Haben Sie sich schon mal mit facebook beschäftigt?

Seifenblasen

(Foto: photohai.de)

Viele LeserInnen werden nun sagen: blöde Frage, selbstverständlich! Viele werden sagen: Klar, fb kenne ich, auch wenn ich nicht dabei bin. Das ist ein soziales Netzwerk. Einige fragen dann vielleicht: Aber, was ist ein soziales Netzwerk überhaupt?

Genau letztere Frage bekam unser Presbyterium im November auch beantwortet. Nun, tatsächlich haben wir festgestellt, dass nur einige wenige PresbyterInnen fb-Erfahrung haben. Bevor wir über die Sinnhaftigkeit eines gemeindlichen fb-Auftritts abstimmen konnten, musste uns Andreas Andel zuerst mittels Beamer live zeigen, was facebook kann. Ein soziales Netzwerk und eine homepage sind ja doch grundverschiedene Dinge. Es folgte eine lebhafte Diskussion über Vor- und Nachteile, Sinnhaftigkeit und Gefahren von sozialen Netzwerken wie fb. Kann fb Menschen schaden? Oder kann nur die Art und Weise der Nutzung schaden? Evangelische ChristInnen gehen davon aus, dass freie Menschen ihre Entscheidungen – auch über eine Teilnahme an sozialen Netzwerken – im Einklang mit ihrem Gewissen selbst treffen können. Stehen Menschen unter Druck, möglichst viele likes zu bekommen oder anderen laufend antworten zu müssen? Die Werbemöglichkeiten, der „Schneeballeffekt“ des Netzwerks und das „moderne Image“ standen etwa dem teils unreflektierten Kommunizieren, dem Verringern persönlicher Kontakte (zumindest meistens was deren Tiefe und zwischenmenschliche Beziehung angeht) oder der Tatsache gegenüber, dass wir als Pfarrgemeinde Stockerau eigentlich lieber zielgerichtet regional werben wollten. Sollten wir facebook aber dann nur als reine Werbemöglichkeit nutzen? Schließlich fordert organisches Wachstum der Gemeinde doch tiefgehende und berührende Kontakte zu Menschen. Ist das auf facebook für uns möglich? Ist Gott etwa auch in sozialen Netzwerken zu finden?

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Fragen haben wir freilich weder gesucht noch gefunden. Aber eine Antwort für unsere Pfarrgemeinde. Mehrheitlich lehnte das Presbyterium nach Abwägung von Vor- und Nachteilen einen (weiteren) Auftritt der Pfarrgemeinde bei facebook ab, sodass die Pfarrgemeinde derzeit aus fb wieder gelöscht werden wird (das geht wirklich!).

Dabei sind wir uns bewusst, dass fb weder per se „schlecht“ ist, noch hätte fb für unsere Gemeinde nur Nachteile gehabt. Wir wollen unsere Entscheidung aber als Signal gegen den Strom verstanden wissen. Wir wollen ein kleines Signal gegen Schnelllebigkeit, undifferenzierte Informationsflut und Oberflächlichkeit der Kommunikation setzen. Wir treten für persönlichen Kontakt, Ruhe und Zeit für persönliche Zuneigung und für Besinnung auf das persönlich Wesentliche ein. All das sind Werte, die auf fb vielleicht auch auf die eine oder andere Art zu finden sind, für die fb aber in der Regel nicht steht. Unsere facebook-Seite wird daher in den nächsten Tagen offline gehen.

Kurator Gert Lauermann

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