste und Kasualien auch für Kranke und Gefangene. Für diese immens wertvolle und qualitativ hochwertige Arbeit möchte ich herzlich danke sagen!

Während österreichweit die Zahl der Evangelischen A.B. erstmals unter 300.000 gesunken ist, wächst unsere Gemeinde nicht zuletzt auch aufgrund der Zuzüge weiterhin und zählt nun 1.276 Evangelische. 11 Mal durften wir uns 2013 über eine Taufe freuen. Es gab 19 Beerdigungen. Es gab erfreuliche 5 Trauungen.

7 Eintritten standen 12 Austritte gegenüber.

Die Ökumene bildet sicher einen Schwerpunkt unseres gemeindlichen Arbeitens. Sie gestaltet sich von Ort zu Ort ganz unterschiedlich intensiv. Sowohl in Hollabrunn als auch Kalladorf und Retz gibt es bewährte ökumenische Zusammenarbeit meist in Form von Begegnungen und Gottesdiensten. 2013 fanden in Retz, Hollabrunn und Stockerau auch Vortragsabende etwa zum Thema „Evangelisch“ statt. In Stockerau gab es zusätzlich die ökumenische Bibelrunde und den interreligiösen Dialog, an dem auch die muslimische Gemeinde teilnimmt. Besonders das Septemberfest zugunsten des SOMA mit dem interreligiösen Fußballturnier und vielen tollen Spielen und Begegnungen ist mir da in Erinnerung.

Der Religionsunterricht ist ein besonders wichtiger Teil unserer gemeindlichen Arbeit. Religiöse Bildung zu verwehren bedeutet, wichtige Lebensfragen der Kinder nicht zu beantworten. Guter Religionsunterricht trägt dazu bei, den Kindern Sicherheit im Leben zu geben und sie zu selbständigem Denken und Fühlen anzuleiten. 2013 konnte das Presbyterium zufrieden feststellen, dass die zahlreichen Schulen und (idR weniger zahlreichen) SchülerInnen bestens versorgt sind. Mit Terhi Korhonen haben wir eine Religionslehrerin im Pflichtschulbereich, die auch in der Pfarrgemeinde ein wichtiger Aktivposten ist. Während niederösterreichweit immer weniger Kinder am Religionsunterricht teilnehmen und teils recht hohe Zahlen bei den Abmeldungen vorliegen, hat sich die Situation bei uns im Vergleich zu den Vorjahren nicht verschlechtert.

Budget2013

2013 haben wir unsere Budgetziele mehr als erreicht. Das ist zu einem guten Teil der exakten Kalkulation und der sorgfältigen Bauaufsicht unserer Architekten Martin und Friedrich Kuchler zu verdanken. Allen voran haben die Kuchlers keine Mühe gescheut, sich mit Handwerkern und Politikern intensiv auseinander gesetzt, um unser neues Gemeindezentrum möglich zu machen – Danke!!! Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen und mich auch bei den über 40 ehrenamtlichen BauhelferInnen bedanken, die ihre handwerklichen Fähigkeiten in vielen hundert Stunden Arbeit an Wochenenden und sogar Urlauben einbrachten! Es war tatsächlich immer ein positives Erlebnis, mit – wer auch immer gerade da war – Abbrucharbeiten zu machen, Wände zu grundieren oder einfach den Baufortschritt zu bewundern. Fliesenlegen, Bodenlegen, Malen, Putzen, nochmals Putzen, Möbel ein- und auslagern und viele, viele sogenannte Kleinigkeiten, ohne die das alles aber nicht gehen würde, haben wir gemeinsam geschafft. Und es gab und gibt viele Menschen, die sich durch Geldspenden oder die Organisation von Veranstaltungen eingebracht haben. Besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle auch allen MitarbeiterInnen aussprechen, die den „normalen“ Betrieb in diesem intensiven „Baujahr“ 2013 aufrecht erhalten haben! Allergrößter Dank gilt auch unserer Kirchenbeitragsreferentin Dr. Zehetmayer und ihrem Mann, die herausragende ehrenamtliche Arbeit leisten. Und: Viele haben für unsere Gemeinschaft gebetet. Alle haben nach ihren Möglichkeiten und Talenten mitgeholfen. Allen ein großes Dankeschön und vergelt´s Gott!

