Gefangenenseelsorge

Adventkranz Sonnberg 2013
(Foto: Eva Zehetmayer; von links: Oberst Wolfgang Huber, Dr. Eveline Zehetmayer, Pfr. Mag. Christian Brost, Mag. Ingrid Oblak)

Denn der Herr hört die Armen und verachtet seine Gefangenen nicht.
(Psalm 69/34)

Seit vielen Jahren schon betreuen Mag. Ingrid Oblak und Dr. Eveline Zehetmayer ehrenamtlich die Gefangenen in der Justizanstalt Sonnberg seelsorgerlich. Anlässlich des nun zu Ende gegangenen Jahres der Diakonie wollen wir diese verantwortungsvolle und wichtige Tätigkeit würdigen: Evangelische Gefängnisseelsorge – eigentlich sollte es heißen “Gefangenenseelsorge“ – in der Justizanstalt Sonnberg bedeutet, sich regelmäßig hinter Gitter zu begeben und damit in ein ganz anderes “System”. Ca. 350 Männer im Erwachsenenalter leben in Sonnberg nach einer Verurteilung zu zwischen 18 Monaten und 10 Jahren Haft. Es sind häufig Rückfalltäter (Diebstahl, Einbruch, Betrug, Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch).

Unser Betreuungsteam besteht aus zwei engagierten Frauen im Pensionsalter: Mag. Ingrid Oblak (eh. AHS Professorin) und Dr. Eveline Zehetmayer (eh. Sozialarbeiterin/Juristin), die beide unaufgefordert diesen Besuchsdienst gewählt haben und seit Dezember 2006 ehrenamtlich tätig sind. Einmal im Monat bieten wir Gottesdienst an (Mag. Oblak ist Lektorin), dazwischen gibt es einmal im Monat eine Gesprächsrunde und nach Bedarf zusätzlich Termine mit Einzelgesprächen, die jeweils von einer Betreuerin getätigt werden.

Schwierig wird es manchmal, „normale“ Einbrecher und dgl. dazu zu bringen, mit Missbrauchern in einer gemeinsamen Gesprächsrunde zu sitzen. Es gibt eine Hackordung, und Sexualtäter sind in der Hierarchie ganz unten. Nicht immer sind Erlebnisse im Gefängnis für Außenstehende leicht verständlich. In der Gesellschaft ist Besuchsdienst im Gefängnis etwas, das die meisten Menschen eher vermeiden würden. Auch in der Pfarrgemeinde gilt die Tätigkeit in der Justizanstalt manchmal als eher „exotisch“. Aber unsere beiden Seelsorgerinnen lassen sich erfolgreich auf die Menschen in Gefangenschaft ein. Für das Betreuungsteam hat sich die Tätigkeit als eine spannende und sehr freudvolle Tätigkeit herausgestellt. Das Team hält wie “Pech und Schwefel“ zusammen und ergänzt sich sehr gut. Eine theologisch gebildete und ausgebildete Frau ist mit einer zusammen,

die das Organisatorische und Verwaltungsmäßige durchführt. Gemeinsam gehen sie die Arbeit im kommunikativen Bereich an. Beide konnten eine Ausbildung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit absolvieren. Es ist sehr wichtig, die Tätigkeit so professionell wie möglich zu machen.

Auch die Pfarrgemeinde profitiert inzwischen von den Erfahrungen der beiden Seelsorgerinnen. Z.B. nutzten wir die Möglichkeiten der Werkstätten in der Justizanstalt (was übrigens jedem offen steht!) und ließen in der Tischlerei, der Buchbinderei usw. für gemeindliche Zwecke arbeiten. Beim Zubau zur Kirche waren auch Freigänger sehr engagiert an der Arbeit. Beim Bücher- und Weihnachtsmarkt wurden auch heuer wieder handwerkliche Arbeiten der Insassen verkauft. Die Pfarrgemeinde stellt außerdem zu Weihnachten einen Betrag dem Unterstützungsverein der Häftlinge in Sonnberg zur Verfügung. Dieser Verein sammelt Geld, um den nicht besuchten Insassen, die auch kein Paket von zu Hause erhalten, am Hl. Abend ein kleines Geschenk zu bereiten.

Wir versuchen mit all diesen Tätigkeiten, den Menschen begreiflich zu machen, dass zwar die Taten der Männer teilweise ungeheuerlich und ekelhaft sind, dass aber hinter der Tat immer ein Mensch ist, der es – um Jesu Willen – verdient, von uns mit Würde behandelt zu werden.

Gert Lauermann, Eveline Zehetmayer, Ingrid Oblak

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