Zur Jahreslosung 2013

Wegkreuzung

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebräer 13,14

Mit der Jahreslosung für das neue Jahr 2013 möchte ich sie herzlich grüßen und ihnen allen ein erfreuliches, gesundes und glaubensstarkes Jahr wünschen.

Ich bin sehr glücklich über diesen Satz aus der Bibel, der uns als Leitspruch für ein Jahr miteinander verbinden will.

Bis heute wehre ich mich als Pfarrer dagegen, die Menschen auf das Jenseits zu vertrösten. Ich bin grundsätzlich der Überzeugung, dass es ein Leben vor dem Tod gibt, das es zu gestalten gilt. Dafür brauchen wir all unsere Energie und Kraft. Im Diesseits sollen wir unsere Menschlichkeit bewähren und unser Vertrauen Gott gegenüber.

Ist der Weg das Ziel?

„Der Weg ist das Ziel!“ ist der Ausdruck, den ich immer wieder einmal in diesem Zusammenhang gebraucht habe.

Das tue ich nun nicht mehr, zumindest nicht mehr so vollmundig. Als Seelsorger habe ich nämlich den Eindruck gewonnen, dass in unserer Zeit und Welt der Weg an die Stelle des Zieles getreten ist. Das Ziel, die „zukünftige Stadt“, von der die Jahreslosung spricht, ist dabei immer mehr aus dem Blick und in Vergessenheit geraten. Wenn wir Menschen jedoch das Ziel aus dem Blick verlieren, werden wir ziellos, irren umher, verzetteln uns, weil wir nicht mehr wissen, worauf es ankommt.

Nichts spricht dagegen, sich auf den Weg zu konzentrieren und diesen Weg zum Ziel angenehm zu gestalten. Uns geht es gut und wir lassen es uns gut gehen – beim Wohnen, beim Reisen, beim Essen und Trinken. Wenn es jedoch nur noch ums Geld geht und um immer mehr von allem, wenn die Gier das Denken und Handeln beherrscht, dann haben wir das Ziel aus dem Blick verloren.

Gott hat uns die Erde anvertraut, sie zu bebauen und zu bewahren. Wir schöpfen aus dem Vollen, verbrauchen die Ressourcen der Erde und sind in der Regel nicht bereit, auf irgendetwas zu verzichten. Wenn wir jedoch unseren Kindern und Enkeln nur noch verbrannte und verseuchte Erde zurücklassen und eine giftige Atmosphäre, dann haben wir das Ziel aus dem Blick verloren.

‚Denk an dich! Schau auf dein Wohlergehen!’ – das kann ein gut gemeinter Rat für Menschen sein, die sich für andere verausgaben und dabei Raubbau an der eigenen Gesundheit betreiben. Wenn dieses an sich Denken jedoch zur Ichsucht wird, zum krankhaften Wahn, schön und jugendlich und perfekt sein zu müssen, wenn der Nächste darüber vergessen und an die Wand gedrängt wird, wenn wir nicht länger die Verantwortung sehen und wahrnehmen, die mit unserem Reichtum verbunden ist, dann haben wir das Ziel aus dem Blick verloren.

Nein, der Weg ist nicht das Ziel.

Ziel unseres Lebens ist es, am Tisch des Herrn zu sitzen in jener anderen Welt, die wir uns noch nicht einmal in unseren kühnsten Träumen vorstellen können. Ziel ist ein Leben bei und mit Gott, in dem sich alles findet und vollendet, was sich auf Erden trennen muss und Bruchstück bleibt.

Wenn wir dieses Ziel vor Augen haben, brauchen wir keine Angst zu haben, zu kurz zu kommen. Dann sind wir nicht so anfällig für die krankhaft übersteigerte „Jetztsucht“, die so viele Menschen befallen hat.

Reden wir im nun begonnenen neuen Jahr 2013 von dieser zukünftigen Stadt und laden wir auch andere Menschen ein zum Glauben an das ewige Leben, das schon hier und jetzt begonnen hat…

In diesem Sinne ‚Prosit Neujahr!’

Ihr Pfarrer

Christian Brost

 

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