Ein gesegnetes Osterfest!

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(Photo: Steve Crane)

„Wenn der Tod zu mir kommt, will ich sagen: Ich habe in der Liebe gelebt und nicht nur in der Zeit…“ Rabindranath Tagore

Eines Tages stand er vor meiner Tür. Die Niedergeschlagenheit war ihm anzusehen. Eigentlich wollte er nur ein paar Euro, aber dann erzählte er aus seinem Leben.

Von seinen Mitmenschen war er zutiefst enttäuscht. Zuviel hatte er von Kindesbeinen an erlebt: Immer waren sie auf ihn losgegangen. Wenn in der Schulzeit nur mal einer zu ihm gehalten hätte. Keiner war in der Pause stehen geblieben, um ihm zu helfen, als die Großen auf ihn losgegangen waren.

Eltern und Lehrer, Verwandte und Freunde – alle wollten nur sein Bestes. Das hatten sie ihm oft genug gesagt. Und doch war sein Leben irgendwie verfahren. Keiner hatte ihn wirklich verstanden.

‚Menschen sind wie Raubtiere’: Als er das sagte, waren sein Gesicht rot vor Wut und seine Hände zu Fäusten geballt.

Natürlich waren auch seine Reaktionen oft alles andere als liebevoll. Schließlich hatte es ihm Spaß gemacht, andere durch seine Worte, durch seine Kleidung, durch sein Aussehen vor den Kopf zu stoßen.

Alles ging schief. Der Kontakt zu den Eltern war abgerissen, Freunde nur dann zur Stelle, wenn es etwas zu trinken gab. Er war in seinem Teufelskreis gefangen: keine Arbeit, keine Wohnung; keine Wohnung, keine Arbeit…

Festgenagelt auf seinen Lebensstil.

Und wer festgenagelt ist, wird zum Objekt für die Gaffer, die Besserwisser, die Unbarmherzigen.

Alltäglich werden Menschen festgenagelt: auf eine Äußerung, auf ihre Vergangenheit, auf ihre Fehler oder auch auf ihre Hautfarbe, ihre Rasse, ihre Glaubensvorstellungen. Sich dagegen zu wehren ist sinnlos; man ist ja festgenagelt. Ein Objekt kann nicht rufen. Niemand wird hören.

Vor 2000 Jahren haben sie schon mal einen festgenagelt – an einem Holzkreuz vor den Toren der großen Stadt Jerusalem. Er war gegen den Strom geschwommen und hatte ihr Bild von Gott auf den Kopf zu stellen versucht. Liebe, Barmherzigkeit und Zuwendung statt Macht, Verurteilung und Ausgrenzung.

Am Kreuz sterbend hat er gerufen: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!’ Denn der am Kreuz nagelt niemanden auf irgendetwas fest. Der verurteilt keinen. Er befreit!

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Christian Brost

 

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