Pfingstvigil

So etwas gab es in der Lutherkirche bisher noch nicht: eine ökumenische Einstimmung auf das Pfingstfest – Pfingstvigil. Vigil ist ursprünglich das Nachtgebet vor einem großen Festtag, kommt also traditionell vom monastischen Stundengebet, bzw der Tagzeitenliturgie. Die ausgewählten Texte und Lieder sollen mit meditativem Charakter alle Gläubigen auf das große Fest vorbereiten, einstimmen.

Die pfarrübergreifende Pfingstvigil hat in Stockerau und Umgebung zwar schon einige Jahre Tradition, aber heuer waren wir Evangelische erstmals mit dabei.

Die veränderte Sitzordnung – zwei Reihen jeweils mit den Rücken zu den Emporen – überraschten mindestens uns Evangelische. Unter dem großen Luster Kerzen und ein hohes Pult für das Buch. Vorne, zwischen Altar und Christusfigur eine große Menorah, an der vor jeder Lesung eine Kerze entzündet wurde. Die liturgische Leitung teilten sich Diakon Wolfgang Stark aus der Pfarre Hausleiten und unser Pfarrer Christian Brost.

Mit den ersten fünf Lesungen, die von Gliedern der jeweils anwesenden Pfarren vorgetragen wurden, machten wir einen Streifzug durch das Alte Testament.

Den Anfang machte Gen.11,1-9 „Man nannte die Stadt Babel, denn dort hat der Herr die Sprachen der Welt verwirrt.“

Gefolgt von Ex. 20,1-17 „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben.“

Schließlich Ez.37,1-14 „Ihr ausgetrockneten Gebeine, ich selbst bringe
Geist in euch, dann werdet ihr
lebendig
“ und

Jes. 61,1-9 „Der Herr hat mich gesalbt; er hat mich gesandt, damit ich den Armen die frohe Botschaft bringe.

Als letzte alttestamentarische Lesung hörten wir Joel 3,1-3 „Ich werde meinen Geist ausgießen…

Vorletzte Lesung war aus dem Römerbrief, Kap.8,22-27. „Der Geist selber tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.

Den Abschluss der Lesungen machte eine Stelle aus dem Johannesevangelium Kap.7,37-39:

Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Zwischen den einzelnen Lesungen gab es thematisch passende Antwort-gesänge, die von allen und/oder dem kleinen Chor – mit starker evangelischer Beteiligung – gesungen wurden. Die musikalische Leitung lag in  den Händen von Johannes Lenius.

Nach zwei kurzen Predigtimpulsen zur Wirkung des Heiligen Geistes kam der Höhepunkt der Nachtfeier: Jeder und jedem wurden die Hände mit Chrisam gesalbt, dazu ein im wahrsten Sinn „geistreicher“ Bibelvers gesprochen. Meiner lautete: „Der Geist des Herrn ruht auf dir, denn der Herr hat dich gesalbt.

Nach dem festlichen Schlußlied und dem feierlichen Segen zeigte sich, dass die Sprachenverwirrung der ersten Lesung nicht mehr vorherrschte. In gutem geschwister-
lichen Miteinander wurde noch geredet, gegessen und getrunken – alles in unserer für solche Sondergottesdienste hervorragend geeigneten Lutherkirche.

Wenn es uns – nicht nur in der Ökumene – mehr und mehr gelingt, uns von Gottes Geist berühren und bewegen zu lassen, dann kann Gottes bedingungslose Liebe in uns und durch uns wirksam werden. Zum Segen für unsere Familien, Pfarrgemeinden und unsere Lebensräume.

Irmi Lenius

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