Zusammen glauben, feiern, beten

Beranek Brost 2014
Foto: Irmi Lenius

Die Ökumene in Stockerau ist lebendig. Es gibt regelmäßig gemeinsam vorbereitete Veranstaltungen von Evangelischen und Katholiken.

Am Freitag, dem 24. Jänner versammelten sich katholische und evangelische Christen mit den Pfarrern Markus Beranek und Christian Brost in der Lutherkirche, auch um zu signalisieren, dass wir Christen des 21. Jahrhunderts der Trennung unserer Kirchen müde sind. Zwei Hauptaussagen trugen den Gottesdienst. Die erste, wie wir Christsein heute ungeachtet der konfessionellen Unterschiede leben können, entfaltete Christian Brost bei der Begrüßung:

Wir haben einander als Christen verschiedener Traditionen viel zu sagen, wenn wir bereit sind, unsere Herzen für Jesu Botschaft zu öffnen. Für alle Menschen hat Jesus in aller Schlichtheit ins Stammbuch geschrieben: Lebe heute, lebe jetzt – nicht morgen – und konzentriere dich auf das Wesentliche. Das Wesentliche ist nicht mit Geld, Macht oder Kirchenrecht zu erwerben.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, denn die Liebe ist das einzige, das wächst, indem wir es verschwenden.

Richte nicht, wirf nicht den ersten Stein; denk an das, was sich in deinem Herzen alles findet!

Sammle keine Schätze, die letztlich doch nur die Motten und der Rost zerfressen, sondern lerne teilen: dein Brot und deinen Wein.

Die Zärtlichkeit Gottes

Die zweite Hauptaussage erläuterte Markus Beranek in seiner Predigt über die Zärtlichkeit Gottes.

Begonnen bei Johannes dem Täufer, der wie für uns vorbildlich auf Jesus hinweist: „Seht, das Lamm Gottes“.

Ein Lamm – kuschelig, weich, ein Herdentier, nützlich und auch ein Opfertier.

Und so ist Jesus: Er will nicht alleine sein, sondern er will alles mit uns teilen, sein Gottsein, seine Erkenntnis Gottes, seine Liebe und Leidenschaft für seinen Vater: Deshalb wird er einer von uns. Er will uns die Wärme und Menschenfreundlichkeit Gottes bringen. Er ist sich nicht zu gut, für uns nützlich zu sein, ja er ist so vernarrt in uns, dass er lieber mit seinem Leben an den äußersten Rand der Liebe geht, als dass wir aus seiner Liebe herausfallen könnten. Das ist Gottes Zärtlichkeit, das ist die Faszination Jesu.

Jesus will mit uns sein, will, dass wir ein volles, glückliches Leben haben – und das bedingungslos. Es gibt kein „ich müsste aber“ oder „ich sollte doch“, um von Gott geliebt zu werden.

Wenn wir uns von Gott mit unserer ganzen Verletztheit, mit unseren Wunden, Ecken und Kanten annehmen lassen, dann können genau diese Wunden in uns zu unserer Zärtlichkeit anderen gegenüber werden. Da können auch wir mitfühlend, vergebend, annehmend, liebend werden.

In der Gegenwart des zärtlichen Gottes werden wir zu zärtlichen Menschen: zärtlich und barmherzig im Umgang mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen, mit der Schöpfung – und damit wird Glaube konkret, relevant, politisch, zu einer Kraft, die die Welt verändert.

Die an die Predigt anschließende Salbung war berührend und von einer stillen, dichten Stimmung getragen. Mir machte die Salbung einmal mehr klar, dass ich von Gottes Liebe getragen bin, aber auch, dass ich diesen Zuspruch immer wieder brauche.

Für die musikalische Gestaltung hatten wir professionelle Unterstützung. Johannes Lenius begleitete am Klavier die modernen Lieder. Der Abend klang noch sehr gesprächig – gemütlich im Gemeindesaal aus – mit Brot und Wein.

Irmi Lenius

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