Auch wenn viele dann im Oktober mal durchschnaufen mussten: Zerkracht haben wir uns trotz der intensiven Herausforderungen in der Bauzeit nicht. Der Grundsatz „Jeder bestimmt das Maß seiner Beteiligung selbst“ hilft uns, auch Auszeiten vom Ehrenamt zu nehmen. Unsere Gemeinschaft ist am gemeinsamen Projekt Lebensraum gewachsen. Den anderen so zu nehmen wie er ist, heißt eben nicht nur die Talente des anderen zu bewundern, sondern auch die Schwächen anzunehmen. Das Wissen und die Sorge umeinander waren 2013 eine stärkende Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die Freude am Besuch der Gottesdienste – allein schon um Gemeinschaft zu erleben – nahm nicht nur bei mir zu. Und das, obwohl erst ab Oktober der neue Gemeindesaal voll in Betrieb gehen konnte. Immer wieder kommen auch „neue“ Menschen zu uns und werden freundlich und offen aufgenommen.

Im Herbst haben wir bei der Pres-byterklausur und am Mitarbeitertag auch gelernt, dass jede persönliche Vorstellung und Vision von Gemeinde wohl zum Zerbrechen an Gottes Vielfalt und Gottes wunderbarer Vision von Gemeinde bestimmt ist. Denn unsere eigene Vorstellung von perfekter Gemeinde, unsere eigene Vorstellung vom optimalen Anderen, ja selbst unsere Vorstellung vom perfekten Ich stimmen nicht mit Gottes liebevoller Vorstellung überein. Ja, es sind nun einmal nicht unsere Pläne und Werke, die unseren Lebensraum mit Leben füllen, sondern Gottes Heiliger Geist. Dass sich der „Lebensraum“ Gemeindezentrum mit Leben füllt, konnte man schon im Herbst deutlich sehen. Von der Evangelischen PfarrerInnentagung bis zur katholischen (!) Dekanatskonferenz, von Krabbelgruppe und Singkreis bis Kindergottesdienst oder Konfitag: ständig ist was los! Und das „Zimmer mit Aussicht“ entwickelt sich zunehmend zu einem Ort der Ruhe, wo Meditationstreffen und Kindergottesdienste Raum finden.

Untrennbar mit Pfarrgemeinde verbunden ist für mich die Diakonie. 2013 war das Evangelische Jahr der Diakonie. Unsere Gemeinde betrieb unter der Leitung von Irmi Lenius in diesem Bereich 2013 vor allem Bewusstseinsbildung. Wir sind auf vielfältige Weise diakonisch tätig, oft auch ohne dass uns das bewusst wäre. Unser Besuchsteam leistete eher im Stillen einen großen Dienst bei Geburtstags- und SeniorInnenbesuchen. Die Gefangenenseelsorge in Sonnberg und die Krankenhausseelsorge in Hollabrunn und Stockerau nehmen fünf ehrenamtliche (!) MitarbeiterInnen sehr treu und ernsthaft wahr. Und 2014 sollen die bestehenden Strukturen weiter gefördert werden, weshalb es einen Diakonieworkshop geben wird. Diakonie, also der Dienst am Menschen, ist nicht bloß ein Bereich des gemeindlichen Arbeitens. Gemeindliches Arbeiten ist immer diakonisch. Auch und besonders als Diasporagemeinde mit dem Zentrum Stockerau und wenigen Evangelischen im weiten westlichen Weinviertel muss unser Denken und Handeln diakonisch sein. Richten wir unseren Blick und unser Tun nach außen, über uns hinaus, hin zu unseren Nächsten! So wird 2014 im Zeichen des Dankes an Gott stehen; für das, was schon gelungen ist, das was ist und besonders auch das, was noch kommt. Und ich bin sicher, da kommt noch einiges…

Kurator Gert Lauermann

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