Theodor Kramer in der Lutherkirche

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Lesung mit Musik und Tanz im Rahmen des Weinviertelfestivals

Im Leben Theodor Kramers finden sich beispielhaft die Verwerfungen, Abgründe und Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Der Künstler zeigt in seinen Gedichten, dass er den Blick hatte für die Menschen am Rande: am Rande der Dörfer, am Rande der Städte, am Rande der Gesellschaft. Ohne Schnörkel und Aufputz spricht aus ihnen die Kraft der Wahrheit.

Geboren als Sohn des jüdischen Gemeindearztes von Niederhollabrunn, aufgewachsen am Rande der Dorfgemeinschaft, Offizier und schwer verwundet im 1. Weltkrieg. Als Dichter hoch gelobt, auch von Thomas Mann und Franz Werfel, gefördert von Stefan Zweig und Karl Zuckmayer. Als Sozialist und Jude verboten, verfolgt und vertrieben. In der Emigration vergessen, spät – zu spät – heimgekehrt und als nahezu Unbekannter verstorben. Erst in den letzten Jahren, lange nach seinem Tod, wird sein Werk von einem kleinen Kreis von Kennern und Interessierten wahrgenommen.

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Auch die Geschichte unserer Kirche und der Menschen, die sie erbauten, zeigt die Brüche und Tragödien des vorigen Jahrhunderts. Gerade deshalb war die neugestaltete Lutherkirche der richtige Rahmen, für die Veranstaltung am 2. August. Theodor Kramer ist heimgekehrt in das Haus, in dem er als Kind an Gottesdiensten teilgenommen hat.
Ausgesprochen gekonnt moderiert von Lisa Leeb brachte Heinz Mayer in hervorragender Weise eine Auswahl von Gedichten zum Vortrag. Einige Werke wurden von Martin Haslinger mit Improvisationen auf der Klarinette oder dem Saxophon, von Martin Reisenhofer mit Eigenkompositionen auf dem Klavier und von Angelina Abasolo mit Tanzinterpretationen begleitet.

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Umrahmt wurde die Lesung mit einer Vernissage, bei der drei KünstlerInnen ihre Werke zeigten. Die Aquarelle von Heidi Sykora spiegeln die Landschaft des Weinviertels, Renate Korinek präsentierte Glasskulpturen und von Robert Petschinka sah man Acrylbilder und Siebdrucke. Besonders der Zyklus Petschinkas, in dem er einzelne Gedichte Theodor Kramers mit Liedern der Rolling Stones überlagert, war bemerkenswert.
Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde ein Film gezeigt, in dem neben Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Felix Mitterer und Andrea Eckert Einwohner von Niederhollabrunn und Vertreter der Theodor Kramer Gesellschaft zu Wort kamen.

Unsere Lutherkirche bewährte sich bei dieser gut besuchten Veranstaltung als Ort der Begegnung und der Kommunikation.

Josef Utzig

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