Die Lutherkirche ausverkauft

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(Foto: Dieter Rathauscher)

„Da Jesus und seine Hawara“
gelesen von Willi Resetarits, mit Gitarrenbegleitung von Karl Ritter

Am 10. Oktober war die Lutherkirche in Stockerau mehr als gefüllt. Ein dankbares Publikum von mehr als 200 Personen lauschte Willi Resetarits, der aus dem Klassiker des Wiener Dialekts „Da Jesus und seine Hawara“ von Wolfgang A. Teuschl las und von Karl Ritter auf der Gitarre begleitet wurde.

Jesus hat seine Lehre in einer leicht verständliche, bildhaften Sprache verkündet. Seine Apostel waren Fischer, Handwerker, einfache Leute. Die „Übersetzung“ von Teuschl versucht, die Atmosphäre des Evangeliums einzufangen – die Welt der Sünder und Zöllner durch die der Pülcher und Strizzi. Sie bezweckt damit eine soziale Richtigstellung und verwendet keine gepflegte Mundart, kein „Schönbrunnerisch“, sondern den härtesten „Beißerspruch“.
(Auszüge aus dem Klappentext der Originalausgabe).

Die „Übersetzung“ des Markus-Evangeliums und ausgewählter Teile der anderen drei Evangelien erfolgte in eine Sprache, die heute schon weitgehend der Vergangenheit angehört und möchte keinesfalls parodieren oder gar verspotten.

Dagegen spricht entscheidend, dass die Kraft der Aussagen ungebrochen und mit allem Ernst gewahrt ist.
(Dr. Wolfgang Beilner, Univ.Prof für Neutestamentliche Bibelwissenschaft).

Wolfgang A. Teuschl hat mit „Da Jesus und seine Hawara“ der Dialektdichtung ein Monument gesetzt, wie auch mit seinem „Wiener Dialektlexikon“. Bis in die 60er Jahre gab es Dialekt nur in der Volksmusik und im Kabarett. Die Literaten der „Wiener Gruppe“ (z.B. Artmann, Achleitner, Bayer) hoben den Dialekt erstmals auf literarisches Niveau. Die Vertonung vieler ihrer Texte war auch für die Entwicklung des Austro-Pop von Bedeutung. Teuschl verfasste Texte u.a. für die Kabarettgruppe Keif, für Kurt Sowinetz („Alle Menschen san ma zwider“), für Lukas Resetarits und Erwin Steinhauer. Er bearbeitete auch Nestroy-Stücke für das Wiener Burgtheater.

Willi Resetarits zeigte bei der Lesung, wie sehr er sich in Texte einfühlen kann und dass Dialekt in diesem Buch nicht Selbstzweck ist und mehr sein kann, als alltägliches Verständigungsmittel. Faszinierend auch die große Breite, die Willi Resetarits abdecken konnte und kann. Von den Gruppen „Die Schmetterlinge“ (Eurovision Song Contest 1977) und „Milestones“ bis zu seinem heutigen Schaffen. Als Kurt Ostbahn interpretierte er Texte von Günter Brödl, der sich ebenfalls sehr um den Wiener Dialekt verdient gemacht hat. Sein soziales Engagement für das „Integrationshaus Wien“ hebt ihn aus der Schar großer Künstler hinaus.

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(Foto: Dieter Rathauscher)

Karl Ritter ist einer der derzeit bedeutendsten Gitarristen in Österreich. Die außerordentliche Breite und der Variantenreichtum seines Schaffens machen ihn zum Ausnahmemusiker. Er war jahrelang Begleiter von Willi Resetarits in seiner Rolle als Kurt Ostbahn, schuf Filmmusik ebenso, wie Musik für Theaterstücke und Hörspiele und spielte eine große Zahl von Alben ein. Als Begleitmusiker kann Ritter seine Kunst völlig in den Dienst des vorgetragenen Textes stellen, ohne dass seine Musik dadurch an Eigenständigkeit und Ausdruckskraft verliert.

Bewährt hat sich nicht nur die Lutherkirche als Ort künstlerischer Darbietungen, sondern auch der nunmehr – fast – fertig gestellte Gemeindesaal, der den Ansturm der Besucher in der Pause zu bestehen hatte. Dass um 15 Uhr die letzten Handwerker die Baustelle verlassen hatten, zeigt nicht nur, mit welchem Hochdruck an der Fertigstellung gearbeitet wurde sondern auch, welche übergroße Leistung die vielen ehrenamtlichen HelferInnen erbracht haben.

Josef Utzig

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