Gemeindetag zum Thema ‚Gemeinschaft’

Siehe wie fein und lieblich ist es, wenn Geschwister einträchtig beieinander wohnen.
(Psalm 133,1)

So geschehen am 9. November 2013. Da trafen sich Gemeindevertreter und Mitarbeiter unserer Kirchengemeinde zu einer Mitarbeiterschulung. Wir hörten ein Referat von Pfarrer Christian Brost zum Thema Gemeinschaft. In diesem Artikel finden sich wesentliche Inhalte dieses Vortrages mitsamt ihrer Bedeutung für unsere Gemeinde.

Christus, Luther, Bonhoeffer – Christsein in unruhigen Zeiten…

Der Referent zitiert immer wieder diese drei Männer. Im besonderen bezieht er sich auf das Buch „Gemeinsames Leben“ von Dietrich Bonhoeffer.

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Christ unter Christen leben darf. Wir haben unseren Auftrag eigentlich an denen, die mit dem Glauben nicht viel am Hut haben.

Luther schreibt: ‚Die Herrschaft soll sein inmitten deiner Feinde. Und wer das nicht leiden will, der will nicht sein von der Herrschaft Christi, sondern will inmitten von Freunden sein, in den Rosen und Lilien sitzen, nicht bei bösen, sondern bei frommen Leuten sein. O ihr Gotteslästerer und Christi Verräter! Wenn Christus getan hätte als ihr tut, wer wäre immer selig geworden?’

Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus

Wir brauchen einander, um Gottes Wort zugesprochen zu bekommen. Das Ziel aller christlichen Gemeinschaft ist einander die Heilsbotschaft auszurichten!

Wir begegnen einander dank Christus. Durch ihn werden wir zu Geschwistern. Nur durch ihn können wir einander lieben und einander dienen. Er ist unser Friede!

Wir sind Christi Leib. Christus ist in uns. Wir sind in Christus. Wo er ist, sind wir. Im Tod. In der Auferstehung…

Wir gehören miteinander in Ewigkeit zu ihm. Christliche Geschwisterschaft ist nicht frommes Miteinander. Gemeinschafts-erlebnisse, die wir suchen, sind etwas anderes als das, was Christus zwischen uns gestiftet hat.

Christliche Gemeinschaft ist nicht etwas, das wir schaffen, sondern Gottes Geschenk und als solches eine Wirklichkeit – jedoch keine psychische, sondern eine pneumatische!

So abstrakt dieser Gedanke nun klingen mag, hat er eine ganz wichtige, praktische Bedeutung: Christliche Gemeinschaft, die aus einem Wunschbild heraus lebt, zerbricht an diesem Wunschbild. Wir schaffen es nicht!

Natürlich haben wir ein bestimmtes Bild von Gemeinschaft vor unserem inneren Auge und setzen uns dafür ein. Doch Gott sei Dank ist die Enttäuschung vorprogrammiert: Die anderen sind nicht so wie ich es mir wünschen würde, und ich bin nicht so, wie die anderen es sich wünschen würden, ja nicht einmal so, wie ich es mir selbst wünschen würde;

Doch es geht bei unserer Gemein-schaft nicht um Gefühlsregungen, sondern um Wahrheit und göttliche Wirklichkeit.

Je mehr wir voneinander enttäuscht sind, desto eher sind wir bereit zu werden, was wir von Gott her sind. Gott will nicht unsere Visionen und Träume von Gemeinschaft.

Wer sich ein Bild von Gemeinschaft erträumt, tritt fordernd auf: er fordert von sich, vom anderen und von Gott Erfüllung dieser Vorstellung. Er tut, als habe er die christliche Gemeinschaft zu schaffen. Und wenn es nicht nach seinen Vorstellungen geht, ist er enttäuscht und spricht von Versagen. Wo sein Bild zerbricht, meint er, die Gemeinschaft zerbräche.

Er beginnt sich zu beklagen, die Geschwister und Gott zu verklagen.Aber Gott hat doch den Grund unserer Gemeinschaft schon gelegt in Christus. Wir brauchen nicht als die Fordernden auftreten. Wir dürfen als Dankende und Empfangende in das gemeinsame Leben mit anderen Christen eintreten.

