Geistliches Wort

Gemeindezentrum_Neu
(Foto: Dieter Rathauscher)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde unserer evangelischen Kirchengemeinde!

Ein Mitarbeiter hat mich kürzlich auf einen Zeitungsartikel aufmerksam gemacht, in dem von der Renovierung der evangelischen Kirche im Stockerau vor 100 Jahren die Rede ist. Damals feierten die Evangelischen in Stockerau in der Sebastianikirche (steht heute noch an der unteren Hauptstrasse!), die samt Turm 1913 renoviert worden war, Gottesdienst. Dank der unermüdlichen Sammeltätigkeit wurde es sogar möglich „auf dem Turme eine Uhr mit Schlagwerk anzubringen“.

Heute, 100 Jahre später, feiern wir in unserer generalsanierten Lutherkirche Gottesdienst und freuen uns über unser nagelneues Gemeindezentrum, das über den schmucken Vorplatz barrierefrei zu erreichen ist…

Bei der wunderbaren Lesung von Willi Resetarits haben wir schon einmal die Kapazität des neuen Gemeindesaales ausgetestet und für gut befunden. Immer wieder besuchen uns von einer offenen Tür oder Licht im Gemeindezentrum angezogene Passanten und staunen über die neuen Räumlichkeiten und freuen sich mit uns!

Es ist so schön zu sehen, dass sich die Mühen gelohnt haben und unter der fachkundigen Leitung von Architekt Friedrich Kuchler ein echtes Schmuckstück entstanden ist – nicht zuletzt auch durch tatkräftige Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer! Nun gilt es, die neuen Räumlichkeiten wieder mit Leben zu erfüllen und durch unser Miteinander andere in unseren schönen neuen Lebensraum einzuladen.

In einer Zeit der zunehmenden Vereinzelung und eines erstaunlichen Narzissmus ist es beileibe nicht selbstverständlich, Zeit, Kraft und Liebe in die Gemeinschaft zu investieren. Doch es ist ungeheuer lohnend: es gibt nämlich Dinge, die wir uns nicht selber sagen können: die Liebe Gottes, seine Vergebung, sein Segen muss uns zugesprochen werden – wir sind darauf angewiesen, dass uns andere Menschen Gottes Wort zusprechen und uns Gottes Liebe angedeihen lassen. Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Wort und in der barmherzigen Tat des anderen!

Das ist das Wunderbare an christlicher Gemeinschaft: sie ist nicht etwas, das wir aus eigener Kraft zu schaffen hätten, sondern eine Wirklichkeit, die Gott schafft, sein Geschenk an uns:

Ist Gott mir barmherzig, kann ich es anderen gegenüber sein.
Empfange ich Vergebung statt Gericht, kann ich dem anderen im Vertrauen auf Gott vergeben.
Erlebe ich mein Leben als Geschenk, kann ich es mit anderen teilen ohne Angst haben zu müssen, zu kurz zu kommen.

Es geht dabei nicht um unsere Wunschbilder, die wir uns vom Miteinander machen. Die anderen sind in der Regel nicht so, wie ich es mir wünschen würde und ich bin nicht so, wie die andern es sich wünschen würden, ja nicht einmal so, wie ich es mir selber wünsche.

Was uns verbindet ist nicht in erster Linie Sympathie, sondern unser Glaube an Gott, der an uns arbeitet und uns im Glauben wachsen lässt.
Was uns verbindet, ist unser Staunen über Christus und seine Botschaft.
Was uns verbindet, ist unser Ergriffensein von Gottes gutem Geist, der in uns das Werk der Veränderung vollbringt und uns dankbar macht für Gottes Nähe!

Wie wäre es, wenn wir anfingen Gott für unser Miteinander zu danken – auch und gerade da, wo es alles andere als vollkommen ist?!
Wie wäre es, wenn wir die Menschen – auch und gerade die, mit denen uns der Umgang nicht leicht fällt – Gott anbefehlen und seinen Segen für sie zu erbitten?!

Ich glaube, das wäre ein Weg, wie unsere Gemeinschaft auf gute Weise wachsen könnte.

Ich freue mich darauf, diesen Weg mit Ihnen/Euch zu gehen – jetzt im Blick auf das Ende des Kirchenjahres mit Totengedenken und dem Blick auf die Ewigkeit, aber auch im neuen Kirchenjahr, das mit dem Advent beginnt, mit der Vorfreude auf Weihnachten, dem Fest der Menschwerdung Gottes.

Nehmen wir einander an, so wie Christus uns angenommen hat zu Gottes Lob!

Ihr Pfarrer Christian Brost

P.S.: Das Architekturbüro Kuchler, Belvederegasse 5 in Stockerau, das unser uneingeschränktes Vertrauen genießt, hat kürzlich 40-jähriges Bürojubiläum gefeiert. Wir gratulieren herzlich!

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