Bonhoeffer schreibt:

‚Danken wir nicht täglich für die christliche Gemeinschaft, in die wir gestellt sind, auch dort, wo keine große Erfahrung, kein spürbarer Reichtum, sondern wo viel Schwäche, Kleinglauben, Schwierigkeit ist, beklagen wir uns vielmehr bei Gott immer nur darüber, dass alles noch so armselig, so gering ist, so gar nicht dem entspricht, was wir erwartet haben, so hindern wir Gott, unsere Gemeinschaft wachsen zu lassen nach dem Maß und Reichtum, der in Jesus Christus für uns alle bereit liegt.’

Wir werden in der Regel nämlich nicht an der christlichen Gemeinschaft irre, sondern an unserem Wunschbild von Gemeinschaft, das sich nicht verwirklichen lässt. Es ist mit der Gemeinschaft wie mit der Heiligung. Sie ist ein Geschenk Gottes, auf das wir keinen Anspruch haben. Wie es mit unserer Gemeinde bestellt ist, weiß allein Gott. Was uns schwach und gering erscheint, kann in Gottes Augen groß und schön sein.

Pneumatische, nicht psychische Wirklichkeit

Christliche Gemeinschaft unterscheidet sich von leib-seelischer Gemeinschaft (Familie, Freundschafen, Arbeitsgemeinschaften):

Geistlich ist das, was der Heilige Geist schafft. Hier lebt die Agape, die selbstlose Liebe, die demütige Unterwerfung unter den Bruder, allein das Wort Gottes bindet. In der geistlichen Gemeinschaft wird alle Macht und Ehre dem Heiligen Geist übergeben,

Seelisch ist das, was aus menschlichen Trieben, Kräften und Anlagen erwächst. Dort wird Macht und Einfluss persönlicher Art gesucht. Ziel ist die Unterwerfung des Bruders unter den eigenen Willen. In der seelischen Gemeinschaft glüht der Eros.

Was bedeutet das konkret für uns:

Für eine Gemeinschaft ist es eine Überlebensfrage, gut zwischen menschlichem Ideal und göttlicher Wirklichkeit zu unterscheiden, zwischen geistlicher und seelischer Gemeinschaft!

Der Andere will geliebt sein als der, für den Christus Mensch wurde, starb und auferstand, für den Christus Vergebung erwarb und ewiges Leben. Ich muss ihn freigeben von allen Versuchen, ihn mit meiner Liebe oder ihrem Entzug zu beherrschen. Geistliche Liebe nimmt das Leben des Anderen nicht in die eigene Hand, sondern ist bereit ihn frei zu lassen, dass Christus mit Heiligem Geist an ihm handelt.

Wenn wir das ernst nehmen, dann erfolgt ein Paradigmenwechsel in der Gemeindeleitung. Dann beginnen wir mit dem ersten Schritt und danken für das, was es in unserer Gemeinde alles gibt.

Kurator Gert Lauermann hat im Anschluss an das Referat genau das in seiner Präsentation getan.

Danken und sich genau ansehen, was schon alles gewachsen ist, – und das ist wirklich beeindruckend viel -, war auch die Aufgabe der Arbeitsgruppen, die sich dann bildeten.

Beim genauen Hinsehen kam in verschiedenen Bereichen auch das eine oder andere zum Vorschein, was der Veränderung bedarf. Zum Beispiel wäre es gut die Vorbereitung des Gemeindecafes, das immer nach den Familiengottesdiensten stattfindet, auf mehrere Schultern zu verteilen. Oder: Für unsere neuen Räumlichkeiten muss die Hausordnung angepasst und bezüglich Hausordnung, Brandschutz und Sicherheit sollen alle Mitarbeiter eingeschult werden. Das sind Beispiele für die Aufgaben, die sich aus dem schon Bestehenden ergeben.

Das haben wir an diesem Tag gelernt: Es geht nicht darum, hoch hinaus zu wollen oder großartige Pläne zu schmieden. Das nimmt viel Erwartungsdruck von allen Verantwortlichen, macht uns frei von selbst gestellten Forderungen und schafft Raum für Gottes Wirken und für Neues.

Unser Treffen vom November wird wohl bei vielen Beteiligten noch weiterwirken. Auch im Presbyterium werden wir immer wieder unser Miteinander und Füreinander vor diesem Hintergrund überdenken, uns zur Erfüllung und der Gemeinde zum Segen!

Irmi Lenius